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22.11.2018

Chinas Logistiker bekommen Konkurrenz

E-Commerce treibt Investitionen in Transportnetze / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Um Kosten zu senken, investieren chinesische Spediteure in die Erweiterung und Modernisierung ihrer Kapazitäten. Der E-Commerce-Riese Alibaba baut derweil sein eigenes Verteilernetz auf.

Chinas Logistikmarkt wächst. Zugleich hat sich die Transportbranche kontinuierlich modernisiert. Im International Logistics Performance Index der Weltbank erreichte das Land 2018 (verglichen wurden 160 Länder) den 26. Platz. Damit lag es auf Augenhöhe mit Südkorea und Taiwan.

Logistics Performance Index
Rang 2018 1) Land Rang 2010 2) Land
5 Japan 2 Singapur
7 Singapur 7 Japan
12 Hongkong (SVR) 13 Hongkong (SVR)
25 Südkorea 20 Taiwan
26 China 23 Korea (Rep.)
27 Taiwan 27 China
32 Thailand 29 Malaysia
39 Vietnam 35 Thailand
41 Malaysia 44 Philippinen
46 Indonesien 53 Vietnam

1) Von 160 Ländern; 2) von 155 Ländern

Quelle: Weltbank

Das Ranking zeigt aber auch: Seit 2010 konnte China seine Position kaum verbessern. Dafür holten andere auf: So arbeitete sich Vietnam vom 53. auf den 39. Platz hoch. Das ist insofern bedeutsam, als immer mehr Firmen in China Fertigungsschritte in das südostasiatische Land verlagern. Dort sind die Löhne wesentlich geringer als in China. Wenn zugleich die vietnamesischen Logistikkosten sinken, treibt das den Abwanderungsprozess weiter voran.

Chinas Logistikkosten zu hoch

China muss daher seine Logistikkosten reduzieren. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich 2016 laut China Daily auf 15 Prozent. Für 2018 wird ein Wert von 14 Prozent angepeilt. Die chinesische Logistikbranche beabsichtigt, durch Investitionen in moderne Technologien ihre Kosten zu senken beziehungsweise ihr Angebot für den Kunden zu verbessern. Daher setzen die Unternehmen verstärkt auf Big Data, Künstliche Intelligenz und eine Automatisierung der Lagerhaltung.

Darüber hinaus wollen sie zunehmend integrierte Lösungen über die gesamte Wertschöpfungskette anbieten. Das wird mittelfristig zu einem Konzentrierungsprozess innerhalb der Branche führen. Kleinere, kapitalschwache Firmen dürften aus dem Markt ausscheiden oder von der Konkurrenz übernommen werden.

Multimodale Lösungen gefragt

Der Marktführer in Sachen Lagerung, Global Logistics Properties (GLP), investiert nach eigenen Angaben in sogenannte multimodale Lösungen. Dadurch sollen See-, Luft- Straßen-, und Schienentransport miteinander kombiniert werden. Ferner engagiert er sich verstärkt im Bereich Kühllogistik und Smart Trucking.

Mit solchen Investitionsplänen reagiert der Konzern auch auf die Herausforderungen des in China rasch wachsenden E-Commerce. Er erreichte 2017 nach Angaben des nationalen Statistikamtes ein Volumen von rund 1 Billion US-Dollar (US$). Das entspricht rund 20 Prozent des landesweiten Einzelhandelsumsatzes.

Onlinehandel boomt

Die Chinesen sind begeisterte Online-Einkäufer. Bereits über 1 Milliarde Menschen sollen über entsprechende Bezahlapps von Tencent ("Wechat") oder Alibaba ("Alipay") verfügen. Jedes Jahr wird eine landesweite 24-Stunden-Shopping-Aktion ausgerufen. Am 11. November 2018 - dem Single's Day - wurden an einem einzigen Tag nahezu 30 Milliarden US$ im Netz umgesetzt, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 2017.

Konkurrenz durch Onlinehändler

Der wachsende E-Commerce erfordert in der Logistikbranche einerseits eine Erhöhung der Lager- und Transportkapazitäten. Andererseits ruft er neue Konkurrenten auf den Plan. Der führende Online-Anbieter Alibaba investiert nach eigenen Angaben über seinen Logistikarm Cainiao umgerechnet rund 14 Milliarden US$ in den Aufbau eines eigenen, weltweiten Logistiknetzes. Zukünftig will er seine chinesischen Kunden innerhalb von 24 Stunden bedienen. Für ausländische Märkte wird eine Lieferzeit von maximal 72 Stunden angepeilt.

Die Logistikbranche muss daher mittelfristig mit einem Wegbrechen des Geschäftsvolumens rechnen. Bislang benutzt Alibaba nämlich die Lagerhäuser von Anbietern wie China Logistics oder ESR. Beide verfügen laut der South China Morning Post in China über Lagerflächen im Umfang von rund 130 Millionen Quadratfuß. Der Konkurrent GLP kommt nach Angaben auf seiner Webseite auf (weltweit) 700 Millionen Quadratfuß.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Weltbank https://lpi.worldbank.org/international/global/2010 Logistics Performance Index
ESR http://www.esr.com Logistiker (Investoren aus USA und Japan)
GLP https://www.glprop.com Chinesisches Lagerunternehmen
China Logistics http://www.logisticschina.org/China_Logistics_Co_Ltd_Logistics_China Chinesischer Spediteur

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China E-Commerce, Logistik / Speditionen

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