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10.04.2017

Chinas Möbelhersteller investieren

Einzelhandel boomt / Deutsche Ausrüstung gefragt / Von Achim Haug

Hongkong (GTAI) - China ist der größte Standort der holzverarbeitenden Industrie und Möbelproduktion. Trotz gestiegener Kostenbasis investieren die Firmen 2017 weiter. Zwar wird die Ausfuhr schwieriger, dafür wächst der Binnenmarkt durch den Immobilienboom. Die Hersteller investieren daher weiter in Ausrüstung. Deutsche Maschinenproduzenten können vom Trend zu höherer Qualität und strikteren Umweltauflagen profitieren.

Seit 2004 ist China der weltgrößte Möbelexporteur. Deutschland bezieht nur aus Polen mehr Möbel als aus China. Während die Ausfuhren aus dem Reich der Mitte allerdings sinken, wächst der Binnenmarkt durch die kauffreudige Mittelschicht. Dies schlägt sich in steigenden Importen nieder, auch aus Deutschland. Die große Masse der Konsumenten wird aber mit chinesischen Produkten bedient.

Die Möbelproduzenten investierten 2016 um 6,4% mehr als im Vorjahr: Für 306,8 Mrd. Renminbi (RMB; rund 42,3 Mrd. Euro; 1 RMB = 0,138 Euro im Jahresdurchschnitt 2016) wurden Anlagen erworben. Die meisten von Germany Trade & Invest im März 2017 auf der China International Furniture Fair in Guangzhou befragten deutschen Hersteller von Holzbearbeitungstechnik waren mit der Auftragslage hochzufrieden.

Verantwortlich dafür ist der boomende Immobilienmarkt. Allerdings hat die Regierung zahlreiche Dämpfungsmaßnahmen erlassen. Marktbeobachter erwarten daher eine Abkühlung im Laufe des Jahres 2017, die sich auch auf den Möbelabsatz niederschlagen dürfte. Langfristig robust bleibt aber der Trend der städtischen Mittelschicht zu höheren Ausgaben für Möbel und Einrichtung. Rund 250 Mio. Chinesen werden bereits zur Mittelschicht gezählt, und die Urbanisierung nimmt weiter rasant zu.

Die offiziellen Statistiken der China National Furniture Association für 2016 beinhalten nur Zahlen größerer Unternehmen. Demnach gab es 5.561 Branchenfirmen, das entspricht 5% mehr als im Vorjahr. Diese produzierten insgesamt 795 Mio. Einheiten. Während das mengenmäßige Wachstum nur bei 1,3% lag, stiegen die Umsätze um 8,6% auf 855,9 Mrd. RMB. Das zeigt, dass die Produktion hochwertiger wird. Die Profitlage ist nicht herausragend, die Möbelindustrie liegt im Durchschnitt der Leichtindustrie. Die Gewinne stiegen um 7,9% auf 53,7 Mrd. RMB.

Der Hohe Importbedarf an Harthölzern macht die Branche von Preis- und Währungsschwankungen abhängig. Derzeit tragen hohe Frachtraten von Europa zu den hohen Preisen für Rohholz in China bei. Der Umsatz der Holzmöbelindustrie lag 2016 bei 89 Mrd. US$, so Schätzungen der Marktforscher von IBIS. In den fünf Jahren davor hatte das durchschnittliche Wachstum bei jeweils 10,7% gelegen. Rund zwei Drittel der Möbelindustrie in China entfallen auf Holzmöbel und 19% auf Metallmöbel.

Der Möbeleinzelhandel boomt

Besonders dynamisch war 2016 der Möbelverkauf über den Einzelhandel mit einem Wachstum von 12,7% auf 278,7 Mrd. RMB. Der gesamte Einzelhandel zeigte sich zum Jahresanfang 2017 robust, im Februar stiegen die Umsätze um 9,5% gegenüber dem Vorjahresmonat. In den Möbelgeschäften lag das Wachstum mit 11,8% sogar noch darüber. Da 2016 ein Wachstum der Einzelhandelsumsätze von 10,4% erzielt wurde, scheint das Regierungsziel von 10% für 2017 erreichbar.

Der größte Möbeleinzelhändler der Welt, IKEA, hatte Ende 2016 in China 21 Geschäfte. Jährlich sollen vier bis fünf neue hinzukommen. Während Deutschland der größte Markt für die Schweden bleibt, gehört die Nachfrage in China zu den wachstumsstärksten. Das Potenzial des chinesischen Inlandsmarktes bleibt gewaltig. Wenn die rund 450 Mio. Haushalte nur alle zehn Jahre neue Möbel für 1.000 RMB kaufen, ergibt sich eine jährliche Ersatzbeschaffung von 45 Mrd. RMB.

Die möbelproduzierende Industrie steht aber unter Konsolidierungsdruck, denn Tausende kleine Fabriken wirtschaften ineffizient. So nimmt die Konzentration großer Firmen zu. Für die Provinz Guangdong geht die Regierung zum Beispiel davon aus, dass 80% des Umsatzwachstums auf größere Firmen entfallen.

Südchina ist eines der weltgrößten Produktionscluster

In der südlichen Provinz Guangdong ist über ein Fünftel der chinesischen Produktion beheimatet. Laut lokalen Statistiken entfielen 2016 rund 51% des Umsatzes auf größere Betriebe. Neben Dongguan hat besonders Shunde (Foshan) starke Möbelcluster, insbesondere der Stadtteil Lecong. In der Provinzhauptstadt Guangzhou sitzt mit Guangdong Oppein Home einer der weltgrößten Hersteller von Küchenschränken. Huizhou ist Heimat einer der großen Firmen, Housen Furniture.

Das Perlflussdelta hat eine vollständige Lieferkette aufgebaut und steht für das größte Exportcluster Chinas. Allerdings steigen die Kosten, deshalb wird zum Teil Produktion nach Vietnam oder Malaysia verlagert. Aber auch Sichuan in Westchina hat viele Betriebe angezogen.

Zweiter großer Standort ist das Yangzidelta, wo Kuka Home oder Zhejiang Sunbridge beheimatet sind. Das dritte Cluster gibt es an der Bucht von Bohai, vor allem in Shandong. Aber auch in Beijing und Tianjin sitzen Branchenfirmen. In der Provinz Hebei sticht die Stadt Xianghe hervor, dem nach Lecong stärksten Standort. Im nördlichen Shenyang und Heilongjiang ist ebenfalls Produktion zu finden, zum Beispiel mit Huafeng Furniture in Dalian.

Umweltstandards werden strenger geprüft

Die Durchsetzung von Umweltstandards wird immer stärker überwacht. Firmen müssen zum Beispiel in bessere Staubfangtechnik investieren beziehungsweise Dämpfe absaugen. Dies kommt deutschen Anbietern entsprechender Technik zugute. Generell sind deutsche Firmen im Markt für Holzbearbeitungsmaschinen gut vertreten. So dominiert Homag durch sein im Jahr 2000 mit Golden Field Woodworking gegründetes Joint Venture den Markt. Die Schopflocher gelten als weltgrößter Hersteller.

Durch die Produktion in Shanghai bleibt Homags Produktportfolio nah am Bedarf. In den vergangenen Jahren wurde kräftig in die Entwicklung investiert und die Zahl der Mitarbeiter in Vertrieb und Service erhöht. So wurden Mid-End-Maschinen für chinesische Kunden entwickelt, um diese so an das High-End-Segment heranzuführen.

Der Möbelaußenhandel spiegelt die Strukturveränderung in China wider: Die Exporte sanken 2016 um 9,4% auf 49,2 Mrd. US$. Dafür stiegen die Importe um 4,9% auf 2,6 Mrd. $. China bleibt der weltgrößte Exporteur, vor Deutschland. Unterdessen werden weniger Holzbearbeitungsmaschinen importiert. Dazu trägt auch die lokale Produktion bei. Denn Chinas Hersteller werden wettbewerbsfähiger, zudem montieren ausländische Firmen vor Ort.

Chinas Importe von Holzbearbeitungstechnik 2016 (in Mio. US$, Veränderung in %)
HS-Code Warenbenennung Import Veränderung 2016/15
8465 Holzbearbeitungsmaschinen 329,9 -8,2
.davon aus Deutschland 119,6 -10,4
8479.30 Pressen zur Herstellung von Span- und Faserplatten 5,6 -72,3
.davon aus Deutschland 4,5 -77,0

Quelle: China Customs

Die nächste China International Furniture Fair (CIFF) findet im September 2017 in Shanghai zusammen mit der Furniture China (http://www.furniture-china.cn/en-us/) statt. Allerdings wird der CIFF in Guangzhou eine höhere Bedeutung zugemessen.

(H.G.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

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