Suche

11.09.2019

Chinas Öl- und Gaskonzerne sind in Kasachstan sehr aktiv

Chinesische Banken stellen Gelder für zahlreiche Projekte bereit / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Rohstoffkonzerne aus China spielen in Kasachstans Bergbau und Petrochemie eine tragende Rolle. Unterstützung bei der Finanzierung von Großprojekten kommt oft von chinesischen Banken.

Unternehmen aus China zählen in Kasachstan zu den aktivsten Auslandsinvestoren. Angaben der kasachischen Nationalbank zufolge belaufen sich ihre Investitionen inzwischen auf 8,95 Milliarden US-Dollar (US$) (Stand: 1. April 2019). Das bedeutet aktuell Rang vier im Länderranking aller Auslandsinvestoren. Höher fielen nur die Kapitalströme aus den Niederlanden, den USA und Frankreich aus. Die Direktinvestitionen der drei Länder flossen jeweils überwiegend in drei Megaprojekte zur Erdölförderung.

Chinesischer Ölkonzern an Raffinerie Schymkent beteiligt

Einer der größten chinesischen Einzelinvestoren in Kasachstan ist die staatliche China National Petroleum Corporation (CNPC). Ihre Aktivitäten vor Ort bündelt sie unter dem Dach des chinesisch-kasachischen Joint Ventures PetroKazakhstan (http://www.petrokazakhstan.kz), dessen Mehrheitseigner CNPC mit 67 Prozent ist. Den Rest der Anteile hält als lokaler Partner Kasachstans nationaler Öl- und Gaskonzern KazMunaiGas.

Die Hauptassets des Joint Ventures sind der Ölförderer PetroKazakhstan Kumkol Resources und die Raffinerie Schymkent. Über PetroKazakhstan ist CNPC zudem an zwei weiteren Joint Ventures zur Erdölgewinnung beteiligt - JV Kazgermunai (mit KazMunaiGas) und Turgai-Petroleum (mit der russischen LUKOIL).

Die petrochemische Anlage in Schymkent wurde zwischen 2011 und 2018 umfassend modernisiert und erweitert. Neben Eigenmitteln der beiden Betreiberfirmen CNPC und KazMunaiGas brachte sich die kasachische Entwicklungsbank (Bank raswitija Kasachstana; BRK) in die Finanzierung des rund 1,8 Milliarden US$ teuren Projekts ein. Die CNPC-Tochter China Petroleum Engineering and Construction Corporation war federführend im Rahmen eines Engineering-Procurement-Construction(EPC)-Vertrags und somit zuständig für Detailplanung und Kontrolle, Beschaffungswesen sowie Ausführung der Bau- und Montagearbeiten.

Chinesische Entwicklungsbank finanziert zahlreiche Projekte

In Kasachstan gibt es weitere Großprojekte, die der neuen Seidenstraße zugeordnet und fast ausschließlich von chinesischen Akteuren finanziert und umgesetzt werden. Hierzu gehört das Vorhaben der halbstaatlichen Kazakhstan Petrochemical Industries Inc. (KPI), die derzeit ein Polypropylen-Werk für 2,6 Milliarden US$ im Gebiet Atyrau errichtet. Generalauftragnehmer im Rahmen eines EPC-Vertrags ist die China National Chemical Engineering Group Corporation (CNCEC). Als Hausbank von KPI fungiert die staatliche China Development Bank (CDB), die bei dem Projekt mit einer Rahmenkreditvereinbarung über 2 Milliarden US$ wichtigster Geldgeber ist. Als Projektmanager ist der panamaisch-US-amerikanische Dienstleister McDermott International mit an Bord.

Darüber hinaus pflegt die CDB enge Geschäftsbeziehungen zum kasachischen Bergbaukonzern KAZ Minerals. Sie finanziert größtenteils dessen Erweiterungsprojekte und Unternehmenskäufe. Derzeit gibt es zwei langfristig angelegte Kreditlinien. Die erste beträgt über 1,5 Milliarden US$, die in den Tagebau Bosschakol (Kupfer) im kasachischen Gebiet Pawlodar und den Tagebau Bosymtschak (Gold, Kupfer) in Kirgisistan fließen. Die zweite Kreditlinie umfasst über 1,3 Milliarden US$ plus 1 Milliarde Renminbi Yuan (RMB; etwa 141 Millionen US$; 1 US$ = 7,0835 RMB, Stand: 28. August 2019) und ist für die Kupfer-/Molybdänlagerstätte Aktogai im Gebiet Ostkasachstan vorgesehen.

Zudem ist Mitte 2019 das Unternehmen China Non-ferrous Metal Industry's Foreign Engineering and Construction Co. (NFC) beim Kupfertagebau Koksai (Gebiet Almaty) eingestiegen. Im Gegenzug für ein 70 Millionen US$ schweres Investment hält NFC knapp 20 Prozent der Anteile an der Lagerstätte, die zu den kleineren Vorhaben von KAZ Minerals gehört. Für KAZ Minerals hat die chinesische NFC, die über eine Niederlassung im kasachischen Pawlodar verfügt, bereits mehrere Aufträge als EPC-Partner an den Standorten Bosschakol und Aktogai ausgeführt.

Auch Chinas Export-Import Bank zeigt deutliche Präsenz

Der Kupfertagebau Aktogai wird für insgesamt 2,2 Milliarden US$ erweitert. Geplant ist dabei auch der Bau einer Fabrik zur Erzanreicherung. Zusätzlich zu den Geldern der CDB greift KAZ Minerals auf ein 300-Millionen-US$-Darlehen der kasachischen Entwicklungsbank BRK zurück. Die von ihr bereitgestellten Mittel stammen wiederum aus einer Kreditlinie der staatlichen Export-Import Bank of China.

Diese machte sich bisher vor allem mit dem Großprojekt zur Modernisierung der Raffinerie Atyrau (Gebiet Atyrau) einen Namen in Kasachstan. Für das Vorhaben, dessen Gesamtkosten rund 1,8 Milliarden US$ betrugen, hat die Export-Import Bank of China etwa 1,1 Milliarden US$ bereitgestellt. Des Weiteren haben sich die kasachische BRK und die staatliche Japan Bank for International Cooperation mit nennenswerten Beträgen an den Projektkosten beteiligt. Zu den Hauptauftragnehmern für die Modernisierung der Raffinerie gehörten unter anderem die Marubeni Corporation aus Japan und die chinesische Sinopec Engineering (Group) Co.

Über eine mit der BRK bestehende Kreditlinie hat Chinas Export-Import Bank auch den Bau und Betrieb der ersten Aluminiumhütte Kasachstans (Kasachstanski elektrolisny sawod) ermöglicht. Zu den Gesamtkosten von etwa 1 Milliarde US$ haben die Chinesen 400 Millionen US$ beigesteuert. Das Werk in Pawlodar, das zur Eurasian Resources Group (Sitz in Luxemburg) gehört, kann jährlich 250.000 Tonnen Reinaluminium herstellen. Einmal mehr fungierte dabei mit NFC Kazakhstan ein chinesischer Akteur als Generalauftragnehmer.

Kaum Platz für nicht-chinesisches Engagement

Überhaupt sind die Chancen in Kasachstan für nicht-chinesische Akteure, um bei Projekten zum Zuge zu kommen, die mit chinesischer Finanzhilfe verfolgt oder zukünftig umgesetzt werden, eher als gering einzuschätzen. Getreu der Devise "Wer zahlt, bestimmt die Musik" läuft es in solchen Fällen auf Auftragnehmer mit chinesischem Hintergrund hinaus. Das führt dazu, dass auch die benötigten Ausrüstungen und Materialien fast ausschließlich aus China bezogen werden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich deutsche Firmen über ihre kasachischen oder chinesischen Niederlassungen einbringen können.

Wichtige chinesische Firmen nach Sektoren
Sektor Firmenname Aktivitäten
Bergbau, darunter
.Öl- und Gasförderung China National Petroleum Corporation (CNPC) Mehrheitseigner des Joint Ventures PetroKazakhstan
.Kupferbergbau China Non-ferrous Metal Industry's Foreign Engineering and Construction Co., Ltd. (NFC) EPC-Partner von KAZ Minerals bei Projekten und Investitionen im Kupferbergbau
(Petro-)Chemie China National Petroleum Corporation (CNPC) Betreiber der Raffinerie Schymkent (zusammen mit KazMunaiGas)
National Chemical Engineering Group Corporation (CNCEC) EPC-Generalauftragnehmer für Kazakhstan Petrochemical Industries Inc. (KPI) beim Bau eines Polypropylen-Werks
Banken China Development Bank (CDB), Export-Import Bank of China Investitionen, Kreditvergabe

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kasachstan können Sie unter http://www.gtai.de/kasachstan abrufen.

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan, China Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Seidenstraße

Funktionen

Kontakt

Kathleen Beger

‎+49 228 24 993 283

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche