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22.06.2017

Chinas Pharmabranche muss in Qualität investieren

Steigende Produktionsanforderungen sorgen für Nachfrage bei Herstellern von Verpackungs- und Dosiermaschinen / Von Corinne Abele

Shanghai (GTAI) - Chinas Pharmabranche muss investieren, will sie mit dem Marktwachstum und der Modernisierungsstrategie der Regierung mithalten. Produktionsstandards müssen erhöht und selbstverpflichtende Qualitätskontrollen durchgeführt werden. 2016 stiegen die Investitionen um 8,4% und damit doppelt so stark wie in der gesamten verarbeitenden Industrie. Hersteller von Produktionsanlagen sowie Verpackungs- und Dosiermaschinen profitieren von der steigenden Nachfrage. Doch der lokale Wettbewerb steigt.

Chinas Gesundheitssektor expandiert gewaltig. Der Umsatz der pharmazeutischen Industrie legte 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 9,7% zu und erreichte im ersten Quartal 2017 ein Plus von 11%. Die Entwicklung ist Ausdruck der rapiden Alterung der Bevölkerung und eines beständigen Anstiegs chronischer Krankheiten aufgrund veränderter Ernährungsweisen und modernen Lebensstils. Noch ist die inländische Pharmaindustrie international nicht konkurrenzfähig. Dies soll sich aber ändern. Die Regierung forciert in der Branche Investitionen in effiziente Produktion gemäß vorgegebener Qualitätsstandards.

Umsatz der chinesischen Pharmaindustrie (in Mrd. RMB; Veränderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in %; Anteil nach Segmenten in %) *)
Umsatz 2015 Veränderung Anteil Umsatz 2016 Veränderung Anteil
Pharmazeutische Industrie 2.688,5 9,0 100 2.963,6 9,9 100
.Bulk Pharmaceuticals 461,4 9,8 17,2 503,5 8,4 17,0
.Westl. Medikamente 681,6 9,3 25,4 753,4 10,8 25,4
.Kräuter für chinesische Medizin 170,0 12,5 6,3 195.6 12,7 6,6
.Chinesische Medizin 616,7 5,7 22,9 669,7 7,9 22,6
.Bio- und biotechnische Medizin 316,4 10,3 11,7 335,0 9,5 11,3
.Hygiene- u. Hilfsmittel 185,9 10,7 6,9 212,5 11,5 7,2
Medizintechnik 238,2 9,0 8,9 276,5 13,3 9,3

*) Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 20 Mio. RMB

Quelle: Ministry of Industry and Information Technology (MIIT)

Bislang hinken Chinas Pharmaexporte deutlich den Importen hinterher. Ausgeführt werden vor allem undosierte pharmazeutische Wirkstoffe für Generika, darunter Antibiotika im Wert von 3 Mrd. US$. Doch deren Ausfuhr ging 2016 zurück. Auch im ersten Quartal 2017 blieben die Zahlen im Minus.

Chinas Ausfuhr von pharmazeutischen Produkten (in Mio. US$, Veränderung im Vergleich zur Vorjahresperiode in %)
2016 Veränderung 1. Quartal 2017 Veränderung
Pharmazeutische Produkte 13.604 0,7 3.344 4,9
.Antibiotika, undosiert 3.019 -4,2 755 -1,9
.TCM 2.252 -14,6 54 3,0

Quelle: Chinesische Zollstatistik

Chinas Regierung ist bemüht, die Qualität der Medikamentenproduktion und das Vertrauen der Patienten in die inländischen Pharmahersteller zu erhöhen. Das Evaluierungssystem gemäß QCE (Quality Consistency Evaluation) dürfte für wesentliche und niedrigpreisige Medikamente bis Ende 2018 fertig sein und soll dann schrittweise ausgedehnt werden. Ziel ist es, mittel- bis langfristig das Misstrauen von Ärzten und Patienten gegenüber inländisch produzierten Medikamenten abzubauen. Doch dieses sitzt aufgrund zahlreicher Skandale in den vergangenen Jahren tief.

Um die geforderten Qualitätsstandards zu erreichen, muss vielfach investiert werden. Insgesamt legten die Investitionen der Pharmabranche 2016 um 8,4% zu und damit doppelt so stark wie die der verarbeitenden Industrie allgemein. Auch 2017 dürften die Investitionen zwischen 8 und 10% wachsen.

Investitionen der pharmazeutischen Industrie (in Mrd. RMB, Veränderung im Vergleich zur Vorjahresperiode in %)
Veränderung 2015/14 2016 Veränderung 1.Quartal 2017 Veränderung
Pharmainvestitionen 11,9 629,9 8,4 96,7 8,1

Quelle: National Bureau of Statistics (NBS)

Von der Modernisierung der Anlagen sowie der Erweiterung der inländischen Pharmaproduktion profitieren auch die Produzenten von Herstellungslinien, Dosiereinrichtungen oder Verpackungslösungen. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Research and Markets dürfte der Markt für Verpackungsmaschinen für die Pharmaindustrie bis 2021 pro Jahr durchschnittlich um 10% steigen und 140 Mrd. Renminbi Yuan (RMB; 18,3 Mrd. Euro; 1 RMB = 0,1307 Euro, Stand: 1.6.17) erreichen.

Inländische Wettbewerber entstehen

Derzeit ist der Markt mit 1.500 inländischen Herstellern noch stark fragmentiert. Doch erste Konzentrationsprozesse haben in den letzten Jahren eingesetzt. So wurde Fengyuan Parmaceutical von Chengdu Push Pharmaceutical übernommen; China Jianyin Investment (JIC) kaufte SGD. Branchenkenner rechnen mit weiteren Übernahmen und Zusammenschlüssen - nicht nur im Land sondern auch im Ausland. Denn häufig mangelt es an eigenem Know-how. Gemäß Research and Markets ist das hochpreisige Spitzensegment in den Händen ausländischer Hersteller wie BD (USA), Gerresheimer (Deutschland), Schott (Deutschland), Nipro (Japan) oder Amcor (Australien). Doch auch diese müssen sich mittelfristig auf erhöhten inländischen Wettbewerb einstellen.

Staatlich auferlegte höhere Qualitätsstandards gelten auch für die zur Verpackung eingesetzten Materialien. Deutliche Erfolge hat China durch seine bereits während des zwölften Fünfjahresprogramms (2011-2015) verfolgte Importsubstitutionspolitik für das chemikalien- und temperaturbeständige Borosilikatglas erzielt, das in der Pharmazie eingesetzt wird. Die inländische Herstellung wurde erheblich ausgeweitet. So sind inzwischen Cangzhou Four Stars Glass oder North China Pharmaceutical in die Massenproduktion eingestiegen. Weitere Produktionskapazitäten bauen die Shandong Pharmaceutical Glass in Zibo sowie die Linuo Glassworks in Jinan auf.

(C.A.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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China Arzneimittel, Diagnostika, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie

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