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06.05.2019

Chinesen beteiligen sich am Ausbau der Infrastruktur in Kroatien

Eisenbahnstrecken und Häfen im Fokus / Von Waldemar Lichter

Zagreb (GTAI) - Chinesische Konzerne beteiligen sich an großen Infrastrukturvorhaben in Kroatien. Auch beim Betrieb von Häfen und Containerterminals mischen sie gerne mit.

Das 8. Gipfeltreffen der Regierungschefs von 16 europäischen Staaten und China (16+1-Initiative) in Dubrovnik Mitte April 2019 scheint sich für den Gastgeber Kroatien jetzt schon auszuzahlen. Im Vorfeld und während der Konferenz sind zahlreiche Vereinbarungen zu Vorhaben unterschrieben worden, die mit Beteiligung chinesischer Unternehmen realisiert werden sollen. Dazu gehören vor allem Projekte im Bereich der Bahn- und Hafeninfrastruktur, aber auch der Neubau von Sportstadien.

Neue Bahnstrecke soll Adriahafen Rijeka besser anbinden

Zu den wichtigsten Vorhaben gehört die Errichtung einer neuen schnellen Bahnstrecke zwischen der Hafenstadt Rijeka und Karlovac. Die Bahnlinie soll über Zagreb bis an die ungarische Grenze (Botovo) fortgeführt werden. Dieser nördliche Abschnitt befindet sich teilweise bereits in der Bauplanung und -ausführung. Die Kosten der Strecke zwischen Rijeka und Karlovac werden auf 1,7 Milliarden Euro, die der kompletten Bahnlinie (270 Kilometer) auf 3,6 Milliarden Euro geschätzt.

Ziel des Vorhabens ist, den Güterhafen Rijeka besser an das Hinterland und die europäischen Transportkorridore anzubinden und die Reisezeit deutlich zu verkürzen. Damit soll sich Rijeka auf dem Markt für Gütertransporte etwa aus Asien beziehungsweise China nach Westeuropa kostengünstiger positionieren und sich Vorteile gegenüber den größten Wettbewerbern Koper (Slowenien) und Triest (Italien) verschaffen.

Die kroatische Regierung möchte das Vorhaben entweder mit Geldern der Europäischen Union finanzieren oder es im Rahmen eines Konzessionsvertrages realisieren. Die Konzession hätte nach Einschätzung von Beobachtern den Nachteil, dass sie die öffentliche Schuld erhöhen würde und so die Einhaltung der Maastricht-Kriterien durch Kroatien gefährden würde. Welches Modell schließlich gewählt werden wird, soll eine dafür eingerichtete Arbeitsgruppe prüfen.

Vereinbarungen mit chinesischen Konzernen abgeschlossen

Anfang April 2019 vereinbarte der Betreiber der kroatischen Bahnstrecken, das Unternehmen HZ Infrastruktura d.o.o. (HZI), mit dem chinesischen Konzern China Road and Bridge Corporation (CRBC) eine Zusammenarbeit bei der Realisierung des Vorhabens. CRBC ist bereits auf dem kroatischen Markt vertreten. Der Konzern gewann einen Tender der Straßengesellschaft Hrvatske Ceste (HC) zum Bau der sogenannten Peljesac-Brücke in Dalmatien für 281 Millionen Euro.

Mit einem weiteren chinesischen Konzern, der China Railway Eryuan Engineering Group Co. Ltd. (CREEC), unterzeichnete HZI eine Absichtserklärung über die gemeinsame Entwicklung eines intermodalen Transportkorridors Richtung Mittelmeer. Das würde auch die Modernisierung anderer Bahnstrecken und einiger Adriahäfen, wie Split, Sibenik oder Zadar, beinhalten.

Neuer Containerhafen auf Krk im Gespräch

In diesem Zusammenhang ist der Bau eines neuen Containerhafens auf der Insel Krk sowie eine neue Straßen- und Bahnbrücke zwischen dem Festland und Krk im Gespräch. Auch daran zeigen chinesische Unternehmen Interesse. Die Umschlagkapazitäten auf Krk werden nach Einschätzung von Beobachtern zusätzlich zu denen des derzeit im Bau befindlichen Containerterminals Zagrebacka obala benötigt. An einer Konzession für Zagrebacka obala soll Meldungen zufolge die chinesische Reederei COSCO interessiert sein.

Im Transportsektor fand kürzlich eine der bisher bedeutendsten chinesischen Investitionen in Kroatien statt. Die Aktienmehrheit an der Betreibergesellschaft des Adria-Hafens Zadar ging im Herbst 2018 durch eine Kapitalerhöhung von umgerechnet 6 Millionen Euro auf die Firma Zadar Seaport über. Deren Gründer ist das Hongkonger Unternehmen Zhongya Holding.

Bau von zwei Fußballstadien geplant

Neben dem Transportsektor könnten sich chinesische Investoren demnächst auch am Bau kroatischer Sportinfrastruktur beteiligen. Im Gespräch sind die Errichtung eines neuen nationalen Fußballstadions mit 30.000 Sitzplätzen, einer Sportakademie und eines Camps in Velika Gorica südlich von Zagreb für 150 Millionen Euro. Dafür unterzeichneten Mitte April 2019 das chinesische Unternehmen Z-Run sowie Vertreter der Stadt Velika Gorica und des Fußballverbandes der Gespanschaft Zagrebe ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Ein ähnliches Dokument wurde im Zusammenhang mit dem geplanten Bau des Stadionkomplexes Kantrida in Rijeka im April 2019 von Kantrida d.o.o. und der chinesischen Gesellschaft Top International Engineering Corporation (TIEC) unterschrieben.

Weitere Informationen zu Kroatien finden Sie unter http://www.gtai.de/Kroatien

Dieser Artikel ist relevant für:

Kroatien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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