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30.10.2018

Chinesisch-deutscher Mix mit Chancen in Westafrika

Geringe deutsche Präsenz macht Kooperationen schwierig / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Lohnt sich nicht, gibt es nicht aus chinesischer Perspektive. Selbst in den kleinen Staaten Westafrikas dehnen chinesische Unternehmen ihre Aktivitäten weiter aus.

Rahmenbedingungen und Trends

Chinas Engagement sticht in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten für die Staaten entlang der Westküste Afrikas heraus. Durch das Fallen der Rohstoffpreise zum Beispiel für Öl, Kupfer, Gold und Eisenerz kam es etwa ab 2015 zu einem deutlichen Nachlassen der ausländischen Investitionen. Die fehlenden Deviseneinnahmen aus dem Rohstoffexport drücken zudem auf die Staatsbudgets, weshalb auch Infrastrukturinvestitionen seitens der Regierungen nur noch vermindert durchgeführt werden können - es sei denn, ausländische Geberorganisationen wie die Weltbank oder private Investoren springen ein. Gerade Letztere halten sich jedoch zurück mit einem Engagement in Afrika. Dies hat auch mit dem generell schwierigen Umfeld für Investitionen zu tun, gekennzeichnet unter anderem durch politische Instabilität und ein hohes Maß an Korruption.

Zunehmendes chinesisches Engagement

Die afrikanische Seite sieht die chinesischen Aktivitäten von daher positiv. Gleichwohl wird die teilweise mangelnde Qualität chinesischer Produkte und Leistungen bemängelt. In diesem Bereich hat es zuletzt allerdings deutliche Fortschritte gegeben. Das chinesische Engagement in Afrika ist geprägt durch Infrastrukturprojekte, die von der staatlichen China Eximbank in verschiedenen afrikanischen Ländern finanziert werden.

Insbesondere afrikanische Staaten mit hohen Rohstoffvorkommen wie die DR Kongo, Nigeria, Ghana, Guinea oder auch Gabun scheinen bei den Chinesen präferierte Investitionsziele zu sein. Dort kam es zu großen Investitionspaketen in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug sichern sich die Chinesen unter anderem Bergbaukonzessionen oder den Zugriff auf Rohstoffe. Unter anderem erhielten chinesische Unternehmen Konzessionen für Kupferminen in der DR Kongo oder Bauxitvorkommen in Ghana und Guinea. Über derartige Projekte bekommen chinesische Bauunternehmen größere Erstaufträge. Einige dieser chinesischen Baufirmen konnten in Afrika mit Folgeaufträgen Wurzeln schlagen.

Auch hochwertige chinesische Produkte schaffen es zunehmend auf den afrikanischen Markt. Hierzu zählen die Lkw-Namen Sinotruck, Shacman und JAC. Daneben haben sich Hersteller von Pkw, Maschinen oder Gabelstaplern inzwischen einen Namen gemacht. Ihr Preis liegt immer noch deutlich unter den etablierten westlichen Marken, jedoch hat die Qualität inzwischen deutlich zugenommen.

Schwache deutsche Präsenz

Speziell für chinesisch-deutsche Kooperationen sind die Voraussetzungen in Westafrika begrenzt, denn die Präsenz deutscher Unternehmen in der Region ist äußerst gering. Im größten Markt Nigeria sind es etwa 85 und in Ghana 35. Dahinter dürfte Côte d'Ivoire folgen mit kaum mehr als zehn deutschen Unternehmen. Investitionen sind selten dabei, in der Regel handelt es sich um kleinere Vertriebsniederlassungen.

Die deutsche Seite setzt recht einseitig auf den Verkauf ihrer Waren in Afrika. Zwar ist das Vertrauen in die Qualität deutscher Produkte groß. Dies reicht aber für ein gutes Standing in Afrika längst nicht mehr aus. Vielmehr bleibt die fehlende Präsenz beziehungsweise die fehlende Bereitschaft zu investieren nicht verborgen und wird seitens der afrikanischen Regierungen und der lokalen Business-Community mitunter als fehlendes Bekenntnis der deutschen in die afrikanischen Märkte interpretiert.

Die deutsche Wirtschaft war in der Vergangenheit präsenter in Afrika. Waren in den 1990er Jahren in mehreren afrikanischen Staaten wie Ghana, Kamerun, Liberia oder Nigeria deutsche Unternehmen noch ein prägender Faktor in den lokalen Bausektoren, ist davon nur noch Julius Berger in Nigeria übrig geblieben, inzwischen auch drastisch abgespeckt und mehrheitlich in nigerianischer Hand. Es gäbe die Möglichkeit, Infrastruktur zu betreiben, wie Mobilfunknetze, Kraftwerke, Wassernetze, die städtische Müllentsorgung oder Häfen - aber auch hier ist im Vergleich zu Unternehmen aus anderen westlichen Ländern kein deutsches Unternehmen aktiv.

Kooperation

Huawei und CHEC kooperieren mit internationalen Netzbetreibern

Durch die schwache deutsche Präsenz bleiben die Kooperationsmöglichkeiten mit chinesischen Unternehmen begrenzt. Gleiches gilt für die Bereitschaft afrikanischer Politiker, deutsche Unternehmen prominent bei Großprojekten ins Spiel zu bringen. Wie Kooperationen zwischen westlichen und chinesischen Firmen in Afrika aussehen können, zeigen zwei Beispiele: So hat sich die China Harbour Engineering Corporation (CHEC) inzwischen beim Hafenbau in Afrika etabliert. CHEC führt in privatem Auftrag zumeist von Seiten der französischen Bolloré Africa Logistics (BAL) den Bau neuer Containerterminals in Tema (Ghana), Conakry (Guinea) und Monrovia (Liberia) durch.

Des Weiteren erhält das chinesische Telekommunikationsunternehmen Huawei in vielen afrikanischen Ländern Aufträge von den privaten Mobilfunknetzbetreibern wie MTN aus Südafrika, Airtel (Indien) oder Orange (Frankreich) für den Netzausbau. Häufig wird für die Bauaufsicht ein westlicher Unterauftragsnehmer zwischengeschaltet. Im Falle des Hafenausbaus in Tema wurde beispielsweise die US-amerikanische Aecom beauftragt. Letztere Möglichkeit steht auch deutschen Unternehmen offen.

Preis ist oft entscheidend

In Afrika ansässige Handelshäuser oder auch Durchführer von Projekten setzen längst auf ein Produktmix, bei dem neben hochwertigen Produkten zum Beispiel aus Deutschland auch chinesische Ware ihren Platz hat. Dies ist immer dann der Fall, wenn chinesische Unternehmen ansprechende Qualität anbieten können. Der Preis ist in jedem Falle deutlich niedriger als bei europäischen Produkten. Speziell in Afrika spielt angesichts des Kapitalmangels der Preis eine entscheidende Rolle. Kooperationsmöglichkeiten bei der Zusammenstellung von Komponenten und Produkten bestehen daher reichlich.

An chinesisch finanzierten Großprojekten als Zulieferer oder Dienstleister zu partizipieren, davon träumen nicht nur deutsche Firmen. In erster Linie gilt aber: Wenn die Chinesen das Projekt finanzieren, dann beauftragen sie fast ausschließlich chinesische Unternehmen. Ausnahmen gibt es immer wieder, wenn die Chinesen die geforderte Qualität nicht annähernd selber vorweisen können. Mitunter werden seitens der chinesischen Bauunternehmen Baumaschinen internationaler Marken gekauft. Vereinzelt werden auch deutsche Ingenieurbüros mit Dienstleistungen wie dem Erstellen von Machbarkeitsstudien oder der Bauaufsicht beauftragt.

Perspektiven

Es ist mit einer Weiterentwicklung der chinesischen Aktivitäten in den kommenden Jahren zu rechnen. In den letzten Jahren wurden bereits erkennbare Fortschritte in Punkto Qualitätsverbesserung erzielt. Neben der Entwicklung qualitativ guter Produkte dürfte die Verbesserung der Bereiche Vertrieb und After-Sales-Service im Mittelpunkt stehen. Hier sehen Beobachter nach wie vor große Defizite. Chinesische Unternehmen dürften in diesen Bereichen offen für Kooperationen sein.

Deutsche Seite liefert das Know-how - die Chinesen das Produkt

So verkauft das deutsche Handelshaus C. Woermann inzwischen auch Gabelstapler der chinesischen Marke Hangcha. Das chinesische Unternehmen hat für seine hochwertigen Produkte bewusst einen Vertriebspartner gesucht, der in der Lage ist, guten After-Sales-Service zu leisten. C. Woermann mit seinen Niederlassungen in Nigeria und Ghana agiert in beiden Ländern als Handelsvertreter für eine Reihe von zumeist technischen Produkten wie Werkzeug, Generatoren oder Landmaschinen.

In Abidjan (Côte d'Ivoire) steht der Handelsvertreter Prestige Auto unter deutscher Leitung und bietet neben westlichen Kfz-Marken auch chinesische Fahrzeuge an. Auch die Präsenz deutscher Anbieter im Solarbereich ist groß in Afrika. Hier gibt es mehrere Beispiele, bei denen deutsche Projektmanager mit chinesischen Solarpanels und ausländischer Finanzierung Projekte akquirieren. Dafür bedarf es in der Regel findige und lokal gut vernetzte Unternehmer. Je nach Branche scheint es gegebenenfalls sinnvoll, sich bereits in China nach geeigneten Kooperationspartnern umzusehen.

Aus diesem Grund hat der vor allem in Zentralafrika mit zahlreichen Vertretungen präsente französische Handelsvertreter Tractafric kürzlich auch ein Büro in Shanghai eröffnet. Damit möchte Tractafric, das vor allem Caterpillar-Baumaschinen vertreibt, zu den Zentralen der chinesischen Bauunternehmen einen engen Kontakt aufbauen, um bereits im Frühstadium von Projekten in Afrika über Beschaffungen informiert zu sein. Tractafric ist bislang Pionier bei einer derart frühzeitigen Projektakquise.

Mögliche Kooperation beim Ausbau der Infrastruktur

Bislang nicht praktiziert werden gemeinsam finanzierte Infrastrukturprojekte zwischen der deutschen und der chinesischen Regierung in Afrika. Auch andere westliche Staaten führen derartige Kooperationen mit China bislang nicht durch. Dies mag aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen in Bezug auf die zu erbringenden Gegenleistungen der afrikanischen Regierungen auch nicht ganz einfach sein. Gleichwohl könnten derartige Partnerschaften auch für Unternehmen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnen. Vor allem, wenn die chinesische Seite Leistungen nicht abdecken kann, bei denen deutsche Unternehmen gute Lösungen anbieten. So könnte zum Beispiel beim Bau einer Bahntrasse die deutsche Seite die Ausstattung mit Signaltechnik übernehmen. Ähnliches wäre denkbar beim Bau von Kraftwerken oder in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Abfallentsorgung. All diese Bereiche werden weitgehend von staatlicher Seite betrieben und sind von ausländischer Finanzierung abhängig.

Investitionsprojekte mit chinesischer Beteiligung
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner Land
Ausbau des Hafens von Abidjan inklusive Containerterminal "TC2" 850 Im Bau Kapazität des Terminals: 1,5 Mio. TEU, Durchführung des Baus und Betrieb durch Konsortium aus Bolloré, AP Moller Terminals und Bouygues, Finanzierung durch China Eximbank. Côte d'Ivoire
Port Môle Waterfront Projekt in Libreville 575 Baubeginn 2013. Derzeit keine Bautätigkeit Bau einer Marina in Libreville mit Konferenzzentrum, Einkaufszentrum, Büros und Hotels. Gabun
Erweiterung des Hafens Tema 1.500 Durchführung. Großteil der Aufträge bereits vergeben. Mitte 2015 erhielt Meridian Ports (MPS) eine über 35 Jahre laufende Konzession für den Ausbau und Betrieb des Hafens in Tema. Mit 70 Prozent sind Bolloré Africa Logistics (BAL) und APM Terminals beteiligt. Ghana
Aluminium Corporation of China (Chalco) 500 Geplant Chalco will 2018 mit dem Aufbau der Mine starten. Guinea
Wasserkraftwerk Souapiti (500 Megawatt) 1.500 Im Bau Gebaut von China International Water and Electric Corporation (CWE), Filiale von China Three Gorges Corporation (CTG). Guinea
Cité Internationale de Conakry 100 Im Bau seit 2015 Wohnungskomplex auf 24 Hektar Land in Conakry-Kipé, finanziert und durchgeführt von China. Guinea
Ausbau des Hafens von Conakry 770 Im Bau Ausbau soll durch CHEC realisiert werden. Guinea
Tiefseehafen Kribi - Ausbauphase II 675 Baubeginn steht bevor China Eximbank gewährt der kamerunischen Regierung Kredite für den Bau. Geplant sind der Bau eines 1,1 Kilometer langen Kais sowie Massengutterminals. Kamerun
Ausbau des Containerterminals in Kribi 445 Geplant 2017 erhielt das Konsortium aus Bolloré, CMA CGM und CHEC die Konzession für Bau und Betrieb des Terminals über 25 Jahre. Kamerun
Song-Dong-Wasserkraftwerk (270 Megawatt) 655 Geplant China Eximbank hat Finanzierung zugesagt. Hydrochina soll den Bau durchführen. Kamerun
Ausbau des Flughafens Robertson in Monrovia k.A. Im Bau Baudurchführung durch die chinesische CHEC. Liberia
Bahntrasse "Lagos-Calabar" 1.200 Geplant Finanzierung und Bauausführung der 1.400 Kilometer langen Trasse soll aus China kommen. Nigeria
Lagos "Blue Line" Light Rail 1.200 Im Bau Strecke von Lagos Island in Richtung Westen. Das Public- private-Partnership (PPP) soll von der privaten Eko-Rail betrieben werden. Nähere Informationen auf http://www.lamata-ng.com/rail. Nigeria
Bau von fünf neuen Flughafenterminals (unter anderem Lagos, Port Harcourt, Kano, Abuja) 500 Im Bau Finanziert von China Eximbank. Betreiber soll die chinesische Civil Engineering Construction Corporation (CCECC) im Rahmen von PPP werden. Nigeria
Ausbau der Tonkolili-Eisenerzmine 700 Geplant Die Investition wurde Ende 2016 vom Minenkonzessionär Shandong Iron & Steel Group zugesagt. Einige Experten bezweifeln, dass es zu Investitionen in dieser Höhe kommen wird. Sierra Leone

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Die gesamte Studie "China in Afrika - Perspektiven, Strategien und Kooperationspotenziale für deutsche Unternehmen" können Sie kostenlos beziehen: Printversion unter der Bestellnummer 21054 (32 Seiten) bei Germany Trade & Invest, Kundencenter, Postfach 140116, 53056 Bonn, Telefon: 0228/24993-316, E-Mail: vertrieb@gtai.de oder als PDF-Dokument nach kurzer Registrierung unter http://www.gtai.de/china-in-afrika.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Westafrika können Sie unter http://www.gtai.de/afrika abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Nigeria, Ghana, Guinea, Gabun, Kongo, Demokratische Republik, Côte dIvoire, Kamerun, Liberia, Sierra Leone, China, Westafrika, Zentralafrika Transport und Verkehr, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Geschäftspraxis allgemein

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