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16.07.2019

Chinesische Firmen an Produktion in Rumänien interessiert

"Made in EU" soll neue Absatzmärkte eröffnen / Von Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - Chinesische Unternehmen sind an Fertigungen in Rumänien interessiert. Im Zuge der Handelsexpansion sind Industrie-Mehrheitsbeteiligungen ein Vehikel für mehr Absatz in der EU.

Für chinesische Unternehmen ist Europa nicht nur einer der bedeutendsten Absatzmärkte, sondern auch ein Produktions- und Dienstleistungsstandort von wachsendem Interesse. Chinesische Investoren in Rumänien wollen Standortvorteile - darunter insbesondere den Zugang zum gesamten Markt der Europäischen Union (EU) - nutzen. Das Label "Made in EU" erhöht zudem die Absatzchancen auf dem Binnenmarkt wie auch außerhalb der EU.

Das chinesische Unternehmen DHS ist ein Beispiel für Markterschließung über eine Produktion in Rumänien. DHS hat in Deva im westrumänischen Kreis Hunedoara mehr als 20 Mio. Euro investiert und fertigt dort Fahrräder, unter anderem E-Bikes. Der dortige Produktionsleiter erklärte kürzlich gegenüber der Deutschen Welle, er sei zufrieden mit der Stadt und der Investition. Die Nachfrage nach E-Bikes auf dem europäischen Markt ist massiv - aktuell ein Selbstläufer. DHS habe inzwischen überall in Europa Kunden gefunden, vor allem in Deutschland und den Niederlanden.

Als Nachteil sieht das Unternehmen die Auflage der Europäischen Kommission, dass 60 Prozent der Komponenten aus der EU beschafft werden müssen. Die Produktion über Importe aus China zu organisieren käme billiger. Der Unternehmer bemängelte auch, dass das Niederlassungsverfahren für chinesische Firmen in Rumänien sehr lange dauert. Es gäbe sehr viel Bürokratie, ein Problem bilde auch die Sprache.

China sucht Partner im Fahrzeugbau

Astra Vagoane Calatori, ein in Arad (Westrumänien) ansässiger Hersteller von Schienenfahrzeugen für den Personenverkehr, vereinbarte eine Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen. Ziel ist es, die Chancen bei Ausschreibungen einiger rumänischer Städte wie Cluj-Napoca, Oradea oder Galati für die Anschaffung von Straßenbahnen beteiligen zu verbessern. Der Fahrzeugbauer will mit der CRRC Sifang Co., Ltd. kooperieren, einem Tochterunternehmen der staatlichen China South Locomotive and Rolling Stock Industry Corporation (Beijing).

Im Kreis Prahova (nördlich von Bukarest) liegt in der Gemeinde Baicoi der Industriepark Meteor, betrieben vom chinesischen Unternehmen Meteor International Import Export. Laut Medienberichten vom Sommer 2018 beabsichtigt der Elektrobusse-Produzent Qian Feng New Energy Vehicle, dort insgesamt 100 Millionen Euro in die Produktion von umweltfreundlichen Bussen zu investieren.

Chinesische Cofco ist größter Getreideexporteur in Rumänien

Cofco, Chinas Gigant im weltweiten Getreidehandel, betreibt in Rumänien einen Getreideterminal im Hafen Constanta. Er hat eine jährliche Umschlagkapazität von drei Millionen Tonnen Getreide und ist seit 2014 im Besitz von Cofco. Ziel des Getreidehändlers ist die Verdoppelung des Getreidehandels in der Region am Schwarzen Meer. Cofco ist bereits der größte Getreideexporteur in Rumänien und belegt Platz 19 unter den führenden Exportunternehmen. Vom Schwarzen Meer aus beliefert Rumänien Nordafrika, den Nahen Osten und Südostasien.

Chinesisches Handelszentrum beliefert Einzelhandel in ganzer Region

In der Nähe von Bukarest betreibt die rumänische Niro Investment Group das Einkaufszentrum Dragonul Rosu (Der rote Drache, http://www.dragonulrosu.ro). Es setzt vor allem Billigwaren aus China auf der Groß- und Einzelhandelsstufe ab, insbesondere Kleidung, Elektrogeräte und Metallwaren. Dort befinden sich über 5.000 Geschäfte. Nur 30 Prozent davon haben Geschäftsinhaber chinesischen Ursprungs, heißt es. Dragonul Rosu dient auch als Drehscheibe für die regionale Belieferung weiterer Märkte mit chinesischen Produkten, wie Bulgarien, Griechenland, Österreich, die Republik Moldau, die Ukraine und Ungarn.

Ferner kündigte die Niro Group im Oktober 2018 die Entwicklung einer China Town in Bukarest an. Diese soll auf 300.000 Quadratmetern Geschäfte, Restaurants, einen Tempel sowie ein Ausstellungszentrum für chinesische Firmen mit einer Fläche von insgesamt 100.000 Quadratmetern Raum bereitstellen.

Wichtige chinesische Unternehmen nach Sektoren
Sektor Firmenname Aktivitäten
Kfz-Industrie Quin Romania / Gruppe Joyson, Ghimbav, Kreis Brasov Produktion in Ghimbav/Brasov von Teilen für Innenausstattung (u.a. Lenkräder, Konsolen)
Kfz-Industrie Ningbo Huaxiang Electronic Co. Ltd. (NBHX) Automotive System, Kreis Brasov Holz-Applikationen für Innenausstattung für z.B. Mercedes, BMW, Audi, Volkswagen Porsche. Bis vor zwei Jahren gab es auch deutsche Beteiligung in diesem Unternehmen.
IKT Huawei (Bukarest) Vertrieb von Smartphones, Laptops, Tablets, usw. diverse Support-Tätigkeiten
Sport & Freizeit Eurosport DSH (Hunedoara) Produktion von Fahrrädern, auch E-Bikes; chinesische (60 Prozent)und deutsche Beteiligung
Nahrungsmittel Smithfield Prod, Timisoara, Kris Timis(WH Group, Hong Kong) Fleischproduktion und -verarbeitung
Infrastruktur Sinohydro Corporation (gehört zur Gruppe PowerChina International Group Limited, Beijing) Drei-Jahresvertrag für die Wartung von Landesstraßen im Kreis Vrancea
Landwirtschaft Cofco (Beijing) Getreidelagerung und Getreideterminalbetrieb

Quelle: GTAI-Recherchen

Chinas Direktinvestitionen in Rumänien gewinnen an Bedeutung

Nach Angaben der rumänischen Zentralbank betrug der Bestand aller ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Rumänien Ende 2017 insgesamt 75,9 Milliarden Euro. Davon flossen 44,8 Milliarden Euro in Greenfield-Investmentgesellschaften. China ist in der Länderrangliste der ersten 19 Staaten, deren Investoren mehr als 500 Millionen FDI in Rumänien getätigt haben, nicht enthalten.

Ein Bericht der Rhodium Group (RHG) und des Mercator Institute for China Studies (MERICS) über chinesisches FDI in Europa vom März 2019 beziffert die kumulierten chinesischen FDI-Transaktionen in Rumänien für den Zeitraum 2000 bis 2018 bereits auf 0,9 Milliarden Euro.

Ausländische Direktinvestitionen: Anzahl der chinesischen FDI-Projekte in Rumänien *)
Industrie Januar 2010 bis Mai 2019
IKT 15
Kfz-Teile 6
Textilien 5
Erneuerbare Energien 4
Elektronikteile 3
Maschinen und Anlagen 2
Dienstleistungen 1
Kohle, Öl und Gas 1
Bautechnologie 1
Baumaterialien 1
Finanzdienstleistungen 1
Industrieanlagen 1
Konsumgüter 1
Hotels und Tourismus 1
Insgesamt 43

*) Statistik enthält nur Greenfield- und Erweiterungsinvestitionen; Firmenkäufe und Beteiligungen sind nicht enthalten.

Quelle: fDi Markets (Juni 2019)

Weitere Informationen zu Rumänien sind unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Seidenstraße

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