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12.07.2019

Chinesische Textilfabriken in Äthiopien brauchen gute Maschinen

Hohe Investitionen für Stoffproduktion und Garnspinnerei geplant / Von Ulrich Binkert

Hawassa (GTAI) - "Chinesische Maschinen tauschen wir nach fünf Jahren aus", so ein Unternehmer in Afrikas größtem Industriepark Hawassa. Hier scheint es sie zu geben: Chancen für deutsche Technik.

Mit seinem Maschinenpark ist Tony Kao, nun ja, nicht rundum zufrieden. Der stellvertretende Geschäftsführer des Stoffproduzenten JP Textile im äthiopischen Industriepark Hawassa hat sehr gute Erfahrungen gemacht mit einem italienischen Trockner und zwei Schweizer Anlagen in der Webereivorbereitung. Auch die 120 japanischen Webmaschinen laufen so problemfrei, dass Kao bei der anstehenden Betriebserweiterung gerne wieder dieselbe Marke beschaffen würde. Dafür wird er bei der Mutterfirma Wuxi Jinmao einsetzen, die im fernen China über solche Beschaffungen entscheidet.

Anders ist das beim Rest des JP-Textile-Maschinenparks, der vollständig aus chinesischen Marken besteht. So in der Abteilung Ausrüsten mit ihren oft großen, teuren Anlagen. Dort wird der Stoff nach dem Weben fertiggestellt, mit Arbeitsschritten wie Waschen, Trocknen oder Merzerisieren. "Diese Maschinen werden wir wahrscheinlich schon nach einer Gesamtbetriebszeit von fünf oder sechs Jahren ersetzen müssen", sagt Kao. Und das, obwohl solches Gerät normalerweise viel länger hält. "Von den Spannrahmen sagt der zuständige Abteilungsleiter, hätten sie es mit Technik aus den 80er-Jahren zu tun. Wir werden da also für andere Marken plädieren."

Chinesen unzufrieden mit made in China

Der Abteilungsleiter ist selber Chinese. Tony Kao stammt aus Taiwan und der Geschäftsführer aus Hongkong. Sowie weitere 60 Manager und Techniker bei JP Textile, die damit rund ein Zehntel der Belegschaft stellen: Alle wichtigen Positionen sind mit Chinesen besetzt. Sicherlich nicht die unwichtigste dabei ist die des Kochs; mit ihrer Kantine haben sich die Chinesen ein Stück Heimat nach Äthiopien geholt. Aber soll bei der Technik auch alles made in China sein? Da scheint die Heimatverbundenheit ihre Grenzen zu haben.

Textile Wertschöpfungskette im Ausbau

Nach den guten Erfahrungen bei JT Textile mit Maschinen aus Japan, Italien und der Schweiz gehört nicht viel Fantasie dazu: Chinesische Manager in Äthiopien werden auch Technik aus Deutschland in den Blick nehmen. Bei künftigen Beschaffungen bei JP Textile, aber auch bei anderen chinesischen Firmen.

Zum Beispiel bei Wuxi No. 1, einem weiteren Investor. Die beiden Firmen stehen für einen Ausbau der Wertschöpfungskette, der Äthiopiens Textilindustrie einen dringend benötigten Schub verleihen würde. Und der gut wäre für die Absatzaussichten deutscher Anbieter von Maschinen oder Chemikalien, die ihre Kunden typischerweise in der kapitalintensiven Textilindustrie finden.

Aber der Reihe nach: JP Textile liefert bisher 90 Prozent seiner Stoffe an den US-Moderiesen PVH (Tommy Hilfiger, Calvin Klein und andere Marken), der in Hawassa Hemden produziert. Nun will Wuxi Jinmao, die Mutterfirma von JP Textile, einen Teil der Stoffe selber verwerten und ebenfalls im Industriepark Hawassa eine Bekleidungsfabrik aufbauen.

Für diese Firma, JP Garments genannt und getrennt geführt von JP Textile, steht bereits die Werkshalle. Bereits im September 2019 sollen die ersten Nähmaschinen zum Einsatz kommen. Die Arbeiterinnen in der neuen, 6 Millionen US-Dollar (US$) teuren Fabrik sollen ab 2020 pro Jahr 3,6 Millionen Hemden, Schlafanzüge (Loungewear) sowie Leggins, Unterhosen und Ähnliches (Bottoms) herstellen.

Bereits seit Oktober 2018 arbeitet JP Textile an einem weiteren, 9 Millionen US$ teuren Projekt, das die Kapazität der Stoffproduktion um 36 Prozent steigern soll. Und wofür sich Tony Kao ebenjene 48 japanischen Airjet-Webmaschinen wünscht.

Eingeplante Abnehmer dieser zusätzlichen Stoffe sind, neben der eigenen Bekleidungsfabrik und dem Ankerkunden PVH, andere in Äthiopien angesiedelte Hersteller von Bekleidung für Auslandsmärkte. Diese Nähfabriken beziehen ihre Stoffe bisher weitgehend aus dem Ausland. JP Textile will diese Lücke füllen und sieht für die Zukunft steigenden Bedarf: Die Phasen 2 bis 4 der Expansion sind schon fest eingeplant, mit Investitionen von insgesamt 86 Millionen US$ und Baubeginn schon 2020.

Anvisiert ist eine Verdoppelung der gegenwärtigen Kapazität. Der 16 Millionen US$ teure Abschnitt umfasst Anlagen für das Färben von Stoffen; bisher färbt die Firma lediglich Garn. Mit 50 Millionen US$ am teuersten ist die Phase 3. Sie soll 2021 in Bau gehen, mit zusätzlichen 120 Webmaschinen und einer weiteren Färbemethode (piece dye). Für 2025 ist der Startschuss für den 20 Millionen US$ teuren Aufbau von Anlagen zum Bedrucken von Stoffen geplant.

Der chinesische Garnlieferant baut Spinnerei in Äthiopien

Bisher importiert JP Textile so ziemlich alles, was zur Produktion in Hawassa benötigt wird. Die Chemikalien kommen zu 85 Prozent aus China, das Garn zu 100 Prozent - nämlich von Wuxi No. 1. Für Oktober 2019 erwartet JP-Textile-Vize Tony Kao die erste Garnlieferung made in Ethiopia: Aus der neuen Fabrik, die Wuxi No. 1 gerade in Dire Dawa unweit der Grenze zu Somalia baut. Und wo laut Kao gerade die Maschinen installiert wurden.

Die neue Fabrik soll nach Angaben der Ethiopian Investment Commission zunächst gut 1.000 Menschen beschäftigen und neben Garn auch Stoffe und Bekleidung produzieren, also vertikal integriert sein. China Daily schreibt von künftig 3.000 Beschäftigten und Investitionen von insgesamt 220 Millionen US$ in zwei Phasen. Damit wäre das Werk ein Mammutprojekt der Textilindustrie - nicht nur in Äthiopien.

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Dieser Artikel ist relevant für:

Äthiopien, China Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Textil- und Ledermaschinen, Seidenstraße

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