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19.07.2019

Chinesische Unternehmen wollen Hochgeschwindigkeitsstrecke in der Türkei ausbauen

Reich der Mitte will Investitionen bis 2021 verdoppeln / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - China engagiert sich in der Türkei im Rahmen der neuen Seidenstraße in erster Linie beim Ausbau des Schienenverkehrs. Das deutsche Unternehmen Duisport ist am Bau des ersten privaten Railports des Landes beteiligt.

Die Türkei ist für China ein wichtiges Transitland nach Europa. Daher ist China vor allem daran interessiert, die Schienenverbindungen im Land zu erweitern und zu modernisieren. Chinesische Unternehmen weiten ferner ihren Einfluss am türkischen Energiesektor aus, indem sie sich am Bau von Kraftwerken beteiligen. Auch im Tourismus ist eine stärkere Zusammenarbeit beider Länder zu beobachten. Die Ausweitung der Wirtschaftskooperation mit China steht im Einklang mit der Politik Ankaras, seine bisher hauptsächlich auf die Europäische Union ausgerichteten Handelsbeziehungen zu diversifizieren.

China und Türkei verhandeln über Erweiterung der Hochgeschwindigkeitstrecke

Pressemeldungen zufolge verhandeln derzeit die türkische und chinesische Regierung über den weiteren Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Kars im Osten und Edirne im Westen des Landes. Chinesische Unternehmen haben gute Chancen, auch diesmal wieder zum Zuge zu kommen. Denn an der Teilstrecke Istanbul-Ankara, die bereits 2014 eröffnet wurde, waren die Firmen China Railway Construction Corporation (CRCC) und China National Machinery Import and Export Corporation (CMC) beteiligt. Auch das Geld für den Bau kam damals aus China, ein Kredit in Höhe von 750 Millionen US-Dollar (US$). Bei den jetzigen Verhandlungen geht es um die Streckenführung Ankara-Sivas-Erzincan-Kars.

Für China ist die Ende 2017 eröffnete Eisenbahnstrecke zwischen Baku (Aserbaidschan), Tiflis (Georgien) und Kars ein wichtiges Teilstück der südlichen Ost-West-Route über Land. Zwar war das Land selbst nicht am Projekt beteiligt, doch profitiert es von dieser Verbindung, da sie an Russland und Iran vorbeiführt und mögliche Störungen des Warenstroms so umgangen werden.

Duisport ist Mitinhaber des neuen Railports - Kredit kommt aus China

In der nordwestlichen Industrieregion Kocaeli entsteht derzeit der erste privat betriebene intermodale Railport des Landes. An der Zweckgesellschaft Railport Terminal Isletmeleri sind das türkische Unternehmen Arkas Holding (66,6 Prozent) und das deutsche Logistikunternehmen Duisport (33,3 Prozent) beteiligt. Das Railterminal soll zum einen zur Entwicklung des innertürkischen Güterverkehrs beitragen. Zum anderen soll der Schienentransport auf der Route Europa-Balkan-Zentralasien erleichtert werden. Bislang existiert kein intermodaler Logistikhub zwischen der Türkei und den Ländern Zentralasiens.

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 86 Millionen US-Dollar (US$). An der Finanzierung ist auch eine chinesische Bank beteiligt. Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) steuert 30 Millionen US-Dollar (US$) zur Finanzierung bei. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) beteiligt sich ebenfalls mit einem 30-Millionen-US$-Kredit.

Nach der geplanten Fertigstellung des knapp 27 Hektar großen Areals im Jahr 2020 sollen in der ersten Projektphase 105.000 Standardcontainer (Twenty-Foot Equivalent Unit, TEU) und 500.000 Tonnen allgemeine Fracht abgefertigt werden können.

Chinesisches Konsortium betreibt Containerhafen am Marmarameer

Die bisher größte chinesische Direktinvestition in der Türkei ist der Erwerb des Containerhafens Kumport am Marmarameer bei Istanbul für 940 Millionen US$ im Jahr 2015. Die Unternehmen Cosco Pacific, China Investment Corporation (CIC) und China Merchants Holdings International (CMHI) haben damals 65 Prozent am drittgrößten Containerhafen des Landes übernommen. Die restlichen 35 Prozent hält der Staatsfonds des Sultanats Oman.

Chinesische Unternehmen beteiligen sich am Bau eines Kohlekraftwerks

Auch chinesische Energieunternehmen steigern ihre Präsenz in der Türkei. Im Jahr 2018 gründeten die chinesischen Firmen Shanghai Electric Power Company und AVIC International Project Engineering Company zusammen mit zwei kleinen türkischen Firmen das Joint Venture Emba Elektrik Üretim. Dieses errichtet derzeit in Adana/Yumurtalik ein 1.320-Megawatt-Braunkohlekraftwerk für insgesamt 1,7 Milliarden US$.

Ausbau des Tourismus auch Teil der neuen Seidenstraße

Die Tourismusbranche ist ein weiterer Bereich, in dem die Türkei und China stärker zusammenarbeiten wollen. Beide Länder haben das Ziel formuliert, die Zahl der Reisenden aus dem Reich der Mitte bis 2020 auf 1 Million zu erhöhen. Für das Jahr 2019 rechnet die Branche mit einer halben Million Besuchern. Im vergangenen Jahr reisten 390.000 Chinesen in die Türkei. Wegen der zunehmenden Gäste aus China haben chinesische Fluggesellschaften die Zahl der Direktverbindungen in die Türkei erhöht.

Die chinesische Wanda Group errichtet derzeit ein Luxushotel in Istanbul. Der Bau der Anlage "Wanda Vista Istanbul" verzögert sich allerdings wegen aktueller wirtschaftlicher Probleme in der Türkei.

Zahl der Direktinvestitionen aus China stark gestiegen

Chinesische Unternehmen haben vor dem Jahr 2013 kaum in der Türkei investiert. Laut türkischer Zentralbank betrugen die Bestände im Jahr 2012 gerade einmal 6 Millionen US$. Seit 2013 steigen die Direktinvestitionen aus China jedoch stetig und erreichten im Jahr 2017 knapp 1,6 Milliarden US$. Nach Angaben des chinesischen Botschafters in Ankara, Deng Li, haben chinesische Unternehmen im Jahr 2018 bereits 2,8 Milliarden US$ investiert. Bis 2021 sollen sich die Bestände auf 6 Milliarden US$ mehr als verdoppeln.

In der Türkei sind rund 1.000 Firmen mit chinesischem Kapital registriert. Die meisten sind Vertriebsgesellschaften.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Türkei sind unter http://www.gtai.de/tuerkei abrufbar.

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei, China Eisenbahnbau, Seidenstraße

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