Suche

19.11.2018

Côte d'Ivoire - Vom Land des Elfenbeins zur modernen Wirtschaft

Inhalt

Wirtschaftlicher Aufschwung in Westafrika, gefestigte Regierungsstrukturen / Von Carmen Fuseler, GIZ

Eschborn (GIZ) - Côte d'Ivoire entwickelte sich nach der Unabhängigkeit zum ökonomischen Wunder Westafrikas. Die politische Krise von 2011 wirkt jedoch bis heute nach.

Côte d'Ivoire liegt in Westafrika. Im Norden grenzt das Land an Mali und Burkina Faso, im Westen an Guinea und Liberia. Im Osten liegt der Nachbarstaat Ghana und im Süden der Atlantische Ozean. Mit einer Fläche von 322.461 Quadratkilometern und einer Küstenlinie von mehr als 500 Kilometern ist Côte d'Ivoire einer der größten Staaten an der westafrikanischen Küste und fast so groß wie Deutschland. Seit 1983 ist Yamoussoukro die offizielle Hauptstadt. Der Regierungssitz befindet sich in der früheren Hauptstadt Abidjan, die auch weiterhin das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes darstellt. Im Deutschen ist das Land Côte d'Ivoire auch als Elfenbeinküste bekannt. Der Name geht darauf zurück, dass Elfenbein lange das wichtigste Exportprodukt des Landes war.

Côte d'Ivoire ist überwiegend durch Ebenen und Hochebenen gekennzeichnet. Nur an der Grenze zu Guinea gibt es Erhebungen über 1.000 Meter. Der höchste Berg ist der Mont Nimba. Die größten Seen sind der Koussoustausee und der Buyostausee. An der Küste Côte d'Ivoires herrscht ein feuchtes, tropisches Klima, das Richtung Norden immer stärker in ein trockenes Klima übergeht. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 28 Grad Celsius. Zwischen dem Norden und dem Süden sowie zwischen den Jahreszeiten kann die Temperatur jedoch stark variieren. Insgesamt gibt es drei Klimazonen im Land: Im Süden spricht man von einem äquatorialen Klima, 200 Kilometer nördlich der Küste beginnt das feuchte Savannenklima und im Norden herrscht trockenes Savannenklima. Im Norden geht die Vegetation zunächst in Trockenwälder über und wird schließlich zur Savanne (Sudan-Savanne und Guinea-Savanne). Seit 1953 gibt es acht Nationalparks. Die bekanntesten sind der Nationalpark Tai und der Nationalpark Comoé, die beide Weltnaturerbe-Gebiete sind.

Bewegte Vergangenheit: Von der Kolonialisierung bis heute

Bis zur Kolonisierung gab es im südlichen Teil von Côte d'Ivoire keine festen staatlichen Strukturen. Der Nordteil hingegen kam ab dem 11. Jahrhundert unter den Einfluss der Sahelreiche, etwa des Malireiches. Im 17. Jahrhundert war der Stadtstaat Kong der mächtigste Staat der Region und ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. Im 15. Jahrhundert trieben die Portugiesen Handel mit den einheimischen Stämmen an der Küste. Sie wurden aber im 17. Jahrhundert von den Franzosen verdrängt. Diese gründeten 1843 den Marinestützpunkt Grand-Bassam und erklärten das Gebiet 1893 zur französischen Kolonie. Während der Kolonialzeit gab es immer wieder Aufstände, vor allem durch den islamischen Führer Samory Touré. 1956 erhielt Côte d'Ivoire eine innere Selbstverwaltung und wurde 1958 zur autonomen Republik innerhalb der französischen Gemeinschaft.

Am 7. August 1960 wurde Côte d'Ivoire schließlich unabhängig. Félix Houphouet-Boigny war bis zu seinem Tode 1993 Staatspräsident und bis 1990 auch Regierungschef. Er war außerdem Gründer der Einheitspartei "Parti Democratique de Côte d'Ivoire" (PDCI). Im Gegensatz zu anderen Staaten, die unter anderem durch Namensänderung ihr koloniales Erbe in den Hintergrund rückten, hielt Côte d'Ivoire auch nach der Unabhängigkeit an den engen Verbindungen zu Frankreich fest. Auf Grund von Unruhen wurde 1990 ein Mehrparteiensystem eingeführt und das Amt des Ministerpräsidenten geschaffen. Côte d'Ivoire war bis dahin eines der reichsten Länder Westafrikas und politisch stabil. Nach dem Tod von Félix Houphouet-Boigny rückte 1993 Henri Konan Bédié, ebenfalls von der PDCI, in das Präsidentenamt nach. Die Wahlen im Oktober 1995 bestätigten ihn im Amt. Durch eine Verfassungsänderung wurde seine Amtszeit von fünf auf sieben Jahre verlängert und seine exekutiven Befugnisse gestärkt.

1999 führte der Verfall der Kakaopreise zu einer wirtschaftlichen Krise. Im selben Jahr wurde Bédié durch einen unblutigen Militärputsch unter der Führung von General Robert Guéi des Amtes enthoben. Dieser Putsch hatte eine Krise zur Folge, die unter anderem durch Diskriminierung der im Norden des Landes lebenden Ethnien gekennzeichnet war. Dies schlug sich auch in Präsidentschaftswahlen 2000 nieder. Die Wahl gewann Laurent Gbagbo. Der Kandidat der Opposition, Alassane Outtara, war zuvor von den Wahlen ausgeschlossen worden, da seine Eltern aus dem Nachbarland Burkina Faso stammen. 2002 brachte ein Teil der Armee den Norden des Landes unter seine Kontrolle. Der Konflikt wurde nach einem UN-Einsatz zunächst beigelegt und Côte d'Ivoire in zwei Gebiete geteilt. Bis 2007 eskalierte der Konflikt jedoch immer wieder. Mit dem Vertrag von Ouagadougou wurde im März 2007 schließlich eine Machtteilung zwischen dem amtierenden Präsidenten Gbagbo und dem Rebellenführer Guillaume Soro beschlossen.

Nach der Präsidentschaftswahl 2010 kam es erneut zu einer politischen Krise. Obwohl Ouattara international als legitimer Sieger der Wahl anerkannt wurde, versuchte Gbagbo die Wahl als ungültig zu erklären. Kurzfristig gab es zwei Präsidenten und es kam zu Streiks, Drohungen und Demonstrationen. Schließlich kam es überall im Land zu erbitterten Kämpfen zwischen Gbagbo-Anhängern und Befürwortern von Ouattara. Nach der Festnahme von Gbagbo wurde Ende 2011 Ouattara Präsident. Trotz intensiver Friedensbemühungen, wirtschaftlichen Aufschwungs und hauptsächlich gefestigter Regierungsstrukturen wirkt die politische Krise von 2010/2011 bis heute nach.

Politisches System und Kultur

Côte d'Ivoire ist eine präsidiale Republik mit einem Mehrparteiensystem. Der Präsident wird für fünf Jahre gewählt und kann den Regierungschef ernennen. Die Legislative ist die Nationalversammlung mit 225 Abgeordneten, die Volksvertreter werden in den Distrikten gewählt. Die Struktur der staatlichen Institutionen Côte d'Ivoires ist vergleichbar mit denen vieler anderer westafrikanischer Länder. Der Staatsaufbau richtet sich nach dem französischen Muster. Dem Staatspräsidenten fallen große exekutive Machtkompetenzen zu. In Côte d'Ivoire gibt es über 60 verschiedene Ethnien, die man grob in vier Hauptgruppen unterteilen kann: die Mandé-Gruppe im Nordwesten, die Voltaique-Gruppe im Norden und Nordosten, die Krou im Südwesten und die Akan im Südosten und im östlichen Zentralbereich. Côte d´Ivoire ist außerdem das wichtigste Einwanderungsland für Arbeitsmigranten in Westafrika. Diese stammen vor allem aus Burkina Faso und Mali. Die Diversität an Volksgruppen und Migranten hat in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten geführt.

Kooperation mit internationalen Partnern

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Côte d'Ivoire sind traditionell freundschaftlich. Dies zeigte sich beispielsweise beim Besuch des ivorischen Präsidenten Ouattara in Berlin im Januar 2013 und bei seiner Teilnahme an der G20-Konferenz in Berlin im Juni 2017. Deutschland genießt in Côte d'Ivoire ein hohes Ansehen. Die Bundesrepublik unterstützt das Land sowohl bilateral als auch über die Europäischen Union beim Stabilisierungs- und Wiederaufbauprozess.

Seit Ende der Krise im April 2011 ist die entwicklungspolitische Zusammenarbeit intensiviert worden. Mittel werden vor allem im Energiebereich (Stromversorgung) und bei der Entwicklung der Natur- und Wirtschaftsräume im Tai- und Comoépark und deren Einzugsbereichen eingesetzt. Seit 1993 arbeiten Deutschland und Côte d'Ivoire im Umweltschutz zusammen. Daneben gibt es Projekte der Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit/Familienplanung und HIV/AIDS-Prävention, erneuerbare Energien sowie Rohstoff-Governance.

Für 2015 und 2016 erfolgten Zusagen in Höhe von 20 Millionen Euro zur Entwicklung des Gesundheitswesens. 2017 erfolgten Zusagen von rund 150 Millionen Euro. Im Rahmen der G20-Initiative "Compact with Africa" wurden erstmals Mittel für eine Reformpartnerschaft im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz zugesagt.

In Côte d'Ivoire lernen etwa 250.000 Menschen Deutsch. Die Universitäten in Abidjan und Bouaké haben große Germanistik-Institute mit über 1.000 Studierenden. In Abidjan gibt es außerdem ein Büro des Goethe-Instituts, welches neben Sprachunterricht auch umfassende Programmarbeit leistet. Der universitäre Austausch und die Stipendienprogramme liegt in den Händen eines DAAD-Lektorats an der Université Houphouet-Boigny in Abidjan.

Allgemeine und aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise erteilt das Auswärtige Amt: https://www.auswaertiges-amt.de/de/cotedivoiresicherheit/209460

(Stand: Juli 2018)

Kontaktadressen

Botschaft Côte d'Ivoire

Schinkelstraße 10

14193 Berlin

T +49 (0)30 89 06 96-0

F +49 (0)30 25 75 89 93

contact@ambaci.de

http://www.ambaci.de

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland

39, Blvd. Hassan II

(Blvd. de la Corniche) Abidjan - Cocody

01 B.P. 1900, Abidjan 01

Côte d'Ivoire

T + 225 22 44 20 30

http://www.abidjan.diplo.de

Dieser Artikel ist relevant für:

Côte d'Ivoire Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein

Funktionen

Kontakt

Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche