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26.04.2019

Der Nahrungsmittelumsatz im Vereinigten Königreich wächst

Neue Trends eröffnen Marktchancen / Von Robert Scheid

London (GTAI) - Der Absatz von Lebensmitteln im Vereinigten Königreich steigt. Chancen für deutsche Produzenten bieten die Segmente Premium- und Bio-Nahrungsmittel sowie Fertigprodukte.

Der Umsatz von Lebensmitteln und Getränken im Vereinigten Königreich wächst. Das Marktforschungsunternehmen Fitch Solutions erwartet für 2019 eine Steigerung des Nahrungsmittelumsatzes um rund 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für den Zeitraum 2020 bis 2022 rechnen die Marktforscher mit einer jährlichen Wachstumsrate von 3,3 Prozent.

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Nachfrage nach Bio-Produkten steigt

Britische Konsumenten legen inzwischen mehr Wert auf gesundes Essen und eine umweltfreundliche Ernährung. Die Nachfrage nach Frischobst und Gemüse wächst. Auch die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt kontinuierlich. Im Jahr 2018 stieg der Umsatz laut dem Organic Market Report 2019 der Soil Association um 5,3 Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund (circa 2,6 Milliarden Euro). Bislang ist der Anteil von Bio-Lebensmitteln am gesamten Lebensmittelumsatz mit 1,5 Prozent noch gering. Die Nachfrageentwicklung ist seit etwa einem Jahrzehnt aber positiv. Supermarktketten wie Whole Foods oder As Nature Intended, aber auch die deutschen Discounter Lidl und Aldi, bieten ein breites Sortiment an Bio-Lebensmitteln an.

Die Anzahl der Online-Lebensmitteleinkäufe über den Online-Supermarkt Ocado sowie über die Online-Angebote der Marktriesen Tesco und Sainsbury's steigt. Bei Bioprodukten ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Im Jahr 2018 stiegen die Online-Bestellungen von Bio-Lebensmitteln um 14 Prozent an und machten 14 Prozent aller Bio-Verkäufe aus.

Auch Fertigprodukte, sogenannte "convenience foods", sind bei den britischen Konsumenten stark gefragt. Vor allem in der hektischen Hauptstadt wird in Supermärkten zu "ready to eat"-Salaten für die Mittagspause gegriffen. Landesweit sind ofenfertige Gerichte beliebt.

Handelsmarken (private label) sind im Vereinigten Königreich beliebter als in anderen EU-Ländern. Selbst im Premiumsegment sind sie weit verbreitet. Supermärkte investieren viel in die Positionierung ihrer Private-Label-Produkte. Laut Schätzungen von Statista erreichten Eigenmarkenprodukte in britischen Supermärkten 2018 einen Umsatzanteil von 52,5 Prozent. Im Vergleich dazu lag der Umsatzanteil der Handelsmarken in Deutschland bei 40,1 Prozent.

Deutsche Discounter Aldi und Lidl auf dem Vormarsch

Der Lebensmitteleinzelhandel im Vereinigten Königreich ist stark konzentriert. Die drei größten Supermarktketten haben einen Marktanteil von 58 Prozent. Aldi und Lidl steigern ihre Marktanteile und führen viele deutsche Produkte. Dies bietet Absatzchancen für weitere deutsche Hersteller. Mittelfristig planen die beiden Discounter mehr als 250 neue Supermarktfilialen. Als Reaktion auf die wachsende Konkurrenz im Niedrigpreissegment gründete Tesco Ende 2018 die neue Discounter-Kette Jack's. Geplant sind lediglich 10 bis 15 Läden.

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Rund 80 Prozent der Importe stammen aus der EU

Das Vereinigte Königreich verfügt über eine hochentwickelte Nahrungsmittelindustrie. Trotzdem werden etwa die Hälfte der Produkte und Erzeugnisse importiert. Der Anteil der Importe aus EU-Mitgliedsstaaten liegt bei etwa 80 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die britischen Lebensmittelimporte 2018 um 0,5 Prozent auf insgesamt 48 Milliarden Euro. Der Anteil deutscher Lebensmittel betrug 9,5 Prozent. Unter den wichtigsten Herkunftsländern belegte Deutschland den 3. Rang hinter den Niederlanden (11,2 Prozent) und Irland (9,8 Prozent), aber vor Frankreich (9,4 Prozent).

Einfuhr von Nahrungsmitteln in das Vereinigte Königreich (in Mio. Euro)
SITC Produktgruppe 2017 2018 davon aus Deutschland (2018)
01 Fleisch und Fleischprodukte 7.226 7.272 770
02 Milch und Milchprodukte, Vogeleier 3.511 3.677 448
03 Fische, andere Wassertiere und Zubereitungen 3.555 3.498 205
04 Getreide und Getreideprodukte, Teig- und Backwaren 4.208 4.324 589
05 Gemüse, Früchte und Zubereitungen 12.033 11.895 781
06 Zucker, Zuckerwaren, Honig 1.432 1.268 106
07 Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Waren daraus 4.135 4.090 687
09 Verschiedene Lebensmittel und Zubereitungen 5.610 5.798 612
11 Getränke 6.164 6.303 379
Summe 47.874 48.125 4.578

Quelle: Eurostat

Der Brexit verunsichert Importeure

Im Fall eines "No-Deal-Brexits", also eines ungeregelten EU-Austritt ohne Abkommen, würden neue Zolltarife auf viele landwirtschaftliche Erzeugnisse erhoben. Diese können online unter http://www.gov.uk/guidance/check-temporary-rates-of-customs-duty-on-imports-after-eu-exit abgerufen werden. Auch wenn das Vereinigte Königreich in der Zollunion bliebe, würden neue Formalitäten in Kraft treten, die den Transport von verderblichen Lebensmitteln verlangsamen und verteuern könnten. Aufgrund des hohen Importanteils aus der EU und der kurzen Haltbarkeit vieler eingeführter Produkte ist die britische Nahrungsmittelbranche besorgt.

Über Richtlinien bezüglich Beschriftungen, Haltbarkeit und Zusammensetzung bei der Erzeugung und Distribution von Nahrungsmitteln informiert das Ministerium für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft (DEFRA) auf http://www.gov.uk/guidance/food-standards-labelling-durability-and-composition und http://www.gov.uk/food-labelling-and-packaging. Informationen zum Verbraucherschutz und zu weiteren Richtlinien sind bei der Food Standards Agency (FSA) erhältlich.

Weitere Informationen zum Vereinigten Königreich finden Sie unter http://www.gtai.de/vereinigtes-koenigreich.

Mehr zum Thema Brexit finden Sie auf http://www.gtai.de/brexit.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Brexit

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