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10.06.2019

Deutsch-ägyptischer Warenhandel 2018 durch Sondereffekte gedämpft

Deutsche Ausfuhren fielen bei einigen Warengruppen auf Normalniveau zurück / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Stabile ägyptische Exporte und sinkende deutsche Lieferungen prägten 2018 den bilateralen Außenhandel. Das lange erwartete neue Zollgesetz soll Abläufe vereinfachen und beschleunigen.

Das Warenhandelsvolumen zwischen Deutschland und Ägypten fiel 2018 um 19,1 Prozent auf 5,3 Milliarden US-Dollar (US$) zurück. Dafür war vor allem ein empfindlicher Rückgang der deutschen Lieferungen nach Ägypten verantwortlich. Normalerweise erzielt Deutschland stets hohe Milliardenüberschüsse, da stärker verarbeitete und hochtechnisierte Produkte geliefert werden als umgekehrt.

Den Einbruch der deutschen Lieferungen 2018 erklären maßgeblich hohe Sondereffekte im Vorjahr. In der Datenbank des UN Comtrade werden die Unterkapitel der besonders betroffenen Kategorie HS 99 nicht aufgeschlüsselt. Darunter sind jedoch schwankungsanfällige wie Zubehör für Bohrinseln und Flugzeugteile. In der Kategorie HS 84 war 2017 ein hohes Liefervolumen bei Gas- und Dampfturbinen (HS 8406 beziehungsweise 8411) zu beobachten. Dieses deckt sich mit dem Fertigstellungszeitraum der drei 4,8-Gigawatt-Kraftwerke durch Siemens.

Außenhandel Deutschlands mit Ägypten (in Milliarden US$; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2017 2018 Veränderung 2018/17
Importe 1,49 1,49 0,0
Exporte 5,06 3,81 -24,7
Handelsbilanzsaldo 3,57 2,32 -

Anmerkung: Die Zahlen bilden "Reporter" Deutschland und "Partner" Ägypten ab.

Quelle: UN Comtrade

Das HS-Kapitel 84 mit Maschinen, Turbinen, Pumpen und Motoren bleibt der größte Einzelposten aus Deutschland. Da etwa 90 Prozent der Maschinen in Ägypten aus dem Ausland stammen, dürften auch mittelfristig gute Lieferchancen bestehen. Allerdings ist eine wachsende chinesische Konkurrenz zu beobachten, die auf dem preissensiblen Markt guten Widerhall findet.

Fahrzeuge werden etwa zur 50 Prozent aus CKD-Kits (Completely Knocked Down) montiert und zur anderen Hälfte als Komplettfahrzeuge nach Ägypten importiert. Zum 1.Januar 2019 fielen die Zölle auf in der EU endmontierte Pkw laut dem Assoziierungsabkommen weg. Damit erzielen die Importfahrzeuge einen Kostenvorteil.

Ausfuhr Deutschlands nach Ägypten (nach Warengruppen; in Millionen US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
HS-Kapitel 2017 2018 Veränderung 2018/17
84 (Maschinen, Apparate, Kessel etc.) 1.420,2 947,7 -33,3
87 (Kraftwagen, Krafträder etc.) 404,8 560,0 38,3
85 (elektrische Maschinen etc.) 458,4 394,5 -13,9
30 (pharmazeutische Erzeugnisse) 258,6 218,4 -15,5
90 (optische Apparate, medizinische Instrumente etc.) 225,8 205,8 -8,9
39 (Kunststoffe und Waren daraus) 163,5 183,0 11,9
99 (besondere Zollcodes) 1.107,0 155,8 -85,9
29 (organische chemische Erzeugnisse) 103,0 113,3 10,0
38 (verschiedene chemische Erzeugnisse) 97,5 105,9 8,6
48 (Papier und Pappe) 75,7 72,2 -4,6
73 (Waren aus Eisen oder Stahl) 112,9 69,7 -38,3
32 (Farbstoffe, Gerbstoffe, Anstrichfarben etc.) 47,6 58,0 21,8
74 (Kupfer und Waren daraus) 23,4 48,3 106,4
40 (Kautschuk und Waren daraus) 46,5 44,7 -3,9
33 (ätherische Öle und Resinoide etc.) 30,5 44,4 45,6

Anmerkung: Die Zahlen bilden "Reporter" Deutschland und "Partner" Ägypten ab.

Quelle: UN Comtrade

Eindeutiger Schwerpunkt der deutschen Importe aus Ägypten sind mineralische Brennstoffe, Mineralöle und ihre Destillate des HS-Kapitels 27. Diese fielen allerdings 2018 gegenüber dem Vorjahr um 16,5 Prozent auf 616,7 Millionen US$ zurück. Der Erdölpreis betrug zwar 71 US$ gegenüber 54 US$ im Jahr 2017. Da aus Ägypten aber nur noch 1,1 Millionen statt 1,8 Millionen Tonnen Erdölprodukte geliefert wurden, stand unter dem Strich das deutliche Minus beim Einfuhrwert.

Dass neue Erdölvorkommen erschlossen und Raffineriekapazitäten ausgebaut werden, dürfte Ägypten auf mittlere Sicht zusätzliche Exportmöglichkeiten verschaffen. Zudem werden neue große Erdgasfelder ausgebeutet. Eine bessere Rohstoffversorgung und mehrere geplante Petrochemiekomplexe werden der Kunststoffproduktion in Ägypten Auftrieb geben. Der Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse dürfte weiter ansteigen. Der Textil- und Bekleidungssektor verzeichnet seit der Währungsabwertung 2016 Kostenvorteile im Auslandsgeschäft.

Ausfuhr Ägyptens nach Deutschland (nach Warengruppen in Millionen US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
HS-Kapitel 2017 2018 Veränderung 2018/17
27 (mineralische Brennstoffe etc.) 738,2 616,7 -16,5
08 (genießbare Früchte und Nüsse etc.) 72,1 91,5 26,9
61 (Kleidung aus Gewirken und Gestricken) 56,4 74,3 31,7
07 (Gemüse, Pflanzen etc.) 73,6 71,3 -3,1
62 (Kleidung außer aus Gewirken und Gestricken) 46,8 70,4 50,4
85 (elektrische Maschinen etc.) 60,1 60,3 0,3
39 (Kunststoffe und Waren daraus) 51,3 58,3 13,7
76 (Aluminium und Waren daraus) 45,5 48,2 5,9
72 (Eisen und Stahl) 33,3 43,5 30,6
70 (Glas und Glaswaren) 25,2 36,9 46,4

Anmerkung: Die Zahlen bilden "Reporter" Deutschland und "Partner" Ägypten ab.

Quelle: UN Comtrade

In der Rangfolge der Lieferländer fiel Deutschland durch die gedämpften Ausfuhren 2018 um drei Plätze zurück. Beim Warenexport nach Ägypten hat die VR China ihre Spitzenposition mit einem Lieferanteil von 14,2 Prozent ausgebaut. Mit erheblichem Abstand folgten Saudi-Arabien mit 7,0 und die USA mit 6,7 Prozent. Russland schob sich mit 6,0 Prozent auf den vierten Platz. Deutschland kam auf einen Lieferanteil von nurmehr 5,1 Prozent.

Ägypten erreichte 2018 durch Devisenreserven von 41,3 Milliarden US$ eine Einfuhrdeckung von rund sechs Monaten. Seitdem stiegen die Fremdwährungsreserven weiter an und lagen im April 2019 laut der Zentralbank CBE bei 44,2 Milliarden US$.

Neues Zollgesetz auf dem parlamentarischen Weg

Ein neues ägyptisches Zollgesetz stand im Mai 2019 kurz vor der Verabschiedung. Der Staatsrat dürfte den Entwurf bis Anfang Juni an das Kabinett weiterleiten. Mit dem neuen Gesetz verbindet sich auch die Hoffnung, einfacher und schneller ausländische Waren ins Land zu bekommen. Ägyptischen Medienberichten zufolge soll eine "Whitelist" zuverlässiger Importeure ebenso wie eine "Blacklist" für als weniger verlässlich eingestufte Unternehmen eingeführt werden. Außerdem ist vorgesehen, den Ermessensspielraum der Zollbehörde zu erweitern. Ein "Single Window System" zur vereinfachten Zahlungsabwicklung nahm im Mai 2019 beim Zoll in Port Said den Testbetrieb auf. Zuvor hatte bereits das Luftfrachtzentrum des Internationalen Flughafens Kairo auf ein vereinfachtes System umgestellt. Bis Ende Juni 2020 sollen an allen Eintrittspunkten die neuen Abläufe eingeführt werden.

Während Exporte schneller und kostengünstiger abgewickelt werden, beklagen manche Importeure einen hohen bürokratischen Aufwand bei Einfuhren. Der Doing Business Report 2019 der Weltbank belegt diese Schwierigkeiten. Während Ägypten insgesamt Rang 120 unter 190 Ländern belegte, reichte es beim grenzüberschreitenden Handel nur zu Platz 171. Der Wirtschaftsinformationsdienst Enterprise zitierte im April 2019 einen Vertreter des U.S. Department of State. Er bescheinigte Ägypten Fortschritte bei der Liberalisierung des Handels. Zugleich rügte er aber hohe Kosten durch nichttarifäre Handelshemmnisse und eine mangelnde Transparenz der Zollregeln. Verbesserungen seien auch beim Schutz geistigen Eigentums und der Sicherstellung qualitativ hochwertiger Exportprodukte notwendig.

Mehr zum Land unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

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