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06.11.2018

Deutsch-ägyptischer Warenhandel weiter auf hohem Niveau

Wichtigste Erzeugnisse sind Maschinen aus Deutschland und mineralische Brennstoffe aus Ägypten / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Der Warenhandel zwischen Deutschland und Ägypten wächst weiter. Längerfristig könnte die ägyptische Lokalisierungsstrategie die Schwerpunkte im Außenhandel verändern.

Das Warenhandelsvolumen zwischen Deutschland und Ägypten bleibt im Aufwind: Im Jahresvergleich 2017 zu 2016 wuchs der Warenaustausch von 6,26 Milliarden auf 6,55 Milliarden US-Dollar (US$). Dafür waren vor allem die ägyptischen Exporte verantwortlich. Auf deutscher Seite ließ der Sondereffekt umfangreicher Lieferungen von Kraftwerkstechnik nach und die Gesamtausfuhren wuchsen nur noch um 1 Prozent. Deutschland erzielte im Warenhandel mit Ägypten in den vergangenen Jahren stets Milliardenüberschüsse. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass aus Deutschland stärker verarbeitete und hochtechnisierte Produkte geliefert werden.

Außenhandel Deutschlands mit Ägypten (in Milliarden US$; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2016 2017 Veränderung 2017/16
Importe 1,25 1,49 19,0
Exporte 5,01 5,06 1,0
Handelsbilanzsaldo 3,76 3,57 -

Anmerkung: Die Zahlen bilden in der UN Comtrade Database die Auswahl "Reporter" Deutschland und "Partner" Ägypten ab. Bei umgekehrter Auswahl weichen die Daten teils sehr stark ab

Quelle: UN Comtrade Database

90 Prozent der Maschinen stammen aus dem Ausland

Das HS-Kapitel 84 mit Maschinen, Turbinen, Pumpen und Motoren ist der mit Abstand größte Einzelposten aus Deutschland. Da mangels lokaler Produktion etwa 90 Prozent der Maschinen in Ägypten aus dem Ausland stammen, dürften auch mittelfristig gute Lieferchancen bestehen. Fahrzeuge werden etwa zur Hälfte aus CKD-Kits (Completely Knocked Down) montiert und zur anderen Hälfte als Komplettfahrzeuge importiert. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die letzte Abbaustufe der Zölle auf in der EU endmontierte Pkw. Laut dem Assoziierungsabkommen müssten diese Abgaben zum 1. Januar 2019 wegfallen. Medienberichten von Oktober 2018 zufolge beantragte das ägyptische Handels- und Industrieministerium bereits eine Verschiebung.

Ausfuhr Deutschlands nach Ägypten (nach Warengruppen; in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
HS-Kapitel 2016 2017 Veränderung 2017/16
84 Maschinen, Apparate, Kessel etc. 1.634,4 1.420,2 -13,1
99 besondere Zollcodes 399,7 1.107,0 177,0
85 elektrische Maschinen etc. 610,6 458,4 -24,9
87 Kraftwagen, Krafträder etc. 565,4 404,8 -28,4
30 pharmazeutische Erzeugnisse 232,4 258,6 11,3
90 optische Apparate, medizinische Instrumente etc. 243,6 225,8 -7,3
39 Kunststoffe und Waren daraus 176,8 163,5 -7,5
73 Waren aus Eisen oder Stahl 195,6 112,9 -42,3
29 organische chemische Erzeugnisse 93,1 103,0 10,6
38 verschiedene chemische Erzeugnisse 89,9 97,5 8,5
48 Papier und Pappe 66,9 75,7 13,2
32 Farbstoffe, Gerbstoffe, Anstrichfarben etc. 43,5 47,6 9,4
40 Kautschuk und Waren daraus 39,9 46,5 16,5
72 Eisen und Stahl 26,8 40,2 50,0
04 Milch und Milcherzeugnisse etc. 35,8 31,4 -12,3

Anmerkung: Die Zahlen bilden in der UN Comtrade Database die Auswahl "Reporter" Deutschland und "Partner" Ägypten. Bei umgekehrter Auswahl weichen die Daten teils sehr stark ab

Quelle: UN Comtrade Database

Eindeutiger Schwerpunkt der deutschen Importe aus Ägypten sind mineralische Brennstoffe, Mineralöle und ihre Destillate des HS-Kapitels 27. Da neue Erdölvorkommen erschlossen und Raffineriekapazitäten ausgebaut werden, dürfte auf mittlere Sicht die Dominanz der Erdölprodukte bei den Lieferungen nach Deutschland anhalten. Zudem werden neue große Erdgasfelder erschlossen. Eine bessere Rohstoffversorgung könnte der Kunststoffproduktion in Ägypten Auftrieb geben. Der Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus Ägypten hat in den letzten Jahren zugenommen und dürfte weiter ansteigen. Der Textil- und Bekleidungssektor verzeichnet durch die Währungsabwertung Kostenvorteile im Auslandsgeschäft.

Ausfuhr Ägyptens nach Deutschland (nach Warengruppen in Millionen US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
HS-Kapitel 2016 2017 Veränderung 2017/16
27 mineralische Brennstoffe etc. 574,4 738,2 28,5
07 Gemüse, Pflanzen etc. 77,1 73,6 -4,5
08 genießbare Früchte und Nüsse etc. 60,2 72,1 19,8
85 elektrische Maschinen etc. 56,5 60,1 6,4
61 Kleidung aus Gewirken und Gestricken 63,9 56,4 -11,7
39 Kunststoffe und Waren daraus 46,2 51,3 11,0
62 Kleidung außer aus Gewirken und Gestricken 38,5 46,8 21,6
76 Aluminium und Waren daraus 46,1 45,5 -1,3
72 Eisen und Stahl 11,4 33,3 192,1
12 Ölsamen, Stroh, Futter etc. 37,0 30,9 -16,5

Anmerkung: Die Zahlen bilden in der UN Comtrade Database die Auswahl "Reporter" Deutschland und "Partner" Ägypten ab. Bei umgekehrter Auswahl weichen die Daten teils sehr stark ab

Quelle: UN Comtrade Database

Für deutsche Unternehmen dominiert in Ägypten das Liefer- und Projektgeschäft eindeutig gegenüber Direktinvestitionen. Im Warenexport nach Ägypten hat China Deutschland überrundet und kam 2017 auf einen Lieferanteil von 12,7 Prozent gegenüber 6,9 Prozent. Auch im Infrastrukturbereich nimmt das chinesische Interesse an der Durchführung und Ausrüstung von Vorhaben in Ägypten seit drei Jahren rapide zu. Beim Bau der neuen Hauptstadt sowie Projekten im Energie- und Bahnsektor treten vermehrt chinesische Anbieter auf.

Ägyptische Lokalisierungsstrategie dürfte sich auf den Warenhandel auswirken

Insgesamt zeigt sich in Ägypten ein Trend zur stärkeren Nutzung lokaler Rohstoffe und Verpackungen. Setzt sich diese Tendenz auf breiter Front durch, ist eine Verschiebung der Importstruktur von Vorprodukten und Fertigwaren hin zu mehr Ausrüstung für neue Produktionskapazitäten zu erwarten. Das Industrieministerium strebt an, den Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt von 17 auf 21 Prozent auszubauen. Im Oktober 2018 gab Handels- und Industrieminister Amr Nassar den Startschuss für das "National Industrial Localization Program". In dessen Rahmen soll die inländische Industrie unterstützt werden, um vermehrt Importe zu substituieren. Davon verspricht sich das Ministerium einen erheblichen Rückgang des Warenhandelsdefizits und eine Schonung der Devisenbestände.

Ein Element der Förderung des verarbeitenden Gewerbes ist der Aufbau neuer Industriezonen. Teil der neuen Hauptstadt wird auch eine Industriestadt sein. Als Schwerpunkt für die exportorientierte Fertigung soll die Wirtschaftszone am Suezkanal heranreifen, in der einige vereinfachte Sonderregeln für Investoren gelten.

Weitere Handelsabkommen und ein neues Zollgesetz in Vorbereitung

Ägypten ist bereits in ein dichtes Netz von Handelsabkommen eingebunden und weitet dieses aus. Die drei Regionalblöcke COMESA, EAC und SADC haben den Aufbau einer panafrikanischen Freihandelszone vereinbart. Erste Staaten haben den Vertrag bereits ratifiziert, jedoch ist die erforderliche Anzahl noch nicht erreicht. Zeitnah sollen Verhandlungen Ägyptens mit der Eurasischen Wirtschaftsunion über ein Vertragswerk stattfinden.

Zudem steht ein neues ägyptisches Zollgesetz kurz vor der Veröffentlichung. Im Oktober 2018 war geplant, es zeitnah ins Parlament einzubringen. Während Exporte schneller und kostengünstiger abgewickelt werden, beklagen manche Importeure einen hohen bürokratischen Aufwand bei Einfuhren. Mit dem neuen Gesetz verbindet sich auch die Hoffnung, einfacher und schneller ausländische Waren ins Land zu bekommen.

Weiterführende Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

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