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25.10.2019

Deutsch-britischer Handel leidet unter Brexit-Unsicherheit

Starker Einbruch im bilateralen Handel seit April 2019 / Von Marc Lehnfeld

London (GTAI) - Die anhaltenden Diskussionen um den geplanten Brexit lassen den deutsch-britischen Handel schrumpfen. Das Vereinigte Königreich rutscht im Ranking der wichtigsten deutschen Handelspartner weiter ab.

Zu Jahresbeginn - also bis zum ersten geplatzten Brexit-Termin am 29. März 2019 -entwickelten sich die britischen Importe aus Deutschland sehr gut, weil die Unternehmen in Großbritannien ihre Lagerbestände aufgefüllt haben. Laut Eurostat-Daten für das 1. Quartal 2019 stiegen die Einfuhren aus der Bundesrepublik nominal um 5,8 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode an. Auch die britischen Exporte nach Deutschland legten um 9,7 Prozent zu.

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Geplatzte März-Frist lässt Importe aus Deutschland absacken

Mit der Brexit-Fristverlängerung auf den 31. Oktober 2019 hat sich die Lage im bilateralen Handel aber umgekehrt. Die Angst vor einem No-Deal-Brexit und das allgemein eingetrübte Wirtschaftsklima im Vereinigten Königreich bremsen die Investitionen der Unternehmen und die Konsumlaune britischer Haushalte. Zwar werden im Zuge der wiederkehrenden Angst vor einem Austritt ohne Abkommen am 31. Oktober 2019 die Lagerbestände wieder aufgefüllt, dies aber deutlich weniger stark als zu Jahresanfang, berichtet der Informationsdienstleister IHS Markit.

Die Konsequenz: Der deutsch-britische Handel verzeichnete von April bis August 2019 einen nominalen Einbruch von 9,2 Prozent. Das liegt vor allem an deutlich schwächeren Einfuhren des Vereinigten Königreichs, die 12,3 Prozent niedriger ausfielen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Unwahrscheinlich ist, dass ein geregelter Brexit den deutsch-britischen Handel in den letzten vier Monaten des laufenden Jahres noch so stark beleben könnte, dass es noch auf ein Wachstum für das Gesamtjahr hinausläuft, das Wirtschaftswachstum ist zu schwach und die Lagerbestände werden voraussichtlich nicht signifikant steigen.

Pkw- und Kfz-Teile-Importe aus Deutschland fallen zurück

Pkw bleiben zwar mit einem Anteil von über 20 Prozent das wichtigste britische Importgut aus Deutschland. Doch in den ersten acht Monaten 2019 gingen die entsprechenden Einfuhren nominal um knapp 10 Prozent, seit April 2019 sogar um rund 14 Prozent zurück. Auch die Registrierung von Neuwagen ist im Vereinigten Königreich mit einem Minus von 2,5 Prozent in den ersten neun Monaten 2019 rückläufig gewesen, berichtet der Verband der Kraftfahrzeughersteller und Händler SMMT, die Society of Motor Manufacturers and Traders. Wichtigster Auslöser für diese Entwicklung ist nach Einschätzung des Verbandes die Unsicherheit durch den geplanten Brexit.

Auch die deutschen Kfz-Teile-Lieferungen, Deutschlands zweitgrößtes Liefersegment, spüren den Druck der britischen Automobilindustrie, deren Produktion sich seit der ersten Brexit-Frist Ende März nur langsam erholt. Das Produktionsvolumen von knapp 867.000 Pkw von Januar bis August 2019 liegt immer noch rund 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Entsprechend geringer fielen die Kfz-Teile-Einfuhren aus Deutschland aus, die seit April 2019 knapp 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.

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Eine kürzlich vom Branchenverband SMMT veröffentlichte Umfrage zeigt, wie tiefgreifend die Auswirkungen der Brexit-Verhandlungen sind. Mehr als 500 Millionen britische Pfund, das sind umgerechnet gut 580 Millionen Euro, haben die Mitgliedsunternehmen bereits ausgegeben, um sich auf einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) vorzubereiten. Mehr als 13 Prozent der Befragten verlegen Aktivitäten weg von der Insel. Weitere Informationen zur Situation der britischen Kfz-Industrie sowie über Marktchancen für deutsche Unternehmen in diesem schwierigen Marktumfeld, fasst folgender Bericht zusammen: https://www.gtai.de/MKT201908288000.

Britischer Handel mit der EU insgesamt schwach

Insgesamt zeigt sich der britische Warenaußenhandel gespalten. Der Güteraustausch mit Ländern, die nicht zur EU gehören, konnte von Januar bis August 2019 nominal um 8,2 Prozent gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode zulegen. Hier verzeichnete zum Beispiel der Handel mit den USA ein Plus von 13,1 Prozent, der mit China stieg um 10,2 Prozent. Gleichzeitig bleibt das Handelsvolumen mit der EU mit einem Plus von 0,2 Prozent gerade stabil. Von April bis August 2019 ist der britische Handel mit den EU-Ländern nominal sogar um 6,5 Prozent gefallen, das betraf die Warenim- und exporte in nahezu gleichem Umfang. Besonders stark betroffen waren von dem jüngsten Rückgang Deutschland mit einem Minus von 9,2 Prozent, sowie die Niederlande (-11,3 Prozent) und Belgien (-10,8 Prozent).

Weitere Informationen zum Brexit

Im Fall eines "No-Deal-Brexits" würden neue Zolltarife auf ausgewählte Produkten erhoben. Germany Trade & Invest informiert unter dieser Seite:

http://www.gtai.de/zollsaetze-no-deal

Weitere Informationen zum Vereinigten Königreich finden Sie unter http://www.gtai.de/vk. Über den geplanten Brexit informiert Germany Trade & Invest regelmäßig auf der Sonderseite http://www.gtai.de/brexit.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits wurden ausführlich in einem Webinar von Germany Trade & Invest am 10. Oktober 2019 analysiert (ab Minute 11,45) http://www.gtai.de/brexit-wohin-steuert-die-wirtschaft

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Export, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein, Brexit

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