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07.02.2019

Deutsche Abfall- und Recyclingtechnik weckt Interesse in Ägypten

Privatunternehmen und Umweltministerium verstärken ihre Aktivitäten / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Das ägyptische Umweltministerium plant neue Deponien und zeigt großes Interesse an Technik und Abfallmanagement aus Deutschland. Privatunternehmen wollen Energie aus Abfällen gewinnen.

In Ägypten rücken Abfallbehandlung, Entsorgung, Recycling und Energiegewinnung in den Blickpunkt. Private Unternehmen erwarten mit Spannung die Höhe des künftigen Einspeisetarifs und richten teils ihre Projektpläne danach aus. Umweltministerin Yasmine Fouad hat das Thema Abfall für 2019 ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Auf dem Programm steht die Einrichtung von Deponien und Zwischenstationen. Studien und Pläne für alle 27 Gouvernorate Ägyptens wurden bereits erstellt.

Interministerielles Interesse am Umgang Deutschlands mit Abfällen

Die Kompetenzen Deutschlands bei Strategien, Technik und der Finanzierung von Abfallsystemen genießen eine außergewöhnlich hohe Wertschätzung in Ägypten. Das wurde beim Deutschlandbesuch einer Delegation der ägyptischen Ministerien für Umwelt, Regionalentwicklung und Militärproduktion deutlich. Die Gruppe besuchte Unternehmen in Berlin und den Abfallwirtschaftsverband EkoCity in Köln. Dabei ging es dem ägyptischen State Information Service zufolge um die Gewinnung von Strom und Wärme aus Müll sowie die moderne Deponierung von Reststoffen.

Ägyptische Unternehmen erwarten mit Spannung den angekündigten Einspeisetarif für Energie aus Abfällen noch im 1. Quartal 2019. Ein fester Satz ist für alle Arten von organischen und anorganischen Abfällen vorgesehen. Die Größe einiger geplanter Investitionsprojekte hängt an der Höhe der künftigen Vergütung. Ein bereits 2015 verkündeter Tarif fand nur ein verhaltenes Echo. Dieses Mal scheint das Interesse größer zu sein und mehr Unternehmen wollen Vorhaben umsetzen. Sobald die Vergütung feststeht, wollen zudem die Banque Misr, die Commercial International Bank und die National Bank of Egypt Kredite für Projekte mit bis zu 10 Megawatt Kapazität anbieten.

Zumindest ein Unternehmen nutzt eine Zwischenlösung für die Wartezeit. Empower hat bereits mit der North Delta Electricity Distribution Company einen vorläufigen Tarif von umgerechnet 5,1 Cent pro Kilowattstunde abgeschlossen. Diese Vergütung soll von einem künftigen Einspeisetarif abgelöst werden, berichtete die Daily News Egypt. Das Vertragsmodell wurde von der Egyptian Electricity Holding Company entwickelt und steht auch anderen Unternehmen offen. Empower verkauft als erstes Unternehmen Strom aus Abfällen an den ägyptischen Staat.

Ausgewählte Abfallwirtschaftsprojekte in Ägypten (Investitionssummen in Mio. US$)
Projekt Investitionssumme Projektstatus Projektträger
Anlagen zur Gewinnung von Energie aus Feststoffabfällen; Gizeh, Helwan und Kairo 2.000 Studienphase; drei Anlagen mit Kapazitäten von 2.000 bis 3.500 Tonnen Haushaltsabfall pro Tag Ministry of Housing, Utilities and Urban Communities
Recyclingprojekt 325 Planung Fas Energy (gehört zur saudischen Al Hokair Group)
Bau von 36 Anlagen zur Abfallverbrennung 250 Projekt und Finanzierung in der Planung Empower
Recycling von Fasern aus Bananenstauden zu Pappe und Eierkartons; Qena 100 Beginn der zweiten Phase im Herbst 2018 Vernbro Global Investment (USA)
Bau der ersten industriellen Biogasanlage für Material aus einer Rinderfarm; Al-Wahat k.A. Planung Juhayna
Mehrere Projekte zur Verbrennung von Abfällen 11,5 Planung in Abhängigkeit von der Höhe des Einspeisetarifs Reliance Egypt
Anlage zur Energieerzeugung aus Lebensmittel-abfällen; New Salhiya 4 Grundsteinlegung Ende Januar 2019 erfolgt Empower

Quellen: Pressemeldungen; MEED Projects (Januar 2019)

Der Bedarf an einer Strukturierung und Modernisierung des ägyptischen Abfallsektors ist hoch. Dieser Bereich ist jedoch ein kompliziertes Feld. Bis 2018 war der rechtliche Rahmen kaum geregelt und manche Zuständigkeiten unklar. Ein handfestes Hemmnis stellt bereits die Finanzierung des bestehenden Systems dar. Die Ausgaben entfallen vor allem auf Gehälter. Entsprechend sind die Wartung von Ausrüstung und insbesondere Investitionen eine Herausforderung. Das ägyptische Kabinett geht die Unterfinanzierung mit einem neuen Plan an. Künftig sollen alle Gemeinden für sämtliche Gebäude monatliche Müllgebühren erheben. Diese Gelder fließen in das Einsammeln und die Entsorgung von Abfällen. Gleiches gilt für 25 Prozent der gezahlten Immobiliensteuer im Land.

Hohe Kooperationsbereitschaft bei internationalen Partnern

An der Gestaltung und Finanzierung eines moderneren ägyptischen Abfallsystems wirken auch mehrere große internationale Partner mit. Laut Daily News Egypt will die EU 60 Millionen Euro zur Finanzierung des National Programme for Waste Management bereitstellen. Dieses soll über einen Zeitraum von sechs Jahren in vier Gouvernoraten umgesetzt werden und die Umweltbelastung durch Abfälle reduzieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitete an einem Rahmengesetz für den Abfallsektor mit. Zudem förderte sie vier Anlagen in Assiut, Gharbeya, Kafr El-Sheikh und Qena zum Einsammeln und Recyceln von Haushaltsabfällen.

Ende Januar 2019 diskutierte Umweltministerin Fouad mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung über eine mögliche Kooperation beim Recycling von Abfällen. Dabei ging es um die Nutzung als Brennstoff sowie die Verwertung von Palmzweigen. Im November 2018 signalisierte der Nachrichtenagentur MENA zufolge die Weltbank ihre Bereitschaft, ein verbessertes Management von Feststoffabfällen in Ägypten zu fördern. Die von der African Development Bank unterstützte Abfallbörse "Egyptian Industrial Waste Exchange" setzt darauf, dass Unternehmen Industrieabfälle anderer Betriebe verwerten können. Im 2. Halbjahr 2018 fanden 25 Transaktionen mit einem Volumen von 200 Tonnen statt.

Probleme bei der Abfallentsorgung bergen Umwelt- und Gesundheitsrisiken

Schätzungen zufolge fallen in Ägypten jährlich insgesamt 95 Millionen bis 100 Millionen Tonnen Abfälle an. Der GIZ zufolge werden landesweit nur etwa 60 Prozent der Abfälle eingesammelt und davon weniger als 20 Prozent fachgerecht deponiert oder wiederverwertet. Mehr als 80 Prozent der Siedlungsabfälle von rund 21 Millionen Tonnen jährlich landen auf zumeist wilden Müllkippen. Landwirtschaftlicher Müll von 30 Millionen Tonnen wird nur unzureichend genutzt. Teile der etwa 3 Millionen Tonnen Industrieabfall verschmutzen den Boden. Medizinische Abfälle fallen mit 140.000 Tonnen zahlenmäßig weniger ins Gewicht, bergen aber ebenfalls Risiken für die Gesundheit von Menschen und Tieren.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Federation of Egyptian Industries http://www.fei.org.eg die Chemical Chamber verfügt über eine Abteilung "Waste Management"
Ministry of Environment http://www.eeaa.gov.eg gemeinsamer Internetauftritt mit der Egyptian Environmental Affairs Agency
Waste Management Regulatory Authority http://www.wmra.gov.eg Aufsichtsbehörde für den Abfallbereich

Weiterführende Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Abfallentsorgung, Recycling, Deponie und Abfallaufbereitungsbau

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Kontakt

Meike Eckelt

‎+49 228 24 993 278

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