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15.05.2019

Deutsche Anbieter beim Bau von Gaskraftwerken in Vietnam gefragt

Regierung und die staatliche Electricity of Vietnam setzen auf BOT-Projekte / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Vietnams Stromverbrauch steigt rasant. Kohle und Gas sollen den Strombedarf decken. Gerade bei Gasprojekten sind europäische Investoren gut aufgestellt.

Die Regierung erwartet bis 2025 einen jährlich um 10 bis 12 Prozent steigenden Stromverbrauch. Eine florierende Wirtschaft und zunehmende in- und ausländische Investitionen in die Industrie schieben den Strombedarf an. Die Weltbank schätzt, dass Vietnam bis 2030 pro Jahr 5 Gigawatt an neuen Stromerzeugungskapazitäten schaffen muss, soll dieser Bedarf gedeckt werden können. Die hierfür erforderlichen Investitionen beziffert sie auf 8 bis 12 Milliarden US-Dollar (US$) jährlich.

Bislang lieferte Wasserkraft den Großteil des vietnamesischen Stroms. Da diese allerdings ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hat, steht insbesondere der Ausbau von Kohle- und Gaskraftwerken auf der Tagesordnung. Bis 2025 soll Kohle annähernd 50 Prozent, 2030 immerhin noch knapp 43 Prozent aller Stromkapazitäten stellen.

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Aber auch Gaskraftwerke sollen eine wichtigere Rolle spielen. So sehen Regierungsplanungen vor, dass die Kapazitäten von 9 Gigawatt im Jahr 2017 auf 19 Gigawatt im Jahr 2030 steigen sollen. Die hierfür erforderlichen Investitionen schätzt die Weltbank auf 1,2 bis 1,4 Milliarden US$ jährlich, von 2020 bis 2025 auf 800 Millionen bis 1 Milliarde US$ pro Jahr. Zudem müssen bis 2035 zwischen 17 bis 21 Milliarden US$ aufgewendet werden, um die für die Versorgung von Gaskraftwerken benötigte Infrastruktur auszubauen.

Entwicklung des Energiemixes (installierte Kapazität in Gigawatt)
Energieträger 2020 2025 2030
Insgesamt 60,0 96,5 129,5
.Wasserkraft 21,6 24,6 27,8
.Kohle 26,0 47,6 55,3
.Gas 9,0 15,0 19,0
.Erneuerbare Energien 1,7 6,0 18,0
..Wind 0,8 2,0 6,0
..Solar 0,9 4,0 12,0
.Sonstige 1,7 3,3 9,4

Quellen: Electricity of Vietnam; Revised Power Master Plan VII

Da die staatliche Finanzierung neuer Kraftwerke angesichts angespannter öffentlicher Kassen schwierig ist, setzen die Regierung und der staatliche Energieversorger Electricity of Vietnam (EVN) auf den Ausbau der Energieversorgung durch sogenannte Independent Power Producer, die Kraftwerke im Rahmen von BOT-Projekten (Built-Operate-Transfer) errichten und betreiben sollen.

Kohlekraftwerksbau stößt auf Hindernisse

Die Entwicklung und der Bau von Kohlekraftwerken liegen zurzeit im Wesentlichen in der Hand von Unternehmen aus Japan (Marubeni, Sumitomo, Mitsubishi), Südkorea (Hyundai, Doosan, PECC) und China (China Southern Power Grid, China Power International Holding).

Diese übernehmen entweder das Projekt als BOT-Betreiber oder erbringen EPC-Dienstleistungen (Engineering, Procurement, Construction). In der Regel beziehen ostasiatische Betreiber oder Entwickler auch den Großteil der Kraftwerkskomponenten von aus den Heimatmärkten bekannten Unternehmen. So hat Mitsubishi Hitachi Power Systems 2018 den Auftrag für die Zulieferung von Dampfturbinen für Nghi Son 2 gewinnen können.

Allerdings leidet eine Vielzahl von Kohlekraftwerksprojekten unter erheblichen Verzögerungen. Branchenkennern zufolge gestalten sich insbesondere die Verhandlungen der Stromabnahmeverträge zwischen den privaten Investoren und dem staatlichen Energieversorger und einzigem Abnehmer, Electricity of Vietnam, als zäh.

Zudem wird es auf internationaler Ebene zunehmend schwierig, die Finanzierung zu sichern. Westliche Finanzinstitutionen wie Standard Chartered ziehen sich aus der Kohlekraft zurück, auch Projekte in Vietnam sind betroffen. Die singapurische Investmentbank OCBC sowie das ebenfalls aus Singapur stammende Finanzinstitut DBS beteiligen sich zwar noch an Einzelprojekten wie Nghi Son 2 sowie Van Phong 1, haben aber angekündigt, keine weiteren Kohlekraftwerke mehr zu finanzieren.

Internationale politische Ereignisse können ebenfalls Folgen für am Kraftwerksbau beteiligte Unternehmen haben. So ist das 600-Megawatt-Kohleprojekt Long Phu 1 seit Januar 2018 empfindlich ins Stocken geraten, weil der beauftragte russische EPC-Dienstleister Power Machine durch die USA mit Sanktionen belegt wurde. Die mit der Zulieferung von Turbinen beauftragte Firma General Electrics musste sich als Folge der Sanktionen aus dem Projekt zurückziehen.

Großprojekte im Bereich Kohlekraftwerke
Vorhaben Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkungen
Van Phong 1, Provinz Khan Hoa 2.580 Umweltverträglichkeitsprüfung 2017, Finanzierungszusage April 2019 1,2 GW, BOT; Investor: Sumitomo (Japan)
Nghi Son 2, Provinz Thanh Hoa 2.300 Investition 2016 und Finanzierung 2018 genehmigt; Baustart noch nicht erfolgt 1,2 GW, BOT; Investoren: Marubeni (Japan) und KEPCO (Südkorea)
Nam Dinh 1, Provinz Nam Dinh 2.000 Investition 2016 genehmigt 1,2 GW, BOT; Investoren: ACWA Power (Saudi-Arabien) und Taekwang Power Holdings (Südkorea)
Quang Trach 1, Provinz Quang Binh 1.823 Investition 2018 genehmigt; Fertigstellung für 2021 geplant 2,4 GW; Investor: EVN; Finanzierung durch Vietcombank

Quellen: Pressemeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest

Gaskraftwerksprojekte bietet Chancen für europäische Akteure

Anders als bei Kohle sind europäische Unternehmen bei Gaskraftprojekten gut vertreten. Insbesondere Siemens hat sich als EPC-Dienstleister und wichtiger Zulieferer etabliert. Nachdem das Unternehmen unter anderem Nhon Trach 2 mit Turbinen ausgestattet hat, steht nunmehr eine Beteiligung an Nhon Trach 3 und 4 im Raum.

Auch französische Anbieter wie EDF France und Total oder amerikanische Gasunternehmen wie AES sind an Gasprojekten, sowohl im Bereich Infrastruktur als auch dem Kraftwerksbau, beteiligt. So will EDF France zusammen mit dem japanischen Unternehmen Sojitz den Bau des Gaskraftwerks Son My 1 übernehmen. AES ist mit dem Staatsunternehmen Petrovietnam in Gesprächen, das Flüssiggasterminal für das Son-My-Gasprojekt zu entwickeln und avisiert den BOT-Auftrag des dreiphasigen Kraftwerks Son My 2.

Großprojekte im Bereich Flüssiggaskraftwerke
Vorhaben Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkungen
Dung Quat, Provinz Quang Ngai 3.300 Machbarkeitsstudie im November 2018 genehmigt 750 MW, BOT; Investor: Semcorp Group (Singapur)
Son My 1, Provinz Binh Thuan 2.200 Investitionsgenehmigung 2018, Fertigstellung geplant für 2027 2,3 GW, BOT; Investoren: EDF France, Sojitz (Japan), Pacific Company (Vietnam)
Nhon Trach 3 und 4, Provinz Dong Nai 1.460 Investition 2018 genehmigt, Fertigstellung 2020 und 2021 geplant 1,5 GW Gesamtkapazität; Investor: PV Power (Vietnam)
Ca Na, Provinz Ninh Thuan 1.200 Absichtserklärung 2018 unterzeichnet 4,5 GW; Investor Total (Frankreich)
Son My 2 k.A. Projektvorschlag 2,3 GW; Investor: PVN (Vietnam), eventuell AES (BOT)

Quellen: Pressemeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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