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18.10.2018

Deutsche Autobauer holen bei E-Fahrzeugen in den USA rasch auf

Namhafte Hersteller investieren kräftig / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - In Montagekapazitäten für Elektrofahrzeuge und Akkumulatoren fließen in den USA etwa 13 Milliarden US-Dollar. Deutsche Hersteller investieren in Tennessee und Alabama.

Volkswagen (VW) und Mercedes investieren in den USA in die Fertigung von Fahrzeugen mit Elektroantrieben. So wird VW im Montagewerk am Standort Chattanooga (Tennessee) die beiden Elektromodelle ID Crozz (ab 2020) und ID Buzz (ab 2022) vom Band laufen lassen. Jedoch wird spekuliert, dass beide Modelle, wie in früheren Modellreihen auch, für den US-Markt speziell angepasst, sprich verlängert oder gar verbreitert werden. Spätestens ab 2025 sollen sogar Porsches mit Elektroantrieben aus Chattanooga lieferbar sein.

Elektrosparte von Mercedes wächst organisch

Mercedes hat 2018 den Grundstein für eine eigene Akkumulatoren-Fabrik am Standort Woodstock (Alabama) gelegt. Damit wird klar, dass im nahe gelegenen Montagewerk Tuscaloosa das Zeitalter der Elektrofahrzeuge ebenfalls angebrochen ist. Dort sollen ab 2020 Elektro-SUV unter der Produktmarke EQ als Nachfolger der M-Klasse gefertigt werden. Der Kunde wird ab 2022 bis zu 50 Varianten und Konfigurierungen bestellen können.

Mit der M-Klasse hatte die Geschichte des Mercedes-Werks in Tuscaloosa vor 21 Jahren begonnen. Inzwischen montieren hier 3.700 Mitarbeiter bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr, vorerst mit Verbrennungsmotor.

Gleich neben der Akkumulatoren-Fabrik entsteht ein Test- und Entwicklungszentrum. In dem Zentrum werden unter anderem gebrauchte Akkumulatoren vor ihrer Wiederverwendung auf die verbliebene Leistungsfähigkeit hin untersucht. Insgesamt hat der Autobauer aus Sindelfingen mehr als 6 Milliarden US-Dollar (US$) an den Standorten Tuscaloosa und Woodstock investiert.

Ford und GM ergreifen die Initiative

Unter den drei großen US-Automobilfirmen hat Ford die Rückstellungen für Investitionen ins Elektrozeitalter von 4,5 Milliarden auf 11 Milliarden US$ mehr als verdoppelt. Damit soll es gelingen, ab 2020 den Mach 1, einen voll elektrisches Sport Utility Vehicle (SUV) mit einer Reichweite von mehr als 380 Kilometern (km) in die Verkaufsräume zu bringen. Ab 2022 sollen sogar 16 Elektromodelle an die Startlinie gehen. Eine aktuell erhältliche Elektrovariante des Ford Focus verfügt bislang über eine Reichweite von 170 km.

Die Montagekapazitäten für elektro-getriebene Fahrzeuge in Flat Rock (Michigan) sollen massiv ausgebaut werden, mit entsprechend breiteren Anforderungen an die Zulieferindustrie im mittleren Westen. Aber auch in Cautitlán (Mexiko) baut Ford Montagekapazitäten für Elektrofahrzeuge aus.

General Motors (GM) fertigt ab 2023 insgesamt 20 Elektromodelle und denkt sogar laut über einen Komplettausstieg aus der fossilen Antriebstechnik nach. Bislang ist GM der einzige US-Hersteller, der mit der Elektrovariante Chevrolet Bolt dem Konkurrenten Tesla zumindest etwas entgegen zu setzen hat, wenn auch in einer Preisklasse tiefer. Gebaut wird der Bolt am Standort Orion (Michigan).

Fiat-Chrysler hält sich mit Ankündigungen von Elektrofahrzeugen und Investitionen in den Kapazitätsausbau auffällig zurück. Einem Unternehmenssprecher zufolge will man Tesla aber mit einer Elektrovariante des in Italien gefertigten Maserati den Rang ablaufen. Die Elektrovariante des Fiat 500 (500e) wird wiederum in Toluca (Mexiko) gefertigt.

Deutschen Herstellern wird Erfolg prognostiziert

Gemäß einer Untersuchung der PA Consulting Group werden Mercedes und VW ihre amerikanische Konkurrenz bei Elektrofahrzeugen spätestens im Jahr 2021 überholt haben, einschließlich Tesla. Untersucht hat die PA Consulting Group die Batterietechnologie, die Geschäftsstrategie, das Zuliefernetzwerk, die strategischen Partnerschaften, die Organisationskultur und die finanzielle Situation eines jeden Unternehmens.

Ausgewählte Vorhaben zur Herstellung von elektro-getriebenen Pkw (in Milliarden US-Dollar)
Projekt Investitionssumme Kommentar
Mercedes-Benz, Elektrofahrzeuge 0,5 Umrüstung im Montagewerk Tuscaloosa (Alabama), Serienfertigung ab 2020
Mercedes-Benz, Akkumulatoren 1,0 Bau eines Werks in Woodstock (Alabama), Fertigung ab 2019
Volvo, Elektrofahrzeuge 1,1 Bau eines Montagewerks in Charleston (South Carolina)
Honda, Elektrofahrzeuge 0,3 Fertigstellung eines Werksausbaus in Marysville (Ohio)
Subaru und Toyota 1,3 Kapazitätserweiterungen im Werk Georgetown (Kentucky)
Ford, Elektrofahrzeuge Insgesamt 11,0 für alle Projekte weltweit Ausbau der Werke in Flat Rock (Michigan) und Cautitlán (Mexiko)
GM, Elektrofahrzeuge 1,0 Ausbau des Montagewerks Orion (Michigan)
VW, Elektrofahrzeuge Insgesamt 40,0 für alle Projekte weltweit Ausbau des Montagewerkes Chattanooga (Tennessee)
Start-up Rivian Automotive, Elektrofahrzeuge 0,2 Revitalisierung des ehemaligen Mitsubishi-Werks in Normal (Illinois)
Tesla/Panasonic, Akkumulatoren ("Gigafactory") 5,0 Werkbau in Clark (Nevada), zusätzlich zum bestehenden Montagewerk für Fahrzeuge (ehemals GM-Werk) in Fremont (Kalifornien)

Quelle: Recherche GTAI, Pressemeldungen

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Personenkraftwagen (Pkw), Elektromobilität

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