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28.06.2018

Deutsche Exporte nach Australien im Aufwind

Kfz wichtigstes Ausfuhrgut / Verhandlungen über Freihandelsabkommen beginnen / Von Heiko Stumpf

Bonn (GTAI) - Für den Handel zwischen Deutschland und Australien war 2017 ein Erfolgsjahr. Die deutschen Ausfuhren stiegen um 5,7 Prozent. Zu den Exportschlagern gehören neben Kfz auch Maschinen und chemische Erzeugnisse. Insbesondere bei Land- und Baumaschinen können deutsche Exporteure aufgrund der guten Marktlage auch künftig auf Absatzerfolge hoffen. Eine Belebung der Handelsbeziehungen verspricht das geplante Freihandelsabkommen zwischen Australien und der EU, wofür 2018 die Gespräche starten.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Australien setzt seinen Aufwärtstrend fort. Die deutschen Ausfuhren legten 2017 um 5,7 Prozent auf rund 9,5 Milliarden Euro zu. Im Vorjahr hatte es bereits ein Plus von 6,7 Prozent gegeben. Besonders gut entwickelten sich die australischen Lieferungen nach Deutschland mit einem Zuwachs von 35,3 Prozent. Trotz des beachtlichen Exporterfolgs der Australier erzielte Deutschland auch 2017 wieder einen gewaltigen Handelsbilanzüberschuss. Deutschland exportiert mehr als dreimal so viele Waren nach Australien, als es vom fünften Kontinent einkauft.

Warenaustausch zwischen Deutschland und Australien (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 2017 Veränderung 2017/2016
Exporte 8.422 8.984 9.493 5,7
Importe 2.048 2.164 2.927 35
Handelsbilanzsaldo 6.374 6.820 6.566 -

Quelle: Destatis

Trotz der großen geographischen Entfernung ist die Bedeutung Australiens für die deutsche Außenwirtschaft nicht zu unterschätzen. Auf der Rangliste der wichtigsten deutschen Exportnehmer in Übersee steht Australien auf Platz 9, vor Brasilien und auf einer Stufe mit Südafrika (beide 9,5 Milliarden Euro). Im asiatisch-pazifischen Raum ist Australien sogar der fünftwichtigste Absatzmarkt für Produkte "Made in Germany". Davor liegen nur die VR China, Japan, Südkorea und Indien.

Neues Handelsabkommen geplant

Mittelfristig könnte der Stellenwert Australiens für die deutsche Exportwirtschaft noch deutlich steigen. So wird Anfang Juli 2018 in Brüssel die erste formelle Gesprächsrunde über ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen Australien und der Europäischen Union (EU) stattfinden. Nach Angaben der Europäischen Kommission könnte sich das Handelsvolumen bei einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen um bis zu 37 Prozent erhöhen. Deutschland dürfte davon stark profitieren.

Im Jahr 2017 tauschten die EU und Australien Waren im Wert von 47,7 Milliarden Euro aus, der Anteil Deutschlands betrug dabei rund ein Viertel. Nach Erwartung der Europäischen Kommission dürften vor allem die Sektoren Kfz-Industrie, Maschinenbau, Chemie und Elektronik Nutznießer von liberalisierten Handelsbestimmungen sein. Also genau jene Wirtschaftszweige, welche auch die traditionellen deutschen Ausfuhrgüter nach Australien produzieren.

Wichtige deutsche Warenexporte nach Australien (in Mio. Euro)

SITC Warengruppe 2015 2016 2017
0-9 Gesamt 8.422 8.984 9.493
78 Kfz,-Teile 2.632 2.941 3.088
.781 Personenkraftwagen 2.204 2.461 2.412
71-74 Maschinen 1.456 1.566 1.762
.721, 722 Landmaschinen 131 211 267
.743 Pumpen 157 163 153
.723 Bergbau- und Baumaschinen 80 81 152
.744 Fördertechnik 152 134 132
5 Chemische Erzeugnisse 1.402 1.341 1.529
.54 Arzneimittel 822 734 868
77 minus 776 Elektrotechnik 624 606 684
0,1 Nahrungs- Genussmittel 294 295 310
69 Verschiedene Metallwaren 236 255 255
774, 872 Medizintechnik 296 265 254
873, 874 Mess- und Regeltechnik 161 169 192
75,76,776 Elektronik 175 167 192

Quelle: Destatis

Ein Drittel der deutschen Exportgüter nach Australien stammt von der Kfz-Industrie. Die Nachfrage nach in Deutschland gebauten Pkw legte 2017 um rund 5 Prozent zu. Nach dem Verschwinden der lokalen Automobilproduktion beschränkt sich der Absatz von Kfz-Teilen in Australien auf den After-Sales Markt. Im Jahr 2017 exportierte Deutschland Kfz-Teile im Wert von rund 150 Millionen Euro (+14,7 Prozent).

Nachfrage nach Landtechnik und Baumaschinen steigt

Rund 19 Prozent trägt der deutsche Maschinenbau zum Exportgeschäft mit Australien bei. Steigender Beliebtheit erfreuen sich dabei deutsche Landmaschinen. Im Jahr 2017 stiegen die Ausfuhren um rund 23 Prozent, nachdem sich die deutschen Lieferungen im Vorjahr bereits um etwa 61 Prozent zulegten.

Auch für die Zukunft bleibt Australien für deutsche Landtechnikhersteller interessant. Nach Angaben der Tractor and Machinery Association of Australia (TMA) stieg der Absatz von Traktoren in 2017 um 8,1 Prozent auf 12.674 Einheiten. Für 2018 deutet sich ein neues Rekordjahr an, nachdem die Verkaufszahlen in den ersten fünf Monaten um weitere 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegten. Bislang liegt der Anteil Deutschlands an den Landtechnikimporten Australiens bei knapp 15 Prozent.

Einen Nachfrageschub gab es 2017 auch für deutsche Bergbau- und Baumaschinen, mit einem Plus von beinahe 88 Prozent. Ein wachsendes Marktumfeld eröffnet deutschen Exporteuren auch für die kommenden Jahre Absatzpotentiale. Das Australia Construction Industry Forum erwartet für 2018 einen Anstieg der Bauinvestitionen um 5,6 Prozent auf umgerechnet circa 161 Milliarden Euro (1 Euro = 1,473 australische Dollar im Jahr 2017). Einen Boom erlebt der Ausbau der städtischen Infrastruktur. Metropolen wie Sydney oder Melbourne investieren in zahlreiche Großvorhaben wie Stadtautobahnen oder U-Bahnstrecken.

Nach neusten Zahlen des Office of the Chief Economist mit Stand Oktober 2017 befinden sich 125 größere Rohstoffprojekte mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet 113 Milliarden Euro in der Machbarkeitsplanung. Der Löwenanteil entfällt dabei auf die Sektoren Gas (41 Milliarden Euro) und Kohle (37 Milliarden Euro), wobei die tatsächliche Umsetzung stark von der weltweiten Rohstoffnachfrage abhängt.

Größter Posten bei der Ausfuhr von chemischen Erzeugnissen sind Arzneimittel, die 2017 einen Zuwachs von rund 18,3 Prozent erzielten. Ein negativer Trend ist hingegen bei der deutschen Ausfuhr von Medizintechnik zu beobachten, die in den Jahren 2016 (-10,5 Prozent) und 2017 (-4,2 Prozent) Rückgänge verkraften musste.

Der massive Anstieg der australischen Lieferungen nach Deutschland liegt unter anderem in der hohen Importnachfrage nach Kohle und Rapssamen begründet. Steinkohle war 2017 mit einem Wert von 1,1 Milliarden Euro das wichtigste Exportgut Australiens (+84 Prozent). Zudem kaufte Deutschland zur Pflanzenölherstellung Rapssamen im Wert 377 Millionen Euro aus Australien (+48 Prozent).

Handelsabkommen könnte Handel mit Dienstleistungen beleben

Auch in der Dienstleistungsbilanz mit Australien verbucht Deutschland einen deutlichen Überschuss. Nach Erwartung der Europäischen Kommission könnte der Dienstleistungsverkehr zwischen der EU und Australien im Rahmen des geplanten Handelsabkommen um bis zu 8 Prozent zulegen. Nach neuesten Angaben beliefen sich die Dienstleistungsexporte der EU nach Australien im Jahr 2016 auf rund 19 Milliarden Euro, wobei Deutschland einen Anteil von knapp 11 Prozent hielt.

Dienstleistungsaustausch zwischen Deutschland und Australien (in Mio. Euro; Veränderung in %) *)
2015 2016 2017 Veränderung 2017/2016
Exporte 2.105 1.903 2.011 5,7
Importe 979 1.096 1.115 1,8
Dienstleistungsbilanzsaldo 1.126 807 896 -

*) umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs: 1 Euro = 1,4777 $A (2015), 1,4883 $A (2016) und 1,4732 $A (2017)

Quellen: Australian Bureau of Statistics (ABS); Deutsche Bundesbank

Wichtige deutsche Dienstleistungsexporte nach Australien sind neben Transportleistungen wie Luft- und Seefracht auch Lizenzgebühren und Unternehmensdienstleistungen.

Deutsche Dienstleistungsexporte nach Australien (in Mio. Euro) *)

Dienstleistungsart 2015 2016 2017
Transportleistungen 1.106 824 819
Ausgaben von Touristen und Geschäftsreisenden 445 440 515
Entgelte für geistiges Eigentum 331 338 342
Sonstige unternehmensbezogene Dienstleistungen 125 159 160
Instandhaltung und Reparatur 12 48 55
Telekommunikations- und IT-Dienstleistungen 41 40 54
Finanzdienstleistungen 22 29 36
Regierungsleistungen 15 17 19
Versicherungsdienstleistungen 7 6 5
Dienstleistungen für persönliche Zwecke, Kultur und Freizeit 2 3 5
Insgesamt 2.105 1.903 2.011

*) umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs: 1 Euro = 1,4777 $A (2015), 1,4883 $A (2016) und 1,4732 $A (2017)

Quellen: Australian Bureau of Statistics (ABS); Deutsche Bundesbank

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein

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