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08.11.2018

Deutsche Fenster und Türen beliebt in China

Vor Ort produzierte ausländische Markenprodukte ersetzen Importe / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Deutsche Fenster- und Türenhersteller freuen sich über gute Geschäfte in China. Wer erfolgreich sein will, muss jedoch vor Ort sein und bei der Marktbearbeitung einiges beachten.

Der chinesische Markt für Türen und Fenster gehört zu den größten der Welt. Allerdings sind Funktionstüchtigkeit oder gar Langlebigkeit meist zweitrangig. Die Ansprüche etwa bezüglich des Wärmedurchgangskoeffizienten sind minimal. In der Folge bewegt sich zum Beispiel der durchschnittliche Verkaufspreis für Metallfenster nur bei etwa einem Zehntel des Preises in Deutschland, so eine Studie der Wiener Beratungsgesellschaft Interconnection.

Auch Türen müssen in erster Linie nur halbwegs ordentlich aussehen und möglichst billig sein. Das liegt auch daran, dass bei einem Mieter- oder Besitzerwechsel oft "alles" herausfliegt, auch die Türen. Gefragt sind stattdessen Details, die sofort ins Auge fallen - also lieber eine Kamera statt wirksamem Schall- oder Einbruchschutz. Gerne gekauft werden ferner intelligente Schließsysteme, die auf Code-Eingabe oder Fingerabdrücke öffnen.

Ein weiterer entscheidender Grund liegt darin, dass der allergrößte Teil der Nachfrage - schätzungsweise 90 Prozent des Wohnungsbaus von Projektentwicklern generiert wird. Sie errichten Wohnungen nur zum Verkauf und nicht zur späteren Vermietung oder gar eigenen Nutzung. Entsprechend versuchen sie, wo möglich, ihre Kosten zu senken, um ihre Gewinne zu maximieren. Nichts muss über die Garantiezeit hinaus halten. Dies gilt gerade für Entwickler unterhalb des Premiumbereichs.

Trotzdem lohnt es sich, so die Erfahrung eines deutschen Komponentenzulieferers, Projektentwickler und Architekten respektive Planer gezielt zu bewerben und auf die Besonderheiten der eigenen Produkte aufmerksam zu machen. Es gelte, einen "Bedarf von oben zu schaffen", damit die Kunden bei den eigentlichen Tür- und Fensterproduzenten nach den jeweiligen Lösungen nachfragen.

Präsenz vor Ort noch existenzieller als bisher

Nicht nur hierfür ist Präsenz eine existenzielle Erfolgsvoraussetzung. Nur so lassen sich Kontakte zu den entscheidenden Projektentwicklern pflegen, kann flexibel auf die Wünsche der Kunden eingegangen oder insbesondere auf die sich rasch ändernden Zertifizierungsvorschriften reagiert werden. Deutsche Anbieter wie Hörmann oder Schüco haben deshalb schon vor Jahren Fertigungen vor Ort aufgebaut und verstärken kontinuierlich ihre Position zusätzlich in Entwicklung, Produktion und Vertrieb.

Im obersten Preissegment, wo ausländische Marken seit jeher als Verkaufsargument eingesetzt werden, greifen die Bauherren zunehmend auf Systeme zurück, die zwar die Vorteile von Importprodukten bieten, aber preislich erschwinglicher sind - mit anderen Worten auf vor Ort gefertigte Markenprodukte internationaler, gerne auch deutscher Hersteller. Befragte Firmen sprechen derzeit von einer guten Geschäftslage.

Tatsächlich müsse aus Qualitätsgründen niemand mehr Türen oder Fenster aus dem Ausland beziehen, heißt es aus der Branche. Das Angebot vor Ort erfülle inzwischen selbst höchste Ansprüche: "Aufgrund ihrer hohen Preise sind Importtüren einfach nicht mehr interessant, außer der Kunde wünscht ein ganz spezielles Design." Dies dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die Brancheneinfuhren 2017 um fast 15 Prozent zurückgegangen sind.

Allerdings sind die Unterschiede in den einzelnen Segmenten erheblich. So wiesen beispielsweise Holztüren ein Einfuhrplus von 110 Prozent auf, aus Deutschland sogar von 290 Prozent. Kunststofftüren und -fenster legten um fast 31 Prozent zu, solche aus Deutschland um 60 Prozent. Jedoch sollten solche Ausschläge nicht überbewertet werden. In der Regeln handelt es sich bei Holztüren um Auftragsfertigungen für Projektgeschäfte; einzelne Großvorhaben können die ganze Statistik durchwirbeln.

Zertifizierungsvorschriften wirken protektionistisch

Dagegen scheint der Einbruch von fast 19 Prozent bei Fenstern und Türen aus Eisen und Stahl eher den sich ständig ändernden chinesischen Regularien, speziell im Brandschutz, geschuldet zu sein. Es ist fast unmöglich, die notwendigen Zertifizierungen vom Ausland aus zu verfolgen und zu erlangen. Design und Produktion vor Ort sind quasi Voraussetzungen, um im Markt zu bleiben.

Entsprechend sieht es so aus, als seien die starken Rückgänge etwa im Bereich Eisen- und Stahltüren/-fenstern oder im Aluminiumbereich durch die entsprechende Produktion vor Ort ersetzt worden. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Eisen-/Stahltüren (Brandschutz, Zimmertüren) kommt vor allem aus infrastrukturellen Bauvorhaben wie höherwertigen Krankenhäusern oder Schulen.

Chinas Importe für Türen und Fenster 2014 bis 2017 (Wert in Mio. US$, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
HS-Position 2014 2015 2016 2017 Veränderung
3925.2000 Plastiktüren und -fenster 5,0 5,1 6,8 8,9 30,9
.aus den USA 1,7 1,4 1,8 2,9 61,1
.aus Dänemark 0,0 0,1 1,3 2,5 92,3
.aus Deutschland 1,4 1,9 1,5 2,4 60,0
4418.10 Holzfenster 1,6 1,4 3,6 1,9 -47,2
.aus Dänemark 0,3 0,1 0,3 0,9 200,0
.aus Deutschland 0,6 0,4 0,6 0,5 -16,7
.aus Finnland 0,0 0,0 0,0 0,1 k.A.
4418.20 Holztüren 10,7 6,0 5,0 10,5 110,0
.aus Deutschland 0,6 1,6 1,9 7,4 289,5
.aus Spanien 0,3 0,7 1,3 1,1 -15,4
.aus Italien 5,8 0,7 0,4 0,8 100,0
7308.3000 Fenster und Türen aus Eisen und Stahl 52,3 46,1 46,1 37,7 -18,2
.aus Deutschland 6,8 8,3 8,2 11,8 43,9
.aus Italien 7,2 3,9 6,3 8,7 38,1
.aus Niederländern 2,7 5,2 11,1 3,4 -69,4
7610.1000 Fenster und Türen aus Aluminium und deren Legierungen 15,4 18,2 20,3 10,8 -46,8
.aus Deutschland 2,5 5,3 9,5 2,8 -70,5
.aus den USA 0,3 0,6 0,9 0,7 -22,2
.aus Japan 0,8 0,5 0,5 0,7 40,0
Gesamt 85,0 76,8 81,8 69,8 -14,7

Quellen: China Customs; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Komfort zählt, Energieeffizienz lediglich "nice to have"

Der Green-Building-Bereich kommt, von einzelnen Referenzprojekten abgesehen, trotz aller Verlautbarungen nicht richtig in Schwung. Dichte Fenster werden wegen ihres Komforts gekauft, nicht aus Nachhaltigkeitserwägungen. Zum Komfort zählen dabei nicht allein der Schutz vor Zugluft, sondern in den smoggeplagten chinesischen Großstädten der Schutz vor schlechter Luft. Tatsächlich nützen die besten Luftreinigungsgeräte wenig, wenn die Fenster nicht richtig schließen.

Ein kommender Markt ist darüber hinaus der Bereich Schallschutz. Schallschutztüren werden bislang nur in einzelnen Segmenten (etwa in Hotels ab vier Sternen) nachgefragt; im Büro- und Wohnungsbau bislang hingegen fast gar nicht. Treiber dieser Entwicklung könnten jüngere Chinesen sein, die im Ausland waren und den Unterschied kennengelernt haben. Auch Barrierefreiheit könnte künftig angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft eine Rolle spielen. Bislang sind als unterer Türabschluss umlaufende Blendrahmen gängig. Auf diese Nische setzt beispielsweise der deutsche Dichtungshersteller Athmer.

Die nächste Fenestration als wichtige Branchenmesse in China findet - mit deutschem Pavillon - vom 5. bis 8. November 2019 in Shanghai statt (Informationen unter https://www.auma.de/de/ausstellen/messen).

Informationen zum chinesischen Bausektor finden Sie in der Branchenanalyse Bauwirtschaft unter: http://www.gtai.de/MKT201811148006 Lesen Sie zudem mehr zu den Chancen und Herausforderungen im chinesischen Markt für Architekturdienstleistungen in unserer Studie: http://www.gtai.de/PUB201805028000

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Bauwirtschaft, allgemein, Hochbau

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