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23.10.2018

Deutsche Kfz-Hersteller bauen in den USA Kapazitäten aus

Washington drängt auf inländische Lieferketten / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Automobilhersteller (OEM) benötigen in den USA mehr im Inland gefertigte Zulieferteile. Mercedes, BMW und Volkswagen beziehen wichtige Komponenten auch aus Europa.

Dem Weißen Haus sind diese Einfuhren ein Dorn im Auge. Ankündigungen, Importe von Kfz und Kfz-Teilen aus Europa mit Strafzöllen von 25 Prozent zu belegen, wurden daher gleich mehrfach in der Öffentlichkeit lanciert, wenn auch nicht umgesetzt.

Deutsche Markenhersteller suchen Zulieferer

Die großen Montagewerke von BMW, Volkswagen (VW) und Mercedes haben zwar in der Vergangenheit deutsche Zulieferfirmen zur Ansiedlung in den USA bewegen können. Doch reichen diese Kapazitäten längst nicht aus. Alle drei Konzerne suchen daher händeringend nach weiteren ansiedlungswilligen Lieferanten.

BMW wirbt für South Carolina

BMW hat in Spartanburg (South Carolina) das mit 10.000 Mitarbeitern landesweit größte Montagewerk für Pkw errichtet. Pro Tag werden hier 1.400 Fahrzeuge der Modelle X3, X4, X5, X6 und X7 gefertigt. Die 40 Zulieferbetriebe in und um Spartanburg, in denen zusätzlich 20.000 Menschen beschäftigt sind, schaffen es aber nicht, den Bedarf des Premiumherstellers vollständig abzudecken. Daher stehen 260 Hersteller von Teilen aus anderen Landesteilen unter Vertrag und Komponenten werden zusätzlich aus Europa importiert. Um Transport- und Zollkosten einsparen zu können, lädt BMW weitere Zulieferer aus Deutschland ein, in South Carolina zu produzieren.

Mercedes setzt sich für Alabama ein

Mercedes-Benz fertigt im Montagewerk Tuscaloosa (Alabama) mit 3.700 Mitarbeitern die SUV-Modelle GLE, GLE Coupe und GLS sowie die C-Klasse. Konkret werden in diesem Werk Karosserien gebaut und lackiert sowie an zwei Linien bis zu 280.000 Fahrzeuge pro Jahr montiert.

In unmittelbarer Werksnähe haben sich 30 Zulieferfirmen niedergelassen, darunter so bekannte Unternehmen wie Friedrich Boysen und Brose Fahrzeugteile aus Deutschland. Weitere 170 Teilehersteller befinden sich andernorts in den USA, etwa Eberspächer in Michigan. Motoren und Getriebe stammen sogar komplett aus Deutschland.

Mercedes erwägt eigene Motorenfertigung

Vorstandsvorsitzender Zetsche sprach Ende September 2018 von der Möglichkeit, ein eigenes Motorenwerk in den USA hochzuziehen. Doch wolle sich der Konzern erst mit den aktuell geltenden Forderungen nach einer lokalen Wertschöpfung detailliert vertraut machen. Sie ergeben sich unter anderem aus dem Freihandelsabkommen United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA), das in Kürze das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA ablösen soll. Nach der geplanten Unterzeichnung im November 2018 muss USCMA allerdings auch noch die Parlamente der drei Länder passieren, bevor es wirksam wird.

Mercedes hatte allerdings schon seit längerem vor, den Anteil der lokalen Wertschöpfung in Tuscaloosa von derzeit 60 auf 80 Prozent zu erhöhen. Allein schon um Kosten einzusparen, wie Einkaufsvorstand Klaus Zehender beteuerte. Aufträge erhalten Lieferanten vor Ort für jeweils eine Fahrzeuggeneration.

Hybride SUV rufen neue Lieferanten auf den Plan

Neue Zulieferer seien unter anderem für die kommenden Fahrzeugreihen mit Hybridantrieben unabdingbar, betonte Mercedes. Das Unternehmen hatte eigens 2017 eine Zuliefermesse in Birmingham (Alabama) abgehalten.

Derzeit wird das Montagewerk Tuscaloosa nach eigenen Angaben zu einem Hightech-Standort für die SUV-Fertigung ausgebaut. Erweitert werden der Karosseriebau und die Montagehallen. Die Logistik und die IT werden sogar grundlegend modernisiert. Dafür fließen 1,3 Milliarden US-Dollar (US$), zusätzlich zu den bereits investierten 4,5 Milliarden US$.

Einen Bericht über die Investitionen deutscher Hersteller in die Produktion von E-Fahrzeugen in den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201810178000

Sprinter läuft nun auch in South Carolina vom Band

Ein zweites 500 Millionen US$ teures Mercedes-Werk wurde 2018 in North Charleston (South Carolina) eröffnet. Hier werden Kleinlaster der Reihe Sprinter montiert. Das Prinzip ist fast das gleiche wie in Tuscaloosa: Karosserieteile werden gebaut und lackiert; parallel dazu Fahrzeuge montiert.

VW setzt voll auf SUV

Volkswagen investiert 2018 insgesamt 340 Millionen US$, und zwar zur Serieneinführung der kleineren Variante des SUV Atlas im Montagewerk Chattanooga (Tennessee). Der Anteil von VW am Inlandsmarkt für Pkw war zuletzt auf rund 2 Prozent gefallen, auch weil sich der in Chattanooga gebaute Passat nicht mehr so gut verkaufte. Mit dem kleinen und großen Atlas wähnt sich der Konzern aber wieder auf der Überholspur. Langfristig angepeilt wird sogar ein Marktanteil von 5 Prozent.

Japaner und Koreaner investieren massiv

Vor der gleichen Herausforderung wie die deutsche Automobilindustrie stehen auch japanische und koreanische Hersteller. Sie haben ebenfalls in Montagewerke in den Vereinigten Staaten investiert oder errichten gerade Kapazitäten und beziehen verkaufsfertige Kfz und Teile aus dem Ausland.

Hyundai baut bereits seine Motorenfertigung im Werk Montgomery (Alabama) für 380 Millionen US$ aus. Nissan investiert 170 Millionen US$, und zwar in die Modernisierung gleich mehrerer US-Standorte. Zusammen mit Toyota errichtet Mazda gerade ein 1,6 Milliarden US$ teures Werk in Huntsville (Alabama).

Ausgewählte Projekte in der Kfz- und Kfz-Zulieferindustrie (Investition in Mio. US$)
Projektbezeichnung Investition Projektstand Anmerkung
Gemeinschaftswerk zur Kfz-Montage,Mazda-Toyota;Huntsville (Alabama) 1.600 Baustart erfolgt, Betriebsaufnahme 2021 Kapazität von 300.000 Kfz/Jahr, 4.000 Mitarbeiterpressroom.toyota.com/releases/mazda+toyota+announce+alabama+us+auto+manufacturing+plant.htm
Werk für Kfz-Teile aus Kunststoff, Flex-N-Gate Corp., Grand Prairie (Texas) 175 in der Bauplanung http://www.plasticsnews.com/article/20180607/NEWS/180609920/auto-supplier-flex-n-gate-planning-175m-expansion-in-texas
Werkserweiterung zur Herstellung von Kfz-Teilen aus Kunststoff, Plastics Parts Plant,Flex-N-Gate, Danville (Illinois) 20 Baubeginn 2018, Fertigstellung 2019 http://www.illinoispolicy.org/auto-parts-company-to-create-100-new-illinois-jobs-for-1-2m-in-tax-breaks/
Werk für Kfz-Teile aus Aluminium, Alabama Parts Plant, BOCAR Group, Huntsville (Alabama) 115 Baustart 2018 erfolgt http://www.al.com/news/huntsville/index.ssf/2017/11/auto_parts_supplier_bocar_brin.html
Werk für Kfz-Teile aus Kunststoff, Minghua USA, Greer (South Carolina) 29 in der Bauplanung, Baubeginn 2019 Erweiterung der Produktion und Lackierunghttp://www.plasticsnews.com/article/20180926/NEWS/180929931/chinas-minghua-planning-additional-facility-in-south-carolina

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Weitere Informationen zu den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen)

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