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04.09.2018

Deutsche Maschinenbauer haben gute Absatzchancen in Polen

Investitionen legten im 1. Halbjahr 2018 zu / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die Investitionstätigkeit in Polen zieht seit Anfang 2018 an. Davon profitieren insbesondere Anbieter von Maschinen und Anlagen aus dem wichtigsten Lieferland Deutschland.

Das polnische Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2018 eine ähnliche Dynamik wie im Vorjahr erreichen und über 4,5 Prozent liegen. Im 1. Halbjahr 2018 betrug das Plus gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum rund 5 Prozent. Die Investitionen ziehen wieder an, nicht zuletzt wegen der hohen Kapazitätsauslastung, die 2017 bereits 82,4 Prozent erreichte. Es kommen vor allem importierte Maschinen und Anlagen zum Einsatz.

Projekte häufen sich, da noch zahlreiche Mittel aus der Förderperiode 2014 bis 2020 der Europäischen Union (EU) abgerufen werden müssen. Alleine im Rahmen der Kohäsionspolitik stehen Polen rund 82 Milliarden Euro zur Verfügung. Laut dem Polnischen Leasing-Verband (Zwiazek Polskiego Leasingu; ZPL) wurden bis Mitte 2018 Projekte im Wert von 57 Prozent dieses Betrages als förderungswürdig akzeptiert.

Das Land verfolgt außerdem langfristige Großprojekte wie den Bau eines Flughafens und Verkehrsknotenpunktes zwischen Warschau (Warszawa) und Lodsch (Lodz) oder eines Zentralhafens in der Danziger Bucht. Handlungsbedarf besteht auch weiter beim Schienen- und Straßenbau. Vorhaben sollen verstärkt als Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP) verwirklicht werden.

Industrie steigert Umsatz

Die Umsätze der Industrie wuchsen dem polnischen Statistischen Hauptamt (Glowny Urzad Podatkowy; GUS) zufolge in den ersten sieben Monaten 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um real 6,7 Prozent. Zweistellige Zuwächse verzeichneten die Branchen Koks und Erdölraffinerie (+14,1 Prozent), Elektrogeräte (+12,4 Prozent), Metallprodukte (+12,4 Prozent), Maschinen und Ausrüstungen (+10,7 Prozent) sowie Papier und Produkte daraus (+10,6 Prozent). Dynamisch entwickelten sich auch Verkäufe von Tabakwaren (+9,8 Prozent), Möbeln (+8,9 Prozent), Produkten aus sonstigen mineralischen und nichtmetallischen Rohstoffen (+8,8 Prozent), Textilien (+8,5 Prozent) sowie Holz-, Kork-, Stroh- und Korbweideprodukten (+8,3 Prozent).

Gesamtinvestitionen in wichtigen Abnehmerbranchen des Maschinen- und Anlagenbaus in Polen 2017 (Investitionssumme in Mio. Euro *)
Sektor Schwerpunkte Investition
Strom, Gas, Warmwasser Kraftwerke, Strom-, Gas- und Wärmeversorgung 4.603,6
Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren Nahrungsmittel, Verpackungen, Zigaretten 2.209,4
Kfz Fahrzeuge, Teile 1.581,2
Metallproduktion, -verarbeitung Stahl, Kupfer 1.220,4
Gummi- und Kunststoffprodukte Kunststoffprodukte 968,7
Andere nichtmetallische, mineralische Güter Baustoffe, Glas 806,3
Koks, Erdölraffinerie Brenn- und Treibstoffe, Petrochemie 779,4
Elektronische und elektrische Ausrüstungen und Maschinen Hausgeräte, Teile 753,3
Wasser- und Abfallwirtschaft, Rekultivierung Müllverbrennung, Recycling, Wasserversorgung 749,8
Chemieprodukte Basischemie, Bau-, Agrar- und Konsumentenchemie 748,2
Papier- und Papierprodukte Verpackungen 682,3
Baugewerbe Geräte, Ausrüstungen 666,1
Stein- und Braunkohlebergbau Steinkohle 541,8
Maschinen- und Anlagenbau Maschinen, Anlagen, Motoren 406,5
Holz-, Kork-, Stroh- und Korbweideprodukte Holzprodukte, Spanplatten, Baubedarf 338,8
Möbel Holzmöbel 324,4
Sonstige Transportmittel Schienenfahrzeuge, Flugzeug-teile, Spezialschiffe 242,6

*) Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten; umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs 1 Euro=4,257 Zloty

Quellen: GUS, Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

Trotz der steigenden Nachfrage entwickelten sich die Industrieinvestitionen 2017 auf Zloty-Basis laut GUS mit real 3,5 Prozent eher verhalten. Im Gesamtjahr erreichte ihr Wert 59,3 Milliarden Euro. Davon entfiel ein Drittel auf Maschinen, Anlagen und Werkzeuge. Am aktivsten waren Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten, die 2017 dafür knapp 15 Milliarden Euro aufwendeten. In den ersten sechs Monaten 2018 steigerten sie ihre Ausgaben im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 10,6 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro. Investitionsgüter werden zum Großteil importiert. Wichtigste Bezugsquelle bleibt Deutschland.

Leasing von Maschinen, Anlagen und IT wächst zweistellig

Ein Indikator für den Bedarf an Maschinen und Anlagen ist die Nutzungsüberlassung. Leasingfirmen finanzierten 2017 laut ZPL Ausrüstungen im Gesamtwert von 4.337 Millionen Euro (auf Zloty-Basis +20,4 Prozent). An erster Stelle standen mit 1.032 Millionen Euro Landmaschinen (+45,4 Prozent) weit vor Kunststoff- und Metallbearbeitungsmaschinen mit 660 Millionen Euro (+18,1 Prozent) sowie Baugerät mit 595 Millionen Euro (+27,4 Prozent).

Ein besonders hoher Zuwachs ergab sich auch bei Druckereimaschinen (+27,0 Prozent auf 167 Millionen Euro), IT-Bedarf (+21,0 Prozent auf 207 Millionen Euro), Medizintechnik (+17,2 Prozent auf 197 Millionen Euro) und Nahrungsmittelmaschinen (+12,9 Prozent auf 165 Millionen Euro).

Im 1. Halbjahr 2018 überließen die Leasingfirmen Maschinen, Anlagen und IT im Wert von 2.405 Millionen Euro (auf Zloty-Basis +21,2 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2017). Die höchsten Zunahmen verzeichneten Baugerät (+64,0 Prozent auf 405 Millionen Euro), Medizintechnik (+46,3 Prozent auf 138 Millionen Euro), IT-Bedarf (+32,6 Prozent auf 115 Millionen Euro) und Landmaschinen (+25,8 Prozent auf 572 Millionen Euro). Dem ZPL zufolge wirken sich die gute Konjunktur in der Industrie, das deutlich schnellere Abrufen von EU-Mitteln und die regen öffentlichen Investitionen positiv aus.

Deutscher Lieferanteil steigt

Die polnischen Einfuhren von Maschinen, Anlagen und Transportmitteln (SITC-Kapitel 7) stiegen 2017 laut Eurostat um über 9 Prozent auf knapp 71 Milliarden Euro, die aus Deutschland um 10 Prozent auf 21 Milliarden Euro. Somit hatte Deutschland einen Anteil von 30 Prozent an den Branchenimporten Polens und bleibt führendes Lieferland vor China (Importe 2017: 8,6 Milliarden Euro), den Niederlanden (4,7 Milliarden Euro), Italien (4,5 Milliarden Euro), der Tschechischen Republik (3,4 Milliarden Euro) und Frankreich (3,1 Milliarden Euro). Die polnischen Exporte dieser Produkte wuchsen 2017 um 8 Prozent auf 76 Milliarden Euro. Aus dem Deutschlandgeschäft wurden 19 Milliarden Euro generiert.

Einfuhr von Maschinen nach Polen (in Mio. Euro)
SITC Warenbezeichnung 2016 2017 davon aus Deutschland (2017)
723, 728.3 Bau- und Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 705,8 956,9 261,1
724 Textil- und Ledermaschinen 265,1 306,8 126,7
725, 726 Druck- und Papiermaschinen 345,9 398,4 170,4
727, 745.27 Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 435,3 504,8 186,6
728.12, 728.44 Holzbearbeitungsmaschinen 165,1 211,3 77,9
728.42 Kunststoff- und Gummimaschinen 295,6 286,5 119,8
742, 743.1 Pumpen, Kompressoren 1.385,1 1.401,2 466,6
744 Fördertechnik 915,5 1120,3 317,2
731, 733, 735 Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 836,9 929,9 390,3

Quelle: Eurostat

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Außenwirtschaft, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein

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