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06.02.2017

Deutsche Medikamente und Pharmaprodukte boomen in Asien

Exporte in fünf Jahren verdoppelt / In nahezu allen Ländern wurden Importanteile hinzugewonnen / Von Frank Malerius

Bonn (GTAI) - Deutschland ist weltgrößter Exporteur von medizinischen und pharmazeutischen Erzeugnissen. Während die deutsche Gesamtausfuhr dieses Sektors zwischen 2010 und 2015 um 15% zulegte, verdoppelten sich die entsprechenden Exporte nach Asien. Für China ist das wirtschaftsstärkste Land der EU wichtigste Bezugsquelle, mit einer Verdreifachung der Lieferungen in den letzten fünf Jahren. Aber auch in fast allen anderen Ländern der Region konnten Importe "made in Germany" ihre Position ausbauen.

Ein Indikator für wachsenden Wohlstand eines Landes sind steigende Ausgaben für die Gesundheitsversorgung. In den aufstrebenden Staaten Südostasiens erhalten weite Teile der Bevölkerung erstmals Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung - so wie etwa in Indonesien, wo 2014 eine allgemeine Krankenversicherung eingeführt wurde, die bis 2019/20 die gesamte Bevölkerung von dann 270 Mio. bis 280 Mio. Menschen umfassen soll. In Indonesien wie in anderen Ländern der Region kann die entstehende Mittelschicht auch über eine Grundversorgung hinausgehende Leistungen bezahlen.

In der ebenfalls wachstumsstarken VR China sowie in Korea (Rep.) und Japan erhöht noch ein weiterer Faktor den medizinischen Bedarf: Die rapide alternde Gesellschaft. In Japan ist schon heute jeder Vierte älter als 65 Jahre - Tendenz steigend. China und Korea (Rep.) stehen dieselbe Entwicklung bevor. Aufgrund wachsenden Wohlstands und zunehmender Alterung werden überall neue Krankenhäuser gebaut und mit modernen medizinischen Geräten ausgestattet. Sie benötigen Medikamente und pharmazeutische Erzeugnisse wie Vitamine, Antibiotika, Hormone, Kontrastmittel oder Verbandzeug, die in diesem Ländern nicht oder nicht in ausreichender Menge und Qualität oder zu einem angemessenen Preis hergestellt werden können.

Asien gewinnt als Absatzmarkt an Gewicht

Deutschland ist weltgrößter Exporteur von medizinischen und pharmazeutischen Produkten, mit Lieferungen im Wert von 76 Mrd. US$ im Jahr 2015. Das entspricht 15% der weltweiten Exporte in diesem Segment. Die deutschen Lieferungen in alle Welt haben in den vergangenen fünf Jahren um 15% zugelegt. Der globale Marktanteil ist dabei um ein Prozentpunkt gestiegen.

Die Lieferungen nach Süd-, Ost- und Südostasien haben sich in dem Zeitraum aber nahezu verdoppelt. Wichtigster Abnehmer ist China, mit Importen im Wert von 2,4 Mrd. $. Das entspricht einer Verdreifachung seit 2010. Zweites großes Empfängerland ist Japan, mit Einfuhren im Wert von 2,3 Mrd. $ und einer Wachstumsrate von mehr als 50%. Gingen 2010 erst 5,3% der deutschen Exporte von medizinischen und pharmazeutischen Produkten nach Asien, waren es 2015 bereits 9,0 %. Die höchsten Wachstumsraten gab es bei Lieferungen nach China. Aber selbst die Exporte in Hochtechnologieländer wie Korea (Rep.) und Taiwan verdoppelten sich nahezu.

Deutsche Lieferungen von Arzneiwaren und medizinischen Erzeugnissen 1) (in Mio. US$; Veränderung in %)
2010 2015 Veränderung 2015/10
VR China 792 2.446 209,0
Japan 1.471 2.275 54,6
Korea (Rep.) 281 542 92,8
Taiwan 159 309 94,8
Thailand 93 208 124,3
Indien 139 198 42,4
Hongkong 137 176 28,6
Malaysia 73 168 129,5
Vietnam 77 146 91,0
Singapur 123 145 18,2
Philippinen 73 131 79,9
Indonesien 62 90 43,7
ASEAN 2) 501 889 77,4
gesamt 3.479 6.835 96,4
Welt 65.834 75.977 15,4

1) SITC 54; 2) Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam

Quelle: UN Comtrade

Laut Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie haben deutsche Medikamente in Asien in der Bevölkerung einen guten Ruf, die Abnehmer seien daher bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Besonders gefragt seien Originalmarkenprodukte und pflanzliche Arzneimittel sowie verschreibungspflichtige Medikamente. Der Verband schätzt das Volumen des weltweiten Pharmamarktes für 2016 auf 1.072 Mrd. $. Zweitgrößter Markt nach den USA mit 433 Mrd. $ ist China mit 115 Mrd. $ (+7% gegenüber 2015). Auf Rang drei steht Japan mit 81 Mrd. $ (+6%).

Deutschland wichtigster Lieferant der Region

In allen Ländern der Region gehört Deutschland laut den jeweiligen Importstatistiken zu den wichtigsten Lieferanten in dem Segment. Deutschland steht dabei nicht nur in China auf Rang eins als Handelspartner, sondern mittlerweile auch in Malaysia. Den höchsten Einfuhranteil haben deutsche Produkte in China mit 22,3%. In allen Ländern der Region ist der Importbedarf seit 2010 gestiegen - und nahezu überall konnten Erzeugnisse aus Deutschland ihre Marktposition weiter ausbauen. Lediglich in Japan und Indonesien gab es minimale prozentuale Einbußen.

Marktanteil der Importe von Arzneiwaren und medizinischen Erzeugnissen *) aus Deutschland (in %)

2010 Rang als Lieferant 2015 Rang als Lieferant
VR China 16,1 1 22,3 1
Japan 14,4 2 14,3 3
Korea (Rep.) 13,4 2 13,6 2
Taiwan 12,0 2 17,0 2
Thailand 10,0 3 10,5 2
Indien 5,4 4 7,8 3
Hongkong 4,2 8 9,2 2
Malaysia 8,4 4 13,3 1
Vietnam 6,9 5 7,8 4
Singapur 10,1 3 10,3 4
Philippinen 9,1 2 9,4 2
Indonesien 10,3 2 10,2 2

*) SITC 54

Quelle: UN Comtrade

Für 2016 verzeichnen die regional größten Importeure der Branchenprodukte einen weiteren Anstieg der Einfuhren aus Deutschland. China meldet ein Plus von 25%, Japan von 16%, Korea von 21%, Taiwan von 12% und Thailand sogar von 32%. Zusammengenommen ergibt sich eine Steigerung von rund 20%.

Wie sehr die wirtschaftliche Entwicklung die Nachfrage nach medizinischen und pharmazeutischen Produkten bestimmt, zeigt der Importbedarf pro Kopf. In allen Ländern der Region ist die Nachfrage nach Lieferungen zwischen 2010 und 2015 gestiegen. In den reichen Singapur und Hongkong, die gleichzeitig Handelsdrehscheiben für diese Güter sind, liegt die Pro-Kopf-Einfuhr bei mehreren Hundert US-Dollar. Die größten prozentualen Steigerungen gab es in den aufstrebenden Schwellenländern. In China hat sich der Bedarf pro Kopf mehr als verdoppelt.

Importe von Arzneiwaren und medizinischen Erzeugnissen *) pro Kopf 2015 (in US$)

2010 2015
Singapur 465 478
Hongkong 307 335
Japan 135 190
Taiwan 93 126
Korea (Rep.) 80 103
Malaysia 40 51
Thailand 27 35
Vietnam 18 31
VR China 6 15
Philippinen 9 13
Indonesien 3 4
Indien 2 2

*) SITC 54

Quellen: UN Comtrade; Weltbank; ADB; Berechnungen von GTAI

China setzt auf mehr Eigenproduktion

In China gibt es rund 20.000 registrierte Arzneimittelfirmen. Trotz Bemühungen der Gesundheitsbehörden, eingeführte Arzneimittel durch lokale hergestellte Erzeugnisse zu substituieren, sind ausländische Pharmafirmen in einigen Segmenten führend. Viele von ihnen investieren mittlerweile in Produktionsstätten im Land.

Allerdings prognostizieren Branchenvertreter, dass von chinesischen Unternehmen hergestellte Arzneimittel in der kommenden Dekade gegenüber Importerzeugnissen und vor Ort durch ausländische Niederlassungen produzierte Präparate Marktanteile gewinnen werden. Denn sie seien preiswerter und qualitativ zunehmend besser.

(FMA)

Einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik finden Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik.

Eine Analyse über den Gesundheitsmarkt in Asien-Pazifik bietet die GTAI-Publikation "Exportchancen 2016/17" unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Future/exportchancen-2016-2017.html.

Dieser Artikel ist relevant für:

Asien Arzneimittel, Diagnostika

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