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28.02.2018

Deutsche Unternehmen bleiben Investor Nummer Eins in Österreich

Neuansiedlungen 2017 auf Rekordniveau / Von Barbara Kussel

Bonn (GTAI) - Im Jahr 2017 haben sich 344 internationale Unternehmen in Österreich angesiedelt. Wie in den Jahren zuvor kamen die meisten Firmen aus Deutschland, 2017 waren es mehr als ein Drittel. Mit diesen Zahlen hat die österreichische Agentur ABA - Invest in Austria erneut eine Rekordbilanz vorgelegt. (Kontaktadressen)

"Der Standort Österreich punktet bei ausländischen Konzernen vor allem mit Stabilität und Sicherheit, hoher Osteuropa-Kompetenz, der Qualität und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie einem kaufkräftigen Markt". Das sagte die Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, Margarete Schramböck, anlässlich der Präsentation der Jahresbilanz der Austrian Business Agency (ABA - Invest in Austria). ABA gehört zum Ressort des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und betreut internationale Investoren.

In der ABA-Bilanz ist die Zahl der betreuten Unternehmen 2017 um 7,8 Prozent auf den Höchstwert von 344 Gesellschaften gestiegen. Die mit den Neuansiedlungen verbundene Investitionssumme legte um 2,6 Prozent auf 724 Millionen Euro zu, sodass im Durchschnitt rund 2,1 Millionen Euro je Engagement investiert worden sind. Gleichzeitig wurden 2.672 Arbeitsplätze geschaffen, ein Plus von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit weniger Bürokratie, der Online Gründung von Unternehmen und der Reduzierung von Lohnnebenkosten will Schramböck weitere Betriebe nach Österreich holen. Schramböck leitet das Ministerium, das zuvor Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft hieß, seit dem 18. Dezember 2017. Sie wurde als Parteilose von der ÖVP (Österreichische Volkspartei) für dieses Amt nominiert. Die Wirtschaftswissenschaftlerin kommt aus der Praxis und stand zuvor rund eineinhalb Jahre als Chief Executive Officer an der Spitze von A1 Telekom Austria. Als Schwerpunkte ihrer Arbeit nennt sie Themen wie Digitalisierung, Entbürokratisierung und E-Government.

Starkes Interesse auch aus Mittelosteuropa

Im Jahr 2017 kamen aus dem traditionell stärksten Investorenland Deutschland 118 Unternehmen nach Österreich, zwei mehr als im Vorjahr. Den zweiten Platz mit jeweils 26 Neugründungen in Österreich teilen sich Italien, die Schweiz und Slowenien. Auf rund ein Drittel der Engagements sind die Investitionen aus Mittelosteuropa/Südosteuropa gestiegen: Von den 99 betreuten Unternehmen kamen 26 aus Slowenien, 18 aus Ungarn, 14 aus der Slowakei und 11 aus Russland.

"Die deutschen Unternehmen, die in Österreich investierten, stammten zum größten Teil aus den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin", sagte Friedrich Schmidl, Markverantwortlicher für Deutschland, bei der ABA in einem Gespräch mit GTAI. In den letzten Jahren sei vor allem der Anteil der Firmen aus Berlin deutlich gewachsen. Es sind nach Einschätzung von Schmidl die guten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die auch deutsche Firmen nach Österreich locken.

Nach wie vor ist auch das Interesse aus China hoch: Aus dem Reich der Mitte haben sich 2017 elf Unternehmen in Österreich angesiedelt. Eines davon ist der Hausgerätehersteller Midea, der 2016 den Augsburger Roboterbauer Kuka für mehr als vier Milliarden Euro übernommen hatte. Midea baut in Graz ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Kältetechnik. Insgesamt aber kamen aus Asien nur 22 Projekte.

Als Forschungsstandort beliebt

Von den neu angesiedelten Unternehmen betreiben 34 Unternehmen, also 10 Prozent, Forschung und Entwicklung - ein Zeichen für die anerkannt hohe Qualität des Forschungsstandortes Österreich. Das Land hat die Forschungsförderung konsequent ausgebaut.

Zuletzt wurde die Forschungsprämie mit Wirkung vom 1. Januar 2018 von 12 auf 14 Prozent der prämienbegünstigten Forschungsaufwendungen erhöht. Die Prämie kommt den Unternehmen in Form einer Steuergutschrift zu Gute. Insgesamt summieren sich die Forschungsausgaben in Österreich auf 3,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes; in der Europäischen Union ist diese Quote nur in Schweden höher.

Weitere 22 der neu angesiedelten Unternehmen produzieren in Österreich. Elf weitere bearbeiten von Österreich aus weitere Märkte. Dazu gehört auch Eurocoin, "der erste Brexit-Flüchtling unter den ABA-Ansiedlungen", sagte ABA-Geschäftsführer Rene Siegl. Eurocoin ist ein Anbieter von Spielgeld und Plastikmarken, wie sie in Automaten eingesetzt werden. Gefragt war auch der Start-up-Standort Österreich: 24 Jungunternehmer aus dem Ausland haben den Schritt in das Alpenland gewagt, ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zu 2016.

Wien rangiert in der Beliebtheitsskala vor Salzburg

Jeweils 15 Prozent der neu angesiedelten Betriebe aus dem Ausland gehörten in die Sparten industrienahe Dienstleistungen (51) und IKT (49). Auf den weiteren Plätzen folgen die Branchen Consulting (37), Tourismus (15), Life Sciences/Biowissenschaften (12), Kunststoff (9), Umwelttechnik (6) sowie Mechatronik (6).

Innerhalb Österreichs suchte sich fast die Hälfte der Unternehmen (157) Wien als Standort aus, gefolgt von Salzburg (42), Niederösterreich (29), Kärnten (27) und Tirol (26), das von der Nähe zu Deutschland profitiert.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
ABA-Austrian Business Agency http://www.investinaustria.at Ansprechpartner: Friedrich Schmidl, E-Mail: f.schmidl@aba.gv.at
Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort http://www.bmdw.gv.at
Deutsche Handelskammer in Österreich https://oesterreich.ahk.de Ansprechpartnerin: Beatrix Holzbauer, E-Mail: beatrix.holzbauer@dhk.at

(B.K.)

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Oesterreich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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Martin Schulte

‎+49 228 24 993 245

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