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11.01.2018

Deutsche Unternehmen im südlichen Afrika gut präsent

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Investitionsklima in Südafrika belastet / Firmen aus Deutschland sind in vielen Branchen aktiv / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) in das südliche Afrika war 2016 rückläufig. Insbesondere in Südafrika hatte sich das Investitionsklima zuletzt eingetrübt. Deutsche Unternehmen sind am Kap dennoch stark vertreten. Die Geschäftstätigkeit in Bereichen wie Kfz-Fertigung, Transport und Medizintechnik wird ausgebaut. Probleme treten hingegen im Sektor der erneuerbaren Energien auf. Auch in anderen Länder wie Namibia und Mosambik gibt es deutsche Präsenz.

Die Region des südlichen Afrika verzeichnete 2016 FDI-Zuflüsse von 21,2 Milliarden US-Dollar (US$). Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Abnahme um 18 Prozent. Die meisten Gelder flossen in die portugiesischsprachigen Länder Angola (14,4 Milliarden US$) und Mosambik (3,1 Milliarden US$). Mit 2,3 Milliarden US$ verzeichnete Südafrika ein enttäuschendes Ergebnis.

Dies dürfte insbesondere an dem schwierigen Investitionsklima in der Kaprepublik liegen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts soll bis mindestens 2020 die 2 Prozent-Marke verfehlen. Die Wirtschaft Südafrikas wurde zudem von einem massiven Vertrauensverlust erfasst. Unter Staatspräsident Jacob Zuma kam es in den vergangenen Jahren zu ausufernder Korruption und einer Unterwanderung des Staates durch private Interessengruppen. Unternehmen beklagen politische Unsicherheit und eine inkonsistente Regierungsführung.

Zu Hoffnung Anlass gibt die Wahl von Cyril Ramaphosa zum neuen Präsidenten der Regierungspartei African National Congress (ANC) im Dezember 2017. Dieser dürfte spätestens 2019 auch die Regierungsgeschäfte übernehmen. Ramaphosa verspricht die Bekämpfung der Korruption und will die Wirtschaft mit Reformen wieder auf Kurs bringen.

Unternehmen litten 2017 zudem unter einer Verschärfung der Black Economic Empowerment (BEE)-Gesetzgebung. BEE zielt ab auf eine wirtschaftliche Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung, zum Beispiel durch die Abgabe von Unternehmensanteilen, und ist vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen und für Zulieferunternehmen relevant. Durch die strengeren Vorschriften wurden einige deutsche Firmen in ihrer Einstufung abgewertet, sodass bereits Aufträge verloren gingen.

Bei den FDI-Beständen ist Südafrika mit 137 Milliarden US$ (2016) weiterhin führend, größte Investoren sind das Vereinigte Königreich, die Niederlande, USA, Deutschland und die VR China.

Rang 2 bei den Beständen an FDI belegt Angola, das einen Wert von rund 50 Milliarden US$ ausweist. Auch hier ist das Investitionsklima problematisch. Der niedrige Rohölpreis sorgt für steigende Staatsverschuldung und Devisenmangel. Experten zufolge benötigt das Land einen Ölpreis von 85 US$ pro Barrel, um das gegenwärtige Ausgabenniveau zu decken. Hinzu kommen Korruption und Bürokratie. Im Doing Business Report 2017 der Weltbank befindet sich Angola mit Rang 182 von 190 deshalb auf einem der hintersten Plätze.

Deutsche Unternehmen konzentrieren ihr Afrikageschäft am Kap

Für Unternehmen aus Deutschland ist Südafrika das zentrale Sprungbrett in den afrikanischen Markt. Im Jahr 2015 entfielen rund 81 Prozent der deutschen Bestandsinvestitionen in Subsahara-Afrika (6,5 Milliarden Euro) auf die Kaprepublik. Nach Angaben der Bundesbank waren etwa 400 deutsche Unternehmen dort aktiv. Die Aktivitäten konzentrieren sich auf das verarbeitende Gewerbe (49 Prozent) sowie die Finanzbranche (38 Prozent). Im verarbeitenden Gewerbe dominieren die Kfz-Industrie und der Maschinenbau mit 56 beziehungsweise 15 Prozent.

Die führende Rolle der Automobilindustrie spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre wider. BMW investierte seit 2015 umgerechnet rund 386 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigungsstätte in Rosslyn bei Pretoria, um dort ab 2018 den X3 zu produzieren. Dieser wird den zurzeit gefertigten BMW 3er ablösen. Weitere rund 25 Millionen Euro fließen in die Erweiterung des südafrikanischen Unternehmenssitzes in Midrand sowie in den Neubau eines regionalen Vertriebszentrums. VW steckte rund 280 Millionen Euro in das Werk in Port Elizabeth, wo im Oktober 2017 der Startschuss für den neuen Polo fiel. Auch zwei weitere Modelle könnten dort künftig hergestellt werden.

Mercedes-Benz erweitert die Produktionspalette am Standort East London. Nachdem das Unternehmen 2016 bereits circa 29 Millionen Euro investiert hat, wurden 2017 weitere rund 12 Millionen Euro ausgegeben, damit mehr Modelle der C-Klasse gebaut werden können. Künftig sollen in East London auch Fahrzeuge aus der High-Performance AMG Reihe vom Band laufen, was dem technologischen Level am Standort zugutekommt. Derzeit werden die C-Klasse Sedan und das Hybrid-Modell C 350 gefertigt. Im Umfeld der Kfz-Hersteller haben sich zahlreiche deutsche Zulieferunternehmen wie Benteler und RG Brose am Kap angesiedelt.

Auch Maschinenbau gut vertreten

Im Bereich des Maschinenbaus ist beispielsweise KSB (Pumpen und Armaturen inklusive Service) mit einem Werk im Osten Johannesburgs vor Ort. Der Antriebstechnikhersteller SEW Eurodrive plant den Bau einer neuen Fertigungsstätte in Gauteng. Diese soll einer Pressemeldung zufolge mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern doppelt so groß wie die bestehende Produktionshalle ausfallen. Dabei will das Unternehmen auch moderne Automatisierungstechnik einsetzen. Derzeit beschäftigt SEW Eurodrive in Südafrika rund 200 Mitarbeiter und beliefert vor allem die Bergbauindustrie sowie den Automobilsektor.

Das kanadische Transportunternehmen Bombardier errichtete über die in Deutschland angesiedelte Europa/Afrika-Zentrale Bombardier Transportation GmbH in Germiston eine Produktionsstätte für Antriebe. Diese dienen der Ausstattung von 240 neuen Elektroloks für das staatliche Gütertransportunternehmen Transnet. Zudem hofft Bombardier auf neue Aufträge für die Lieferung von Schienenfahrzeugen für den Gautrain. Die Schnellverbindung zwischen Johannesburg und Pretoria verzeichnet steigende Fahrgastzahlen, weshalb zwölf neue Züge beschafft werden sollen. Schließlich konnte Siemens zuletzt einige Aufträge für die Erneuerung der Signaltechnik im südafrikanischen Schienennetz ausführen.

Auch die Medizintechnik ist ein Betätigungsfeld für deutsche Unternehmen. B. Braun aus Melsungen investiert in den Aufbau von Dialysezentren und kann dafür die zugehörige Technik liefern. Mitte 2017 betrieb B. Braun in Südafrika bereits 33 Dialysezentren, vier weitere gibt es in Simbabwe. Darüber hinaus verfügt B. Braun in Südafrika auch über vier Produktionsstätten, in denen das Unternehmen unter anderem Infusions-Sets und Desinfektionsmittel herstellt. Im Jahr 2017 wurde eine neue Tochtergesellschaft in Sambia gegründet.

Die deutsche ATM Holding GmbH übernahm Anfang den 2017 mit 25 Prozent den größten Anteil am führenden südafrikanischen Baukonzern Murray & Roberts. Das Unternehmen ist insbesondere im Bergbaubereich aktiv und konnte in den letzten Jahren in viele afrikanische Nachbarländer expandieren.

Probleme in Südafrika haben derzeit Unternehmen, die im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv sind. Im Ausschreibungsprogramm Renewable Energy Independent Power Producer Programme (REIPPP) gibt es Verzögerungen, da der staatliche Versorger Eskom die Unterzeichnung von Abnahmeverträgen mit privaten Stromerzeugern verzögert. Dadurch kommen keine neuen Projekte mehr nach - den deutschen Unternehmen gehen die Aufträge aus. So musste SMA Solar Technology die Wechselrichterproduktion in Kapstadt bereits stilllegen. Auch der Windturbinenhersteller Nordex, der mit großer Mitarbeiterzahl in Südafrika vertreten ist, leidet unter der Auftragsflaute.

Namibia und Mosambik ziehen deutsche Firmen an

Ein Leuchtturmprojekt für die deutsche Investitionstätigkeit in Namibia ist das Ohorongo-Zementwerk der Schwenk-Gruppe aus Ulm. Die Anlage im Norden des Landes verfügt über eine Kapazität von 1 Million Tonnen/Jahr. Ebenfalls in Namibia plant die deutsche Desert Food ein innovatives Projekt zum Gemüseanbau. In dem wasserarmen Land soll ein Hydroponic-Gewächshaus mit einer angeschlossenen Tilapia-Fischzucht entstehen. Der Anbau soll 2018 auf 1,2 Hektar Land beginnen. Zunächst wird angestrebt, jährlich 500 Tonnen Gemüse zu ernten und 50 Tonnen Tilapia zu züchten. Innerhalb von drei Jahren ist eine Vergrößerung auf 4,4 Hektar vorgesehen.

In Mosambik startete Graphit Kropfmühl 2017 den Abbau von Graphit in der Ancuabe-Mine. Nach einer Investition von 12 Millionen Euro will das Unternehmen rund 9.000 Tonnen pro Jahr produzieren und nach Deutschland exportieren. Des Weiteren stockte die Oiltanking Group aus Hamburg Ende 2017 ihren Anteil an Oiltanking Mozambique auf 80 Prozent auf. In Matola bei der Hauptstadt Maputo soll ein neues Lager für Mineralölprodukte mit einer Kapazität von rund 100.000 Kubikmetern entstehen.

(He.St.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola, Mosambik, Namibia, Südafrika, Südliches Afrika Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Investitionen im Ausland / Joint Ventures

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