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18.02.2019

Deutscher Afrikahandel 2018 enttäuscht

Lieferungen nach Nordafrika brechen geradezu ein / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Deutschland tut sich in Afrika unverändert schwer, vor allem bei den Exporten. Die Ursachen sind vielfältig. Eine kritische Diskussion täte gut, ein "Weiter so wie bisher" nicht.

Der deutsche Außenhandel konnte 2018 um 4,2 Prozent zulegen, so die noch vorläufigen Zahlen des Statischen Bundesamtes. Das sind zwar drei Prozentpunkte weniger als noch ein Jahr zuvor, aber dennoch ein Zuwachs, der sich sehen lassen kann. Dabei legten die Importe mit 5,7 Prozent fast doppelt so viel zu wie die Exporte mit 3,0 Prozent.

Anders der Handel mit Afrika, der insgesamt enttäuschte und um 1,6 Prozent zurückging. Unterschieden nach Ex- und Importen war das Bild aus deutscher Sicht noch ernüchternder: Um 11,0 Prozent fielen die deutschen Exporte zurück, während die Importe immerhin um 10,0 Prozent zulegten. Aus handelspolitischer Sicht positiv anzumerken ist derweil, dass sich Ex- und Importe 2018 mit 22,6 Milliarden Euro beziehungsweise 22,5 Milliarden Euro wohl erstmalig die Waage halten. Dennoch: Afrika ist trotz erhöhter politischer Aufmerksamkeit aus Sicht eines deutschen Exporteurs insgesamt gesehen noch unwichtiger geworden, als es ohnehin schon war. Gingen 2017 noch 2,0 Prozent aller deutschen Exporte nach Afrika, so waren es 2018 nur noch 1,7 Prozent - ein neuer Negativrekord.

Senkrechtstarter Äthiopien lässt deutsche Exporteure kalt

Besonders enttäuscht haben 2018 die deutschen Lieferungen in die traditionell sechs größten afrikanischen Abnehmerländer deutscher Waren: Südafrika, Ägypten, Algerien, Marokko, Tunesien und Nigeria, die allesamt weniger Waren aus Deutschland importierten. Bei Ägypten und Algerien kann geradezu von einem Einbruch gesprochen werden. Zu denken geben auch die deutlichen Exportrückgänge nach Äthiopien, dem ökonomischen Senkrechtstarter und Hoffnungsträger in Ostafrika.

Es gab aber auch erfreuliche Entwicklungen in der "zweiten Reihe": Kenia, Libyen, Liberia und Mosambik nahmen spürbar mehr deutsche Waren ab. Und auch in der Regionalliga konnten Kleinst-Ökonomien wie Niger, Somalia, Tschad und Eritrea mit deutlich gestiegenen Importen aus Deutschland punkten.

Die 15 größten afrikanischen Abnehmerländer für deutsche Exporte 2018 (in Mio. Euro, Veränderung in %)
Land 2017 2018 1) 2018/2017
Afrika gesamt 25.444 22.641 -11,0
..Nordafrika 2) 11.704 9.421 -19,5
....Ägypten 4.359 3.177 -27,1
....Algerien 3.107 2.154 -30,7
....Marokko 2.055 2.033 -1,0
....Tunesien 1.583 1.492 -5,7
....Libyen 289 324 12,3
....Sudan 231 156 -32,4
..Subsahara-Afrika 3) 13.740 13.220 -3,8
....Südafrika 9.527 9.080 -4,7
....Nigeria 935 865 -7,5
....Kenia 307 370 20,7
....Liberia 150 253 69,0
....Äthiopien 328 252 -23,1
....Ghana 265 231 -13,0
....Cote d'Ivoire 219 214 -2,1
....Vereinigte Republik Tansania 157 149 -5,2
....Angola 256 138 -46,3

1) Vorläufig. Erfahrungsgemäß kommt es über die folgenden Monate zu einer geringfügigen Berichtigung der Zahlen bevor die endgültigen Ergebnisse vorliegen. An den Grundaussagen des Zahlenwerks dürfte sich de facto aber nichts verändern; 2) einschließlich Melilla, Ceuta, Westsahara, Mauretanien und Sudan; 3) einschließlich Südsudan, Mali, Niger, Tschad, britischem Territorium im Indischen Ozean, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: 9.2.2019

Ländervielfalt und Logistik eine Herausforderung

Für ein deutsches mittelständisches Unternehmen, das in Afrika verkaufen möchte, sind die Herausforderungen riesig. Mal abgesehen von den relativ bedeutenden Ländern Südafrika und Nigeria gibt es alleine in Subsahara-Afrika weitere 46 relativ unbedeutende vom Statischen Bundesamt geführte Länder und Territorien. Zusammen haben diese 46 Gebiete 2018 nur für 3,3 Milliarden Euro deutsche Waren abgenommen - eine seit Jahren sinkende Summe. Jedes dieser Länder hat seine eigenen Besonderheiten und Vorschriften, die beachtet werden wollen. Und bei Ländern ohne Seehafen ist die Logistik zudem eine Herausforderung, wenn nicht gar ein Albtraum. Einen Container einmal um den Globus zu schicken, ist etwa genauso teuer wie ihn vom kenianischen Hafen Mombasa in die 1.600 Straßenkilometer entfernte ruandische Hauptstadt Kigali zu karren.

All das muss aber nicht unbedingt abschrecken. Vielmehr sollte man das wissen und sich darauf einstellen. Mal abgesehen von den Maghreb-Staaten sowie Südafrika und Nigeria kann man in den afrikanischen Ländern kaum von Märkten sprechen. Aber es gibt dort Kunden - und zwar in allen Ländern. Auch in einem gescheiterten Staat wie Somalia oder in dem international nicht anerkannten Somaliland gibt es gut verdienende Firmen und reiche Individuen, die sich sehr wohl teure deutsche Technik leisten können. Ihre schriftlichen Anfragen mögen nicht immer westlichen Vorstellungen von einem ordentlichen Geschäftsbrief entsprechen, können deshalb dennoch höchst seriös sein. Fazit: Eine Verkaufsstrategie sollte meist mehr kunden- als marktbezogen sein.

Steigendes afrikanisches Selbstbewusstsein will beachtet werden

Und noch etwas könnten deutsche Firmen und Deutschland besser machen: Das Selbstbewusstsein führender afrikanischer Geschäftsleute nimmt seit Jahren deutlich zu. Wenn jemand, der zu den Top Ten seines Landes gehört, für ein paar Millionen Euro zum Beispiel Maschinen kaufen will und ein entsprechendes Interesse äußert, erwartet er, dass schon in der nächsten Woche hochrangige Verkäufer bei ihm vorsprechen. Ebenso hat diese Elite den Anspruch, gleich für viele Jahre ein Besuchsvisum für potenzielle Verkäuferländer zu bekommen - und das auch für den Ehepartner und die Kinder. Es gibt Verkäufer und Exportländer, die das wissen und beherzigen - und davon profitieren.

Zu dem neuen afrikanischen Selbstbewusstsein gehört auch, dass die Wirtschaftselite auf Augenhöhe behandelt werden will. Besserwisserei kommt immer seltener gut an, Belehrungen über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Compliance - deutsche Lieblingsthemen - will sich kein Afrikaner mehr anhören müssen. Und auch Entwicklungshilfe ist längst ein negativ besetztes Wort geworden. Es könnte sich lohnen, über solche Themen nachzudenken und kritisch zu diskutieren. Ein "Weiter so wie bisher" oder das Drehen an ein paar Stellschrauben wird kaum den Erfolg bringen.

Die 15 größten afrikanischen Lieferländer für deutsche Importe 2018 (in Mio. Euro, Veränderung in %)
Land 2017 2018 1) 2018/2017
Afrika gesamt 20.355 22.475 10,0
..Nordafrika 2) 8.017 8.486 5,9
....Libyen 2.485 3.439 38,4
....Tunesien 1.769 1.768 -0,1
....Ägypten 1.366 1.302 -4,7
....Marokko 1.108 1.224 10,5
....Algerien 1.169 645 -44,8
..Subsahara-Afrika 3) 12.432 14.004 12,6
....Südafrika 7.277 8.004 10,0
....Nigeria 1.601 2.395 49,6
....Cote d'Ivoire 812 980 20,7
....Ghana 215 394 82,9
....Madagaskar 230 287 24,5
....Mosambik 242 234 -3,3
....Dem. Rep. Kongo 107 173 61,9
....Äthiopien 172 153 -11,0
....Namibia 145 142 -1,8
....Kenia 158 133 -15,6

1) Vorläufig. Erfahrungsgemäß kommt es über die folgenden Monate zu einer geringfügigen Berichtigung der Zahlen bevor die endgültigen Ergebnisse vorliegen. An den Grundaussagen des Zahlenwerks dürfte sich de facto aber nichts verändern; 2) einschließlich Melilla, Ceuta, Westsahara, Mauretanien und Sudan; 3) einschließlich Südsudan, Mali, Niger, Tschad, britischem Territorium im Indischen Ozean, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: 9.2.2019

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Dieser Artikel ist relevant für:

Nordafrika, Ostafrika, Südliches Afrika, Westafrika Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein

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