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08.03.2018

Deutscher Afrikahandel legt 2017 überproportional zu

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Nigeria und Südafrika dominieren den Handel / Libyen als wichtiger Erdöllieferant erneut dabei / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Der deutsche Außenhandel konnte 2017 um beachtliche 7,2 Prozent zulegen, so die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Afrika war mit einem Zuwachs um 11,7 Prozent dabei. An der marginalen Bedeutung des Kontinents für den deutschen Außenhandel ändert das allerdings wenig: Nur 2,0 Prozent aller Exporte gehen nach Afrika und 2,0 Prozent aller Importe kommen von dort. Die Highlights: Nigeria und Südafrika kaufen wieder mehr, während Libyen als wichtiger Öllieferant punkten kann.

Die deutliche Steigerung des deutschen Außenhandels mit Afrika ging vornehmlich auf das Konto von Importen, die 2017 um 22,1 Prozent auf 20,34 Milliarden Euro zulegten, während es weltweit plus 8,3 Prozent waren. Dabei stiegen die Importe aus Subsahara-Afrika um 13,6 Prozent auf 12,37 Milliarden Euro, während die aus Nordafrika um 28,0 Prozent auf 7,99 Milliarden Euro kletterten. Der Hauptgrund: Um 360 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro gestiegene deutsche Ölimporte aus Libyen.

Trotz Erfolgen bleibt Afrika ein marginaler Partner

Bei den Exporten war Afrika insgesamt betrachtet weiterhin ein Stiefkind des deutschen Außenhandels. Während die weltweiten Ausfuhren 2017 um 6,2 Prozent zulegten, waren es bei Afrika nur 4,7 Prozent. Dabei enttäusche vor allem Nordafrika, das 2016 noch kräftige Steigerungen bei den Importen aus Deutschland zu verzeichnen hatte, 2017 aber nur um 2,7 Prozent mehr nachfragte. Besser waren die Zahlen aus Subsahara-Afrika, das 2017 rund 6,4 Prozent mehr Waren abnahm als im Vorjahr. Für diesen Zuwachs waren vor allem die afrikanischen Schwergewichte Nigeria und Südafrika verantwortlich.

Die 15 größten afrikanischen Abnehmerländer für deutsche Exporte 2017 (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 2017 1) 2017/2016
Afrika gesamt 23.885 24.377 25.517 4,7
..Nordafrika 2) 9.584 11.515 11.827 2,7
....Ägypten 3.322 4.406 4.450 1,0
....Algerien 2.403 3.205 3.121 -2,6
....Marokko 1.882 1.974 2.067 4,7
....Tunesien 1.352 1.382 1.584 14,6
....Libyen 351 298 294 -1,3
....Sudan 169 171 231 35,1
..Subsahara-Afrika 3) 14.300 12.862 13.690 6,4
....Südafrika 9.626 8.810 9.528 8,1
....Nigeria 1.032 768 935 21,7
....Äthiopien 303 344 328 -4,7
....Kenia 366 333 307 -7,8
....Ghana 264 302 266 -11,9
....Angola 333 257 255 -0,7
....Cote d'Ivoire 153 193 218 13,0
....Vereinigte Republik Tansania 120 137 158 15,3
....Liberia 299 198 149 -24,7

1) Vorläufig. Erfahrungsgemäß kommt es über die folgenden Monate zu einer geringfügigen Berichtigung der Zahlen bevor die endgültigen Ergebnisse vorliegen. An den Grundaussagen des Zahlenwerks dürfte sich de facto aber nichts ändern; 2) einschließlich Melilla, Ceuta, Westsahara, Mauretanien und Sudan; 3) einschließlich Südsudan, Mali, Niger, Tschad, britischem Territorium im Indischen Ozean, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha sowie Mayotte, aber ohne Reunion.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Maghreb-Staaten, Südafrika und Nigeria dominieren den Handel

Für die deutsche Exportwirtschaft spielt die Musik unverändert in den vier nordafrikanischen Staaten Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien sowie südlich der Sahara in der Republik Südafrika und Nigeria. Diese sechs Länder konnten 2017 rund 85 Prozent aller deutschen Exporte nach Afrika auf sich vereinen. Alle anderen Länder fallen dahinter stark zurück. Erwähnenswert ist ansonsten die Zunahme der deutschen Lieferungen nach Sudan, die 2017 um 35 Prozent auf 231 Millionen Euro stiegen. Die Lockerung US-amerikanischer Sanktionen Anfang Oktober 2017 dürfte auch deutsche Exporte in das Land weiter begünstigen.

Bedauerlich sind die geringen Erfolge deutscher Unternehmen in Äthiopien. Das Land zählt mit einem Wachstum von 9,3 Prozent (2017) zu den Senkrechtstartern Afrikas. Dank hoher ausländischer Direktinvestitionen und einem massiven Ausbau der Infrastruktur (Eisenbahnen, Straßen und Industrieparks) konnte sich Äthiopien wirtschaftlich neu aufstellen und den einstigen ostafrikanischen Primus Kenia überholen. Bedauerlich sind auch die rückläufigen deutschen Exporte nach Kenia. Als Begründung reichen hier die politischen Unsicherheiten angesichts der Wahlen in der zweiten Jahreshälfte 2017 nicht aus. Erfreulich sind dafür immerhin Zuwächse in den deutschen Ausfuhren nach Tansania, dem die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Kenia durch die Eröffnung einer eigenen Außenstelle in Dar es Salaam im April 2018 Rechnung tragen wird.

Ländervielfalt und Logistik eine Herausforderung

Für ein deutsches mittelständisches Unternehmen, das in Afrika verkaufen möchte, sind die Herausforderungen riesig. Mal abgesehen von Südafrika und Nigeria gibt es alleine in Subsahara-Afrika 49 vom Statischen Bundesamt geführte Länder und Territorien. Rechnet man Südafrika und Nigeria heraus, haben die Subsahara-Länder 2017 nur für 3,2 Milliarden Euro deutsche Waren abgenommen, 1,7 Prozent weniger als 2016 und 9,8 Prozent weniger als 2015. Jedes dieser Länder hat seine eigenen Besonderheiten und Vorschriften, die beachtet werden wollen. Und bei Ländern ohne Seehafen ist die Logistik zudem eine Herausforderung, wenn nicht gar ein Albtraum. Einen Container einmal um den Globus zu schicken, ist etwa genauso teuer wie ihn vom kenianischen Hafen Mombasa in die 1.600 Straßenkilometer entfernte ruandische Hauptstadt Kigali zu karren.

All das muss aber nicht unbedingt abschrecken. Eine Marketingstrategie sollte deshalb in der Regel weniger markt- und dafür mehr kundenbezogen sein. In allen Ländern, auch in einem "Failed State" wie Somalia oder einem als separatem Staat noch nicht anerkannten Somaliland gibt es gut verdienende Firmen und reiche Individuen, die sich vergleichsweise teure deutsche Technik leisten können. Ihre schriftlichen Anfragen mögen nicht immer westlichen Standards entsprechen, können aber dennoch seriös sein. Ein guter Weg solche Kunden zu erreichen, sind Messeveranstaltungen in Dubai. Zum einen ist die Stadt aus afrikanischer Sicht das ultimative Shoppingparadies, zum anderen sind die Flugverbindungen meist gut und preiswert. Und der alles entscheidende Punkt: Es ist für Geschäftspartner aus Afrika ungleich leichter, ein Visum für die Vereinigten Arabischen Emirate zu bekommen, als eines für die Schengen-Länder, von Deutschland ganz zu schweigen. Auch eine Versorgung von Ersatzteilen und ein Kundendienst lassen sich von Dubai (oder Südafrika) oft besser organisieren als von Deutschland aus.

Die 15 größten afrikanischen Lieferländer für deutsche Importe 2017 (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 2017 1) 2017/2016
Afrika gesamt 18.307 16.675 20.355 22,1
..Nordafrika 2) 7.285 5.786 7.985 38,0
....Libyen 1.200 556 2.485 346,9
....Tunesien 1.652 1.635 1.766 8,0
....Ägypten 1.738 1.135 1.364 20,1
....Algerien 1.557 1.316 1.152 -12,5
....Marokko 1.029 1.055 1.098 4,1
..Subsahara-Afrika 3) 11.023 10.889 12.370 13,6
....Südafrika 5.902 6.220 7.248 16,5
....Nigeria 1.966 1.375 1.601 16,4
....Cote d'Ivoire 968 928 812 -12,5
....Liberia 17 67 416 520,9
....Mosambik 150 136 237 74,2
....Madagaskar 164 218 229 5,0
....Ghana 272 281 215 -23,5
....Äthiopien 173 177 172 -2,8
....Kenia 163 168 158 -6,0
....Namibia 151 120 142 18,3

Fußnoten siehe erste Tabelle

Quelle: Statistisches Bundesamt

Zur Importtabelle lässt sich anmerken, dass stärkere Schwankungen durchaus üblich sind. Libyen konnte 2017 seine Erdölexporte wieder kräftig hochfahren. Der Handel mit Ägypten normalisiert sich wieder, reicht an alte Zeiten aber noch nicht heran. Südafrika kann kräftig zulegen, Nigeria verlorene Marktanteile schrittweise zurückgewinnen. Die hohen Lieferzuwächse von Liberia sind dem Vernehmen nach dem Ausflaggen von Seeschiffen geschuldet.

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Afrika, Südliches Afrika, Ostafrika, Nordafrika, Westafrika Außenwirtschaft, allgemein, Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

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