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06.09.2019

Deutscher Export nach Lateinamerika steigt langsamer

Mexiko bleibt größter Abnehmer in der Region / Von Robert Matschoß

Bonn (GTAI) - Insgesamt ist der Anteil Lateinamerikas an den deutschen Exporten gering. Doch legte die Ausfuhr dorthin zuletzt deutlich zu. Das 1. Halbjahr 2019 verspricht für das Gesamtjahr weniger Dynamik.

In den Jahren 2017 und 2018 entwickelte sich der Wert der deutschen Exporte in die 33 Staaten Lateinamerikas und der Karibik rasant nach oben. Doch das hohe Tempo kann im Jahr 2019 nicht gehalten werden. Das geht aus den Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. Grund dafür sind die gesunkenen Wachstumserwartungen in den Volkswirtschaften der wichtigsten Abnehmerländer.

IWF hat Wachstumsprognose mehr als halbiert

Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigierte im Juli 2019 seine regionale Wachstumsprognose für Lateinamerika und die Karibik gegenüber April um 0,8 Prozentpunkte nach unten. Die Organisation geht nun von einer realen Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 Prozent aus. Rechnet man Venezuela heraus, dürften es dem IWF zufolge 1,3 Prozent werden.

Das BIP Mexikos und Brasiliens - mit Abstand die beiden größten Abnehmer deutscher Waren in der Region - dürfte demnach 2019 jeweils unter 1 Prozent zulegen. Argentiniens Wirtschaft wird 2019 trotz Besserung das zweite Jahr infolge schrumpfen. Der ungewisse Ausgang der im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahl belastet hier zusätzlich die Stimmung. Die Volkswirtschaften Perus, Kolumbiens und Chiles dürften laut IWF dagegen jeweils um über 3 Prozent real wachsen. Doch nehmen diese drei Länder zusammen nur etwa ein Siebtel der deutschen Warenlieferungen nach Lateinamerika ab.

Deutsche Waren zuletzt stärker gefragt

Deutschland ist laut Weltbank das viertwichtigste Bezugsland für die Region. Aus deutscher Sicht ist der Warenexport nach Lateinamerika ausbaufähig. Er belief sich laut Statistischem Bundesamt 2018 auf 34,6 Milliarden Euro, rund 2,6 Prozent der deutschen Warenausfuhr in die Welt.

Doch konnte sich die deutsche Exportwirtschaft in den Jahren 2017 und 2018 über stark gestiegene Lieferungen nach Lateinamerika freuen. In beiden Jahren legten diese auf Eurobasis um gut 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu (auf US-Dollar-Basis sogar noch rascher). Damit wuchsen die Exporte in die Region rascher als die Gesamtausfuhr Deutschlands, 2018 sogar mehr als doppelt so schnell.

Unter den bedeutendsten Zielländern ragte in der deutschen Ausfuhrstatistik von 2018 Chile mit einem Zuwachs um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro heraus. Nach Brasilien konnten deutsche Firmen trotz nur schleppender wirtschaftlicher Erholung ebenfalls rund 12 Prozent mehr absetzen. Mexiko war mit 13,9 Milliarden Euro und einem Zuwachs von 8 Prozent erneut wichtigstes Zielland für deutsche Exporte in der Region. Der Wert der Ausfuhren nach Kolumbien und Argentinien war dagegen aus deutscher Sicht in 2018 rückläufig (-11 Prozent und -1 Prozent). Die Talfahrt der deutschen Exporte ins kriselnde Venezuela setzte sich fort (-26 Prozent).

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Mehr Details zum Außenhandel Mexikos, des größten Exportmarkts für deutsche Firmen in der Region, finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201906198010

Für 2019 moderater Anstieg der deutschen Exporte zu erwarten

Im 1. Halbjahr 2019 setzt sich der Aufwärtstrend bei den deutschen Ausfuhren nach Lateinamerika abgeschwächt fort. Auf Eurobasis legte ihr Wert um rund 2,3 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 zu. Auch im Gesamtjahr 2019 werden die Exporte wegen der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung in den Hauptmärkten der Region das Wachstumstempo des Vorjahres nicht erreichen. Dennoch dürften sie erneut rascher steigen als der deutsche Weltexport. Dieser trat im 1. Halbjahr mit 0,5 Prozent Wachstum nahezu auf der Stelle.

Freihandelsabkommen könnte Ausfuhren beflügeln

Die Bedeutung Lateinamerikas für die deutsche Exportwirtschaft könnte durch das Freihandelsabkommen zwischen Europäischer Union (EU) und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) zusätzlichen Schub bekommen. Mit einem weitgehend zollfreien Markt für 780 Millionen Menschen soll ab etwa 2021 die größte Freihandelszone der Welt entstehen. Von einer Öffnung des bisher stark abgeschotteten Mercosur könnten insbesondere die deutsche Kfz-, Chemie- und Maschinenbauindustrie profitieren. Allerdings ist die Ratifizierung des Abkommens umstritten. In Teilen könnte es aber - analog zum CETA-Abkommen mit Kanada - vorläufig Anwendung finden.

Einen GTAI-Bericht über die möglichen Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201908088002

Deutschland liefert vor allem Maschinen, Chemikalien und Kfz-Teile

Die drei Segmente Maschinen, Chemie sowie Kraftfahrzeuge und deren Teile stellen auch die größten Posten in den deutschen Ausfuhren nach Lateinamerika, wobei sich die Schwerpunkte je nach Wirtschaftsstruktur der Zielländer unterscheiden.

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In diesen strukturellen Daten sind kurzfristig keine tektonischen Verschiebungen zu erwarten. So machten die drei Hauptgruppen auch im 1. Halbjahr 2019 über die Hälfte der deutschen Lieferungen aus. Verantwortlich für das Exportwachstum war vor allem der Zuwachs im volumenreichen Export von Kfz-Teilen sowie bei chemischen Erzeugnissen und bei der Elektrotechnik. Bemerkenswert rasch legten die deutschen Elektronikexporte zu (+25 Prozent), wenn sie mit 2,5 Prozent auch einen vergleichsweise kleinen Anteil stellen.

Struktur der deutschen Ausfuhren nach Lateinamerika im 1. Halbjahr 2019 (Auswahl; in Mio. Euro; Veränderung in %)
SITC-Warengruppe 1. Halbjahr 2019 1. Halbjahr 2018 Veränderung in % 1) Veränderung weltweit in % 2)
0 bis 9 insgesamt 17.299 16.909 2,3 0,5
71 bis 74 Maschinen 4.264 4.295 -0,7 1,8
.davon 72 Arbeitsmaschinen 1.053 1.205 -12,6 -1,1
.74 Maschinen, Apparate u. Geräte für verschiedene Zwecke 1.746 1.791 -2,5 2,6
5 Chemische Erzeugnisse 3.619 3.111 16,0 -1,6
.51, 52 Industriechemikalien 790 730 8,2 0,0
.54 Arzneimittel 1.205 1.150 4,8 -4,4
.57 Kunststoffe (Primärform) 359 375 -4,3 -4,5
78 Kfz, -Teile 2.648 2.629 0,7 -5,2
.781 Pkw 705 801 -12,0 -7,5
.784 Kfz-Teile 1.643 1.526 7,7 -3,7
77 minus 776 Elektrotechnik 1.255 1.222 2,7 2,9
792 Luftfahrzeuge 829 765 8,4 9,4
873, 874 Mess- und Regeltechnik 646 657 -1,7 4,0
75, 76, 776 Elektronik 425 340 24,9 -1,0
774, 872 Medizintechnik 319 330 -3,4 9,1
0,1 Nahrungsmittel und Genussmittel 299 281 6,6 0,7

1) Abweichungen durch Rundung; 2) Veränderung des deutschen Gesamtexports in der jeweiligen Warengruppe

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Ländern Lateinamerikas finden Sie über unsere Amerikaseite: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Weltkarte/amerika.html

Artikel zur Handelspolitik in wichtigen Exportmärkten sowie zu Freihandelsabkommen und nichttarifären Handelshemmnissen finden Sie unter: http://www.gtai.de/offene-maerkte

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko, Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru, Lateinamerika Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

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