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22.05.2019

Deutscher Export von Maschinen nach Indonesien zieht an

Archipel plant Investitionen in fünf Kernbranchen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesiens Industrie ist abhängig von Maschinenimporten. Diese werden insbesondere für den Ausbau der Schlüsselsektoren im Rahmen der Digitalisierungsstrategie benötigt.

Deutschland exportierte 2018 Maschinen (HS-Code 84) im Gesamtwert von 900 Millionen US-Dollar (US$) nach Indonesien. Das entspricht einem Wachstum von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und etwa einem Viertel des Wertes aller deutschen Warenlieferungen ins Inselreich. Zu den wichtigsten Produktkategorien gehörten dabei Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Pumpen und Kompressoren sowie Fördertechnik.

Indonesien dient für den deutschen Maschinenbau nur in geringem Maß als Produktionsstandort oder Einkaufsmarkt. Der Archipel ist vor allem Absatzmarkt. Abnehmer ist die verarbeitende Industrie, die in ihrer Gesamtheit mehr als 3 Millionen Unternehmen mit etwa 13 Millionen Beschäftigten zählt. Potenzielle Kunden dürften aber nur die etwa 30.000 mittleren und größeren Unternehmen sein.

Das Inselreich verfügt kaum über eigene technologische Fähigkeiten. Der größte Teil der Maschinen muss importiert werden. Die Maschinenproduktion im Land ist klein. Laut Statistikamt betrug die Wertschöpfung des Bereichs Machinery and Equipment im Jahr 2017 knapp 43 Billionen Rupiah, das sind etwa 3 Milliarden US$. Das entspricht einem Beitrag von nur 0,3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und einem Anteil von gerade einmal 1,6 Prozent an der verarbeitenden Industrie.

Und Besserung ist nicht in Sicht. Indonesien gibt laut Weltbank lediglich 0,1 Prozent seines BIP für Forschung & Entwicklung aus (Vergleich Südkorea: 4,6 Prozent). Es gibt keine Facharbeiterausbildung, und handwerkliche und technische Tätigkeiten genießen kein besonderes Ansehen. Das allgemeine Bildungsniveau ist miserabel: Laut Weltbank sind 55 Prozent der Indonesier funktionale Analphabeten.

Verarbeitendes Gewerbe schwächelt

Detaillierte Produktionsdaten des indonesischen Maschinenbaus sind nicht verfügbar. Die Interessenvertretung GAMMA, die als Dachverband für zwölf industrielle Fachverbände fungiert, hat keine Zahlen, ebenso wenig das Industrieministerium. Der heimische Output dürfte, entsprechend den Angaben des Statistikamtes zur Branche, klein sein - vor allem im Verhältnis zu den Maschinenimporten im Wert von 27,2 Milliarden US$ im Jahr 2018.

Indonesien benötigt dringend Maschinen, denn das Land sorgt sich um seine verarbeitende Industrie. Sie wächst zwar jährlich um 4,0 bis 4,5 Prozent, bleibt damit aber deutlich hinter dem Gesamtwachstum von circa 5 Prozent zurück. Deshalb ist ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung von 32 Prozent (2002) auf nur noch 19,9 Prozent (2018) geschrumpft.

Im internationalen Vergleich steht Indonesiens verarbeitende Industrie damit nicht einmal schlecht da. Denn laut Weltbank liegt der Anteil des verarbeitenden Gewerbes weltweit bei durchschnittlich 17,7 Prozent (2017). Allerdings rangiert der Archipel in dieser Hinsicht deutlich hinter den Nachbarn Malaysia (22,3 Prozent) und Thailand (27,1 Prozent). Das Ziel der Regierung, Indonesien bis 2030 unter die zehn größten Volkswirtschaften der Welt zu führen, ist aber nur mit einer starken Industrie zu erreichen. Bis 2025 soll der Anteil der verarbeitenden Industrie nach Regierungsangaben wieder auf 25 Prozent steigen. Doch das dürfte im internationalen Standortwettbewerb um produzierende Unternehmen schwierig werden.

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Industrie soll digitalisiert werden

Die Schwäche der heimischen Industrie ist wichtiges politisches Thema. Denn es muss dringend eigenes Know-how aufgebaut werden. Die Hebung des Bildungsniveaus ist aber ein langwieriger Prozess. Unmittelbar muss es daher Wissenstransfer von ausländischen Unternehmen geben. Deren Direktinvestitionen 2018 (29,3 Milliarden US$) sind aber um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Indonesien hat es, trotz deutlicher Verbesserung in den internationalen Business-Rankings, bisher nicht geschafft, ein günstiges Umfeld für Investoren zu schaffen. Ein Grund dafür sind machtvolle Interessengruppen wie etwa die konkurrenzscheue heimische Industrie.

Vor allem bei Zukunftstechnologien ist Indonesien auf ausländisches Know-how angewiesen. Die Regierung hat der Wirtschaft eine Digitalstrategie verordnet: "Making Indonesia 4.0". Sie zielt vor allem auf die heimischen Kernbranchen. So wurden die Nahrungsmittelindustrie, der Chemiesektor, die Textilbranche, die Elektronikindustrie sowie die Automobilproduktion als Bereiche identifiziert, in denen die Digitalisierung einen besonders hohen Mehrwert schafft. Für sie könnte es daher in den kommenden Jahren staatliche Förderungen zur Anschaffung moderner Prozesstechnologie geben.

Allerdings ist bei solch ambitionierten Ankündigungen stets Vorsicht geboten. Denn von Industrie 4.0 - der intelligenten Vernetzung von Produktionsprozessen - ist Indonesien weit entfernt. Dafür fehlen Fachkräfte, und mancherorts gibt es nicht einmal eine zuverlässige Stromversorgung. Daher wird es zunächst eher um eine erweiterte Automatisierung gehen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
GAMMA http://www.gamma.or.id Dachverband von zwölf Fachverbänden des Werkzeug- und Maschinenbaus
ASPEP http://aspep.gamma.or.id Verband der metallverarbeitenden Industrie
ASIMPI http://asimpi-indonesia.blogspot.com Verband des Werkzeugmaschinenbaus
Manufacturing Indonesia https://manufacturingindonesia.com jährliche Maschinenbaumesse in Jakarta; nächster Termin: 4. - 7.12.2019
Machine Tool Indonesia https://machinetoolindonesia.com jährliche Werkzeugmaschinenbaumesse in Jakarta; nächster Termin: 4. - 7.12.2019
Hannover Messe 2020 http://www.hannovermesse.de Partnerland Indonesien; Termin: 20. - 24.4.2020

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Robotik und Automation, Digitalisierung

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