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06.04.2018

Deutsch-italienischer Handel erreicht Allzeithoch

Nachfrage nach Industrieerzeugnissen wächst / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italiens Handel mit Deutschland ist 2017 um 7,4 Prozent gestiegen und hat damit zum dritten Mal in Folge einen Rekordwert erreicht. Für Deutschland ist Italien der sechstwichtigste Handelspartner. Kfz, Chemie- und Pharmaerzeugnisse sowie Maschinen sind die wichtigsten Produktgruppen im bilateralen Handel. Die Lombardei liegt als Partnerregion weit vorne und importiert aus Deutschland so viel wie ganz Russland.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Italien erreichte 2017 ein neues Allzeithoch. Nach Angaben des deutschen Statistikamts Destatis konnte mit 121,4 Milliarden Euro das Niveau von 2016 (113 Milliarden Euro) überschritten werden. Die Investitionen der italienischen Industrie in neue Produktionsgüter sowie die stärkere Integration der Wertschöpfungsketten der zwei wichtigsten Industrieländer Europas (gemessen an die Bruttowertschöpfung) haben zu dem Anstieg beigetragen.

Die Nachfrage nach deutschen Waren in Italien ist 2017 um 7 Prozent auf 65,6 Milliarden Euro gestiegen, damit rangiert das Land als Absatzmarkt für deutsche Waren wie im Vorjahr an sechster Stelle, vor Österreich und nach dem Vereinigten Königreich. Die USA und Frankreich stehen auf Platz eins und zwei, gefolgt von der VR China und den Niederlanden.

Aus Italien kamen im vergangenen Jahr Güter im Wert von 55,8 Milliarden Euro, ein Plus von 7,8 Prozent gegenüber 2016. Damit befindet sich Italien auf Platz fünf der wichtigsten deutschen Lieferländer, hinter den USA und vor Polen. Die ersten drei Plätze belegen die VR China, die Niederlande und Frankreich.

Für Italien wiederum rangiert Deutschland als Handelspartner weit vorne. Alleine die drei Bundesländer Bayern (24,6 Milliarden Euro im Warenhandel mit Italien), Baden-Württemberg (22,9 Milliarden Euro) und Nordrhein-Westfalen (20,5 Milliarden Euro) wären zusammen der drittwichtigste Handelspartner Italiens nach Frankreich und vor den USA.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Handelsbilanzüberschuss Deutschlands mit Italien von circa 20 Milliarden Euro auf 10 Milliarden Euro halbiert - trotz des Anstiegs der Ausfuhren in Richtung Italien. Dieser Trend geht auf das starke Wachstum der italienischen Exportwirtschaft sowie die lange Nachfrageflaute am italienischen Binnenmarkt zurück. Seit drei Jahren gewinnt die Binnennachfrage Italiens jedoch wieder an Schwung.

Italien könnte das Vereinigte Königreich als Handelspartner überholen

In der deutschen Gesamtrangliste der Handelspartner (Ausfuhren plus Einfuhren) befindet sich Italien mit 121,4 Milliarden Euro an sechster Stelle und könnte laut Experten 2018 das Vereinigte Königreich überholen. Trotz der Abwertung des Pfund Sterlings sind die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich 2017 gesunken, gleichzeitig hat sich der italienische Markt dynamisch entwickelt.

Das Wachstum im bilateralen Handel geht auf den starke Anstieg der Nachfrage von Industrieerzeugnissen wie Kfz- und deren Teile (19 Prozent), Chemikalien und Pharmazeutika (15 Prozent) sowie Maschinen (14 Prozent) zurück. Diese drei Produktkategorien machen fast die Hälfte aller deutschen Ausfuhren nach Italien aus. Hinzu kommen Elektronik und Elektrotechnik (10 Prozent) sowie Metallwaren (9 Prozent).

"Italien ist nach wie vor das zweitwichtigste Industrieland Europas. Die Investitionen in die Digitalisierung der Produktion zeigen bereits Wirkung und verleihen dem Handel mit Deutschland wichtige Impulse. Die beiden Volkswirtschaften sind eng miteinander verzahnt, sodass wir von einer "Joint Production" reden", sagt Jörg Bück, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Mailand.

Auch für italienische Hersteller sind Industriegüter die wichtigsten produzierten Produkte. Maschinen (14 Prozent) und Metallwaren (12 Prozent) liegen an erster Stelle, gefolgt von Chemikalien und Arzneimitteln (11 Prozent) sowie Kfz und deren Teile (11 Prozent). Erst danach folgen die klassischen italienischen Branchen Nahrungsmittel (9 Prozent) und Textilien beziehungsweise Modeartikel (5 Prozent).

Die Lombardei ist als Absatzmarkt für deutsche Güter so wichtig wie Russland

Auf regionaler Ebene liegen die hochentwickelten Industrieregionen Norditaliens wie im Vorjahr wieder vorne. Der Handel mit der Lombardei kam 2017 nach Angaben des italienischen Statistikamt ISTAT auf 42,2 Milliarden Euro, vergleichbar mit dem bilateralen Handel zwischen Deutschland und Japan. Als reiner Absatzmarkt kommt die Lombardei mit Importen von 26 Milliarden Euro auf das Niveau von Russland.

Nach der Lombardei folgen in den Rankings der bedeutendsten Abnehmerregionen Venetien (18 Milliarden Euro und damit höher als den deutschen Warenhandel mit Kanada), Emilia Romagna (13,1 Milliarden Euro, damit fast so viel wie Portugal) und Piemont (11,2 Milliarden Euro, vergleichbar mit Thailand).

Insbesondere die Region Latium mit der Hauptstadt Rom hat sich dynamisch entwickelt. Im Handel mit Deutschland konnten sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren der Hauptstadtregion um über 20 Prozent steigen. Damit kommt die Region mit 8,7 Milliarden Euro auf Platz fünf der wichtigsten Abnehmerregionen für Deutschland.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Export, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein

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