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03.05.2019

Deutschland baut Position als wichtigster finnischer Handelspartner aus

Fahrzeughandel treibt bilateralen Warenaustausch / Von Marc Lehnfeld

Helsinki (GTAI) - Im Jahr 2018 konnte der deutsch-finnische Handel weiter zulegen. Für diese Entwicklung spielt Valmet Automotive eine wichtige Rolle.

Das Außenhandelsvolumen Finnlands mit seinem wichtigsten Handelspartner Deutschland ist 2018 nominal um 8,6 Prozent gegenüber 2017 gestiegen. Der deutsche Anteil am gesamten finnischen Außenhandel legte um 0,3 Prozentpunkte auf 16,2 Prozent zu. Ein wesentlicher Einflussfaktor ist der Handel mit Personenwagen, der sich aber nicht nur positiv ausgewirkt hat.

Die Aussichten für 2019 sind unsicher. Die europäische Konjunktur verliert an Fahrt und lässt sowohl die deutsche, als auch die finnische Wirtschaft langsamer wachsen, was neue Rekorde im Außenhandel schwer vorstellbar macht. Dafür könnten einzelne Entwicklungen für Überraschungen sorgen, zum Beispiel in der Automobilindustrie.

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Finnische Pkw-Auftragsfertigung hat großen Anteil am Außenhandel

Die Pkw-Herstellung in Finnland, für die fast ausschließlich Valmet Automotive steht, ist ein bedeutender Treiber im bilateralen Handel. Äußerst konservativ geschätzt steht die Pkw-Auftragsfertigung des Unternehmens im südwestfinnischen Uusikaupunki für einen Anteil von mindestens 15 Prozent am deutsch-finnischen Außenhandel.

Valmet Automotive beschäftigt rund 4.800 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist nicht nur ein Auftragshersteller von Fahrzeugen, sondern auch Entwickler von elektromobilen Antriebssträngen. In Uusikaupunki wird ein Teil der A-Klasse von Mercedes-Benz hergestellt, sowie seit Anfang 2017 auch die GLC-Serie. Zunehmend rückt der Konzern das Thema Elektromobilität in den Fokus. Ein entscheidender Schritt in diese Richtung war der Einstieg von Chinas größtem Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology Ltd, CATL, als Minderheitsgesellschafter bei Valmet Automotive sowie die Übernahme von 800 Mitarbeitern des Ingenieurdienstleisters Semcon.

Veränderungen in der Pkw-Produktion von Valmet Automotive hinterlassen unmittelbar Spuren in der deutsch-finnischen Außenhandelsbilanz: Im Jahr 2018 erreichte die Produktion von Pkw 2018 mit einem Plus von 22 Prozent auf rund 110.000 montierte Fahrzeugen ein Rekordniveau. Im Außenhandel Finnlands zeigt sich das in deutlich höheren Importen aus Deutschland. Die Einfuhren von Kfz-Teilen legten nominal um 15,7 Prozent und die von Verbrennungsmotoren um 31,8 Prozent zu.

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Im Gegenzug stieg der Wert der Pkw-Exporte nach Deutschland um 29,2 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass die gestiegene Produktion bei Valmet Automotive einen maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat. Valmet Automotive erwartet, dass das Produktionsniveau 2019 hoch bleiben wird. Das dürfte sich stabilisierend auf den deutsch-finnischen Handel auswirken.

Für Überraschungen könnten die Pläne von Valmet Automotive in der Stadt Salo, im Südwesten Finnlands, sorgen: Hier will das Unternehmen noch im Jahr 2019 mit der Großserienfertigung von Batteriepacks beginnen. Es sollen 300 Mitarbeiter eingestellt werden. Es wird erwartet, dass die Batterien auch für Uusikaupunki produziert werden, zum Beispiel, wenn Daimler oder ein anderer Hersteller dort entsprechende E-Modelle herstellen ließe.

Rückgang bei Pkw-Importen aus Deutschland

Negativ auf die Entwicklung des deutsch-finnischen Handels wirkte sich der Rückgang der finnischen Pkw-Importe um 3,5 Prozent auf knapp 924 Millionen Euro in 2018 aus. Für diesen Rückgang der Pkw-Importe sind Entwicklungen auf dem Gebraucht- und Neuwagenmarkt verantwortlich. Die Einführung des WLTP-Messstandards bei der Erhebung der CO2-basierten Pkw-Registrierungssteuer seit dem 1. September 2018 hatte dazu geführt, dass zahlreiche Finnen ihre Kaufentscheidungen vorgezogen hatten.

Deshalb sind die Neuregistrierungen bis Ende August 2018 noch um 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, um dann im darauffolgenden Zeitraum von September bis Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 17,7 Prozent zu fallen. Darunter litten allerdings nicht nur die deutschen Hersteller, sondern auch die französischen und italienischen Marken. Hingegen konnten die Automobilhersteller aus den USA, Japan, Südkorea und Volvo aus dem benachbarten Schweden den Rückgang im letzten Jahresdrittel mit dem guten Geschäft in der Zeit bis August vor der Steueränderung überkompensieren.

Der wertmäßige Rückgang der finnischen Pkw-Importe aus Deutschland wurde außerdem durch eine Verschiebung im Gebrauchtwagenmarkt verursacht. War Deutschland 2017 mit 12.406 eingeführten Pkw noch das wichtigste Herkunftsland von Gebrauchtwagen, gingen diese Importe 2018 um 8,2 Prozent auf 11.384 Pkw zurück. Deutschland verlor damit seine Führungsrolle an Schweden, von wo sich 2018 die Gebraucht-Pkw-Einfuhren mit 20.744 Fahrzeugen mehr als verdoppelten. Importe aus Schweden sind vor allem deshalb so populär, weil die schwache schwedische Krone und die gute Ausstattung der Fahrzeuge mit Winterreifen und Standheizung sie gegenüber dem deutschen Angebot begünstigt.

Kreuzfahrtschiff lässt Exporte nach Deutschland glänzen

Im finnischen Export nach Deutschland zeigt sich 2018, dass die nordischen Unternehmen von der guten deutschen Konjunktur profitierten. Insgesamt wuchs das Ausfuhrvolumen, vor allem getrieben durch die Pkw-Auftragsfertigung, um 13,7 Prozent. Aber auch im zweitgrößten Segment "Papier, Pappe, Zellstoff" legten die Exporte nominal um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Der starke Zuwachs bei den Maschinenexporten nach Deutschland lässt sich nicht auf einzelne Produktkategorien zurückführen, sondern ist in der allgemein hohen Nachfrage aus Deutschland begründet.

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Ein wichtiger Posten bei den Ausfuhren sind Schiffslieferungen, die einen Anteil von 6 Prozent an den finnischen Gesamtexporten nach Deutschland ausmachen. Dafür sorgt allen voran die Kreuzfahrtschiffwerft in Turku, die zur deutschen Meyer Gruppe gehört, und mit der letztjährigen Fertigstellung der "Mein Schiff 1" für die deutsche Gesellschaft TUI Cruises die Exporte von Wasserfahrzeugen in die Bundesrepublik um 13,7 Prozent anhob. Die Umsätze der Turkuer Meyer Werft legten 2018 um 20 Prozent auf knapp 970 Millionen Euro zu. Die gesicherte Auftragslage bis 2024 erfordert weitere Investitionen, um die Produktionskapazitäten zu verdoppeln.

Die Kreuzfahrtschiffexporte nach Deutschland profitieren davon allerdings nur noch 2019. Die "Mein Schiff 2" im Wert von etwa 544 Millionen Euro wurde im Januar 2019 übergeben. Weil die nächste Lieferung der Turkuer Meyer Werft in die Bundesrepublik mit der "Mein Schiff 7" erst 2023 erfolgt, wird es bei den entsprechenden finnischen Exporten nach Deutschland 2020 gegenüber dem Vorjahr eine statistische Lücke von knapp 550 Millionen Euro geben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/finnland Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft über Finnland
AHK Finnland http://www.dfhk.fi Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Työ- ja elinkeinoministeriö (TEM) https://tem.fi/en/frontpage Finnisches Ministerium für Beschäftigung und Wirtschaft

Weitere Informationen zu Finnland finden Sie unter http://www.gtai.de/finnland.

Dieser Artikel ist relevant für:

Finnland Außenhandel / Struktur, allgemein, Wasserfahrzeuge, Personenkraftwagen (Pkw), Elektromobilität

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‎+49 228 24 993 356

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