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05.06.2019

Deutschland bleibt Polens wichtigster Handelspartner

Klassische deutsche Exportwaren sind gefragt / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Der deutsch-polnische Handel wächst weiterhin dynamisch. Doch nicht alle Branchen verzeichnen eine steigende Nachfrage aus Polen.

Um 7,8 Prozent stieg Polens Außenhandel nach Zahlen von Eurostat 2018 im Vergleich zum Vorjahr. Damit erreichte das Land bei einem Handelsvolumen von 446 Milliarden Euro einen Exportüberschuss von 5 Milliarden Euro. Deutschland ist mit einem Anteil am Außenhandel von fast 28 Prozent der wichtigste Handelspartner. Wie die Zahlen des europäischen Statistikamtes zeigen, stieg der Handel zwischen den beiden Volkswirtschaften 2018 um 7,7 Prozent auf 123,7 Milliarden Euro.

Mit keinem anderen Vertreter aus dem deutschen Top-10 Ranking der wichtigsten Handelspartner wuchs der Warenaustausch 2018 so dynamisch wie mit Polen. Das Land bleibt auch 2018 der siebtgrößte Handelspartner Deutschlands, fast gleichauf mit dem Vereinigten Königreich, das auf Platz 6 rangiert.

Im Ranking der wichtigsten Handelspartner Deutschlands hat sich Polen in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Vor dem Beitritt zur Europäischen Union (EU) im Jahr 2004 belegte Polen hier noch den zwölften Platz.

Deutsche Produkte weiterhin sehr begehrt

Die gute Entwicklung der Wirtschaft Polens im Jahr 2018 hat auch die Nachfrage nach deutschen Produkten steigen lassen. So legten die Warenlieferungen aus Deutschland um 6,4 Prozent auf 62 Milliarden Euro zu. Der Anstieg fällt damit allerdings etwas geringer aus als bei den polnischen Importen insgesamt. Diese wuchsen im gleichen Zeitraum um 9,1 Prozent.

Polen stellt für die deutschen Unternehmen mittlerweile den achtgrößten ausländischen Absatzmarkt dar. Aus polnischer Sicht ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Lieferant, mehr als jeder vierte importierte Euro kam 2018 aus dem Nachbarland. Zu den wichtigsten Exportprodukten zählten auch 2018 wieder chemische Produkte, Maschinen, Vorerzeugnisse aus Metall sowie Waren der Automobilbranche. Insgesamt entfallen rund 41 Prozent der deutschen Exporte nach Polen auf diese Warengruppen.

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Den nominal größten Zuwachs bei den Exporten verzeichnete 2018 die Automobilbranche. Die deutschen Hersteller profitierten damit von dem Rekordjahr an Kfz-Neuzulassungen im Nachbarland. 2019 wird die Nachfrage nach Pkw in Polen jüngsten Prognosen zufolge allerdings nur minimal steigen, was sich auch auf die deutschen Exporte aus diesem Sektor auswirken dürfte. Bei den Nutzfahrzeugen und Bussen zeichnet sich hingegen ein ganz anderes Bild. Hier dürfte die Nachfrage aus Polen deutlich zulegen.

Wichtiger Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer

Über steigende Exporte konnten sich 2018 auch die deutschen Maschinenbauer freuen. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA war Polen 2018 der siebtwichtigste Absatzmarkt für deutsche Maschinen. Da die Investitionsneigung in Polen seit Jahresbeginn 2019 deutlich zugelegt hat, dürfte auch die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen aus Deutschland weiter steigen.

Während 2018 vor allem die Verkäufer von Textilien, Schuhen, Kosmetika und Pharmazeutika sowie von langlebigen Konsumgütern steigende Umsatzzahlen verbuchen konnten, stagnierten die Verkaufszahlen im Bereich der Lebensmittel auf dem Vorjahresniveau. Dabei sind die niedrigeren deutschen Exportzahlen vor allem auf eine geringere Nachfrage nach Fleisch und Fleischerzeugnissen sowie Produkten aus der Kategorie Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze zurückzuführen.

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Polens Warenlieferungen nach Deutschland wachsen weiter

Anders als bei den Importen lag der Anstieg der exportierten Waren von Polen nach Deutschland 2018 über dem Anstieg der polnischen Ausfuhren weltweit. Während letztere um 6,4 Prozent wuchsen, stiegen die Lieferungen ins Nachbarland um 9 Prozent. Wie bei den Importen ist Deutschland auch bei den Exporten mit einem Anteil von 28,2 Prozent der mit Abstand wichtigste Handelspartner Polens. Die Ausfuhren nach Deutschland waren 2018 höher, als die der nachfolgenden fünf Länder der polnischen Exportrangliste zusammengerechnet.

Die wichtigsten Warengruppen der polnischen Ausfuhren nach Deutschland weisen dabei eine ähnliche Struktur wie die Einfuhren auf. So kommt auch hier dem Automobilsektor sowie der Nahrungsmittel-, Metall und Chemiebranche eine große Bedeutung zu. Im Gegensatz zu den Importen spielen bei den Exporten nach Deutschland zudem Bekleidung und Möbel eine größere Rolle. Polen zählt zu den größten Möbelexporteuren der Welt.

Polnische Exporte beweisen sich in schweren Zeiten

Im Zuge der Abkühlung der europäischen Wirtschaftsentwicklung - insbesondere in Deutschland - wird für 2019 mit einem Rückgang der polnischen Exporte nach Deutschland gerechnet. Die Handelsergebnisse des 1. Quartals zeigen diese Entwicklung noch nicht, von Januar bis März 2019 haben die weltweiten Exporte Polens noch zugelegt, das betrifft allen voran die Exporte in das Vereinigte Königsreich, nach Frankreich und Italien. Im Gegensatz dazu stagnierten die polnische Exporte nach Deutschland im 1.Quartal 2019 bereits.

Experten berichten, dass viele Unternehmen in Europa teurere Lieferungen durch günstigere Importe aus Polen ersetzt haben. Vor diesem Hintergrund könnte das Land von einer gedämpften konjunkturellen Entwicklung in Europa sogar profitieren.

Die EU-Kommission erwartet, dass Polen seine Exportanteile auf seinen wichtigsten Zielmärkten weiter ausbauen wird. Neben den Entwicklungen in der deutschen Wirtschaft spielt für den polnischen Außenhandel auch der Brexit eine große Rolle. Das Vereinigte Königreich ist mit einem Anteil von 6,2 Prozent an den Gesamtausfuhren der drittwichtigste Exportmarkt des Landes.

Mehr Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein

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