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16.09.2019

Deutschland fördert mehr Investitionen in Afrika

Neues Darlehensprogramm AfricaConnect gestartet / Von Friedrich Henle

Berlin (GTAI) - Deutsche Unternehmen, die im Ausland investieren, können auf verschiedene öffentliche Finanzierungsinstrumente zurückgreifen. Für Vorhaben in Afrika ist das Angebot größer geworden.

Die Bundesregierung will mehr Unternehmen dazu anregen, in Afrika zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Firmen, für die eine solche Investition infrage kommt, können ein neues, seit Juni 2019 bestehendes Förderprogramm in Anspruch nehmen: AfricaConnect gewährt Darlehen für Projekte in Ländern, in denen klassische Banken keine Finanzierung anbieten oder nur zu hohen Konditionen.

Und wie funktioniert AfricaConnect?

Ein deutsches Unternehmen möchte zum Beispiel eine kleine Fertigungsanlage für Verpackungsmaterialien in Tunesien errichten. Es kann bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) - die das AfricaConnect-Programm für die Bundesregierung verwaltet - eine Darlehenssumme zwischen 0,75 und 4 Millionen Euro beantragen und eine Laufzeit von bis zu sieben Jahren wählen. Zuerst reicht das Unternehmen eine Finanzierungsanfrage per E-Mail ein. Bewertet die DEG das Investitionsprojekt als tragfähig, folgt im nächsten Schritt die ausführliche Due Dilligence-Prüfung. Schließlich verhandelt das Unternehmen direkt mit der DEG den Kreditvertrag.

Die Besonderheit von AfricaConnect: Das Unternehmen muss den Kredit nicht besichern. Im Gegenzug erwartet der Fördermittelgeber vom Unternehmen einen Eigenmittelanteil von mindestens 30 Prozent. Außerdem übernimmt die DEG die Prüfkosten des Investitionsprojekts, auch im Hinblick auf die Umwelt- und Sozialverträglichkeit.

Die DEG bietet AfricaConnect vorzugsweise für Investitionen in den Ländern des so genannten Compact with Africa (CwA) an. Diese Initiative ist 2017 während der G20-Präsidentschaft Deutschlands entstanden und möchte die CwA-Länder in die Lage versetzen, die Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Investitionen zu verbessern. Zu den CwA-Ländern zählen Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d'Ivoire, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Unternehmen, die Investitionsprojekte in diesen Ländern durchführen, erhalten im AfricaConnect-Programm zudem einen Zinsvorteil in Höhe von einem Prozentpunkt.

Generell richtet sich der Zinssatz nach der Risikoeinstufung durch die DEG und beträgt beim AfricaConnect-Programm maximal 7 Prozent (6 Prozent in CwA-Ländern). Laut DEG stehen für 2019 insgesamt 25 Millionen Euro an Budget bereit.

Weitere Finanzierungsquellen für Auslandsinvestitionen

Die KfW als Förderbank des Bundes, die Förderbanken der Bundesländer und weitere Finanzierungsinstitutionen offerieren verschiedene Programme, die von Unternehmen ergänzend oder alternativ für Projekte im Ausland genutzt werden können. Damit sind auch Kreditbeträge möglich, die die von AfricaConnect abgedeckte Summe unter- oder überschreiten.

Übersicht an Finanzierungsinstitutionen (Auswahl)
Anbieter Anmerkungen
KfW breite Programmpalette; besondere Konditionen in den Bereichen Umweltschutz, Erneuerbare Energie und Energieeffizienz und für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
KfW IPEX-Bank Finanzierungslösungen für Großvorhaben, vor allem in den Bereichen Umweltschutz, Rohstoffsicherung, Infrastruktur
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) verschiedene Finanzierungsinstrumente für Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern; Zuschüsse für Machbarkeitsstudien
Förderbanken der Bundesländer breite Programmpalette; Fokus auf KMU
Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) verschiedene Instrumente für Projektfinanzierungen; Einsatzländer in Afrika: Ägypten, Marokko, Tunesien
Europäische Investitionsbank (EIB) verschiedene Finanzierungsinstrumente, vor allem für Umweltschutzprojekte, Projekte zur Entwicklung des Privatsektors und der Infrastruktur sowie Innovationsvorhaben

Quelle: GTAI-Recherchen

Absicherung von Auslandsinvestitionen

Oftmals müssen Unternehmen größere Risiken einkalkulieren, wenn sie eine Investition in Entwicklungs- oder Schwellenländern in Erwägung ziehen. Diese Risiken können beispielsweise durch Enteignungen, Kriege oder Beschränkungen beim Geldtransfer entstehen. Der Bund hilft mit Investitionsgarantien, diese Risiken abzusichern, und ersetzt im Schadensfall die Vermögensverluste, abzüglich eines 5-prozentigen Selbstbehalts durch den Garantienehmer. Der Selbstbehalt kann bei Investitionen in CwA-Ländern auf 2,5 Prozent halbiert werden. Die Garantie deckt Beteiligungen, Kapitalausstattungen von Tochtergesellschaften und andere Vermögensrechte wie zum Beispiel Bezugsrechte auf Rohstoffe ab.

Bei Investitionsgarantien fällt eine einmalige Bearbeitungsgebühr in Höhe von 0,05 Prozent der beantragten Garantiesumme an, jedoch maximal 10.000 Euro. Diese Gebühr entfällt bei Investitionsgarantien bis 5 Millionen Euro und generell bei den ersten drei Investitionen eines Unternehmens in CwA-Ländern. Zusätzlich haben die Garantienehmer jährlich 0,5 Prozent der beantragten Garantiesumme als Gebühr zu entrichten.

Unternehmen stellen ihren Antrag auf Investitionsgarantien bei der PricewaterhouseCoopers GmbH, der vom Bund beauftragten Mandatarin für die Umsetzung dieses Programms. Ein interministerieller Ausschuss unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie trifft die Garantieentscheidungen. Der Bund hat im Jahr 2018 Investitionsgarantien in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Euro übernommen. Davon entfielen 11 Prozent auf Afrika.

Unternehmen, die in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv werden wollen, können sich für eine kostenlose erste Finanzierungsberatung an die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE) wenden. Die Träger der AWE sind die DEG und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) https://www.deginvest.de KfW-Tochtergesellschaft
Investitionsgarantien des Bundes https://www.investitionsgarantien.de Mandatarin: PricewaterhouseCoopers GmbH
Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen) https://www.agaportal.de/exportkreditgarantien Mandatarin: Euler Hermes Aktiengesellschaft
Africa Business Guide https://www.africa-business-guide.de Länder- und Brancheninformationen zu Afrika
Förderdatenbank des Bundes http://www.foerderdatenbank.de Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU
Agentur für Wirtschaft & Entwicklung https://www.wirtschaft-entwicklung.de Finanzierungsberatung für deutsche KMU

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten können Sie unter http://www.gtai.de/afrika abrufen. Mittels interaktiver Karte erhalten Sie unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Afrika Finanzierung, allgemein, Investitionen im Ausland / Joint Ventures

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Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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