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26.03.2019

Deutschland und Polen kooperieren bei Hochtechnologien

Zusammenarbeit bei Industrie 4.0 und künstlicher Intelligenz / Von Beatrice Repetzki

Berlin (GTAI) - Bei einem ersten bilateralen Wirtschaftsforum verabredeten die deutsche und polnische Regierung, ihre Beziehungen auf eine neue Stufe zu heben. Neue Technologien stehen im Vordergrund.

Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung in China und den USA will Europa nicht nachstehen. Daher wollen auch Deutschland und Polen ihre Kooperation intensivieren. Bei einem ersten Deutsch-Polnischen Wirtschaftsforum, das am 18. März 2019 in Berlin stattfand, wurden Möglichkeiten der Kooperation in den Bereichen Digitalisierung, Energie, Mobilität und Raumfahrt erörtert. Betont wurde die Notwendigkeit einer europäischen Produktion von hochwertigen Batteriezellen, um der Elektromobilität Auftrieb zu geben, Speicherkapazitäten für erneuerbare Energien zu schaffen und anderes.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, lud polnische Unternehmen ein, sich zu diesem Zweck an Konsortien im Rahmen der European Battery Alliance zu beteiligen. Bei der Herstellung von modernen Batteriezellen, die smart, effizient und recycelbar sind, gehe es um den gesamten Prozess von der Beschaffung der Rohstoffe über Forschung und Entwicklung (F&E), die Produktion, Verarbeitung, Veredelung und den Vertrieb bis zum Recycling.

Solche Projekte könnten zu 15 bis 20 Prozent aus öffentlichen Kassen finanziert werden. Für Important Projects of Common European Interest (IPCEI) könnten auf unkomplizierte Weise öffentliche Beihilfen grenzüberschreitend bereit gestellt werden. Altmaier nannte in diesem Zusammenhang einen Betrag von 1 Milliarde Euro, die er an deutschen Mitteln für eine Batteriezellfertigung in Deutschland zur Verfügung stellen wolle. Dafür sei die Zustimmung der Europäischen Kommission notwendig. Zunächst müssen sich europäische Unternehmen und Forschungsinstitute gemeinsam engagieren, um ein IPCEI für diesen Bereich zu erarbeiten. Über 30 Unternehmen bewarben sich bereits in Deutschland dafür.

Ein Partner ist die zur deutschen BMZ-Gruppe (Batterien-Montage-Zentrum) gehörende BMZ Poland mit Sitz in Gliwice (Gleiwitz). Diese erforscht und produziert intelligente Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Als weitere Kooperationsfelder hob Altmaier die Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz hervor. Deutsche und polnische kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollten verstärkt zusammenarbeiten. Der Minister sprach sich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Industrie in Deutschland und Polen aus.

Gemeinsame Weltraumforschung

Die polnische Ministerin für Unternehmertum und Technologie, Jadwiga Emilewicz, lud deutsche Unternehmen ein, in Polen F&E zu betreiben. Die französische Thales Group für Luft- und Raumfahrt, Sicherheit und Transport habe bereits Patente nach polnischem Recht erworben. Deutsche Akteure sollten diesem Beispiel folgen. Das Wirtschaftsforum wurde von rund 400 Teilnehmern besucht, die etwa je zur Hälfte aus Deutschland und Polen kamen. Sie vertraten Firmen aus den Bereichen Automatisierung, Robotik, Informatik, Offshore-Windenergie, Elektromobilität, Raumfahrt, Satelliten und andere neue Technologien.

Während des Forums unterzeichneten die Bremer Gesellschaft für Raumfahrtsysteme sowie Sicherheit, OHB System AG, und die polnische Ingenieursfirma für Raumfahrt sowie Satelliten, PIAP Space, ein Memorandum of Understanding. Ihre Kooperation soll der Entwicklung von Weltraumprogrammen, Navigations-, Solar- und Robotik-Lösungen dienen. Das erste gemeinsame Vorhaben betrifft das Verbringen von Proben der Marsoberfläche auf die Erde im Rahmen der Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA, Mars Sample Return. PIAP Space wurde gegründet von dem Przemyslowy Instytut Automatyki i Pomiarow (PIAP, Industrieinstitut für Automatik und Messung).

Airbus ist zu 77 Prozent beteiligt an dem früheren polnischen Luftfahrtunternehmen PZL Okecie. Airbus Poland S.A. produziert unter anderem Flugzeugteile, darunter für Tragflächen des A 330. Auch Kabel für Flugzeuge und Satelliten gehören zum Sortiment. Die Gesellschaft will künftig ein stärkeres Gewicht auf die Raumfahrt legen, wie ihr Manager Janusz Korpusik gegenüber GTAI sagte.

Mit Elektronik, Optomechatronik, Programmierung und IT befasst sich das Joint Venture Astri Polska, das zu 50 Prozent zu Airbus Defence and Space gehört. Die übrigen 50 Prozent hält das polnische Centrum Badan Kosmicznych (CBK, Zentrum für Weltraumforschung) der Polnischen Akademie der Wissenschaften PAN. Astri Polska kooperiert auch mit der ESA.

Die ESA plant laut Dr. Johannes von Thadden, Senior Vice President Airbus Defence and Space und Mitglied der Geschäftsführung Airbus DS GmbH, zusammen mit der polnischen Regierung ein Inkubationszentrum mit Niederlassungen wahrscheinlich in Gdansk (Danzig), Warschau und Krakow (Krakau) zu gründen. Die polnische Regierung erarbeitet ein dreijähriges Raumfahrtprogramm, um die technologische Kompetenz des Landes in diesem Bereich zu erhöhen. Das Programm wurde jedoch noch nicht bestätigt.

Bei der Weiterentwicklung des elektronischen Handels mit neuen Lieferungs- und Zahlungsarten kann Polen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Denn in dem Land gibt es zahlreiche Blockchain-Unternehmen. Das Nachbarland baut auch seine IT-Infrastruktur aus. Die erste Stadt, die ein 5G-Netz erhalten soll, ist laut Emilewicz Lodz (Lodsch). Daran arbeite die Hochschule Politechnika Lodzka zusammen mit einem europäischen Konsortium.

Polen ist siebtgrößter Handelspartner

Polen entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Handelspartner für Deutschland und belegt dabei inzwischen den siebten Platz. Der bilaterale Handelsaustausch erreichte 2018 laut Destatis 118 Milliarden Euro mit deutschen Exporten von 63 Milliarden Euro und deutschen Importen von 55 Milliarden Euro. Die deutschen Direktinvestitionen in Polen summierten sich laut der polnischen Zentralbank NBP bis Ende 2017 auf 35 Milliarden Euro. Über 1.800 polnische, überwiegend kleine Unternehmen investierten laut Emilewicz bisher in Deutschland. Davon seien die meisten in Berlin registriert.

Hinweis: Am 25. April 2019 findet in Warschau das European SpaceTech Transfer Forum 2019 statt mit der ESA als Kooperationspartner.

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Forschung und Entwicklung, Digitalisierung

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