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01.03.2019

Die chilenische Energieagenda fördert nachhaltige Speichertechnologien

Regierung überarbeitet regulatorischen Rahmen / Von Anne Litzbarski und Samantha Bischof (Februar 2019)

Santiago de Chile (GTAI) - Chiles Regierung strebt eine Vorreiterrolle für "grünen" Wasserstoff an. Sie investiert in die Entwicklung von Brennstoffzellen und hybridangetriebenen Lkw.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Große Lithiumreserven Höhere Kosten von "grünem" im Vergleich zu konventionell hergestelltem Wasserstoff
Gesetzentwurf zu Normen für Speichertechnologien Kein regulatorischer Rahmen für Speichertechnologien
Staatliche Förderprogramme zu Wasserstoff Fehlende Vorschriften für die Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff

Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

Staatliches Ziel zur Reduzierung von CO2-Emissionen

Im Rahmen des staatlichen Ziels, bis 2030 bis zu 30 Prozent der Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu reduzieren und vermehrt auf erneuerbare Energien umzustellen, setzt das Energieministerium bei Speichertechnologien auf die Produktion von Wasserstoff aus alternativen Quellen.

Bisher gibt es in Chile nur drei Arten von Stromspeichertechnologien. Mechanische Speicher in Form von Wasserkraftwerken durch Stauseen, elektrochemische Speicher in Form von Lithium-Ionen-Batterien, die an Kohlekraftwerke angeschlossen sind, sowie thermische Speicher, die sich aus Solarenergieanlagen speisen.

Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Ministerium möchte Gesetzeslücken schließen

Die Verordnung zu Koordinierung und Betrieb des nationalen Elektrizitätssystems (Reglamento de la coordinación y operación del sistema eléctrico nacional, Ley 20.936) regelt den chilenischen Energiemarkt samt Aspekten wie Speichertechnologien. Die unterschiedlichen Speicherformen sind jedoch nicht detailliert erfasst. Hier bemängeln Experten noch immer Gesetzeslücken. Sie fordern zudem eine Verbesserung der Ausschreibungsprozesse und der bürokratischen Formalitäten.

Alle Speichersysteme obliegen der Aufsicht und Koordinierung der Regulierungsbehörde CNE (Comisión Nacional de Energía). Im Januar 2019 kündigte die chilenische Energieministerin Susana Jiménez an, Speichertechnologien in einer geplanten Reform des Energieverteilungsgesetzes (Ley 20.571) zu berücksichtigen. Der Entwurf soll dem Kongress bis Ende 2019 vorliegen. Das Ministerium plant einen eigenen normativen Rahmen für Speichertechnologien. Internationale Technologiekonzerne vor Ort wie das japanische IT-Unternehmen NEC, AES und , Siemens sowie chilenische Firmen wie Valhalla befürworten diesen Ansatz.

Die Energieministerin kündigte im November 2018 auch einen Gesetzesentwurf zur Flexibilisierung des Energiesystems an. Speichertechnologien in Verbindung mit erneuerbaren Energiequellen stehen hierbei im Mittelpunkt. Restriktive Regelungen zu Investitionen in Energieerzeugung und -verteilung sollen gelockert werden. Genauere Inhalte will das Ministerium in den ersten Monaten 2019 bekanntgeben. Als wahrscheinlich gelten nachhaltige Speichertechnologien und Preissignale.

Regierung fördert Wasserstofftechnologien für den Bergbau

Dier staatliche Agentur zur Produktionsförderung Corfo (Corporación de Fomento de la Producción) leitete 2017 ein Programm für den Bergbau ein. Dabei geht es um die Entwicklung von hybridangetriebenen Lkw und den Einsatz von Wasserstoff in Brennstoffzellen für kleinere Maschinen.

Für die Entwicklung der Lkw bildeten die Unternehmen Alset, NTT Data, Compañía Minera del Pacífico, BHP Chile, Anglo American Sur und Engie sowie die Universitäten Universidad de Santiago und Universidad Católica ein technologisches Konsortium. Es erarbeitet einen Prototypen, bei dem Wasserstoff 60 bis 70 Prozent des Diesels ersetzt. Corfo übernimmt 5,9 Millionen US-Dollar (US$) der Gesamtkosten von 18,4 Millionen US$. Für das Projekt von Wasserstoffbrennstoffzellen schlossen sich die Unternehmen Codelco, Collahuasi, Metalpar, Siemens, Engie und Linde mit der Universität Universidad Técnica Federico Santa María, der Gesellschaft für Bergbauunternehmen SONAMI und dem spanischen Zentrum für Wasserstoff CNH2 zusammen. Corfo übernimmt 1 Million US$ der Kosten von insgesamt 1,9 Millionen US$. Das Vorhaben hat eine Laufzeit von maximal fünf Jahren.

Außerdem arbeitet Corfo seit 2018 mit verschiedenen Unternehmen daran, eine Wissensdatenbank für Wasserstofftechnologien aufzubauen.

Internationale Standards gelten als Normen für Wasserstofftechnologien

In Chile gibt es noch keine spezifischen Gesetze und Standards hinsichtlich der Verwendung von Wasserstoff. Unternehmen müssen jedoch allgemeine Vorgaben für Industriegase befolgen. Zusätzlich zu nationalen und internationalen Standards legen die meisten Unternehmen interne Normen fest.

Insbesondere staatliche, aber auch private chilenische Universitäten investieren in die Entwicklung von Produktionssystemen, neuen Materialien sowie die Optimierung der Prozesse der Gewinnung und Speicherung.

Chile plant größtes technologisches Institut im Rahmen der Energiewende

Im Rahmen der Energiewende und des Ziels, eine globale Pionierstellung für "grün" erzeugten Wasserstoff und Speichertechnologien einzunehmen, plant Corfo den Bau des größten technologischen Instituts Chiles im Norden des Landes. Hier soll die Lithium-Materialforschung vorangetrieben sowie Solarenergie und emissionsreduzierter Bergbau gefördert werden. Die Regierung setzt dabei den Fokus auf Forschung und Entwicklung von elektrochemischen Speichern wie Lithium-Ionen-Batterien und auch auf Wasserstoffspeicher. Aktuell findet eine Ausschreibung zur Informationssammlung und Interessenskundgebung statt. Germany Trade & Invest berichtet unter: http://www.gtai.de/MKT201901248002

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/chile Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de; Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Chile https://chile.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
GIZ http://www.giz.de Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
Ministerio de Energía http://www.energia.gob.cl Chilenisches Energieministerium
CORFO www.corfo.c Chilenischer Verband der Produktionsförderung
ACESOL http://www.acesol.cl Chilenischer Verband für Solarenergie

Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Weitere Informationen zum Land unter http://www.gtai.de/chile

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Stromübertragung und -verteilung, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Mess- und Regeltechnik, Digitalisierung

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‎+49 228 24 993 248

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