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02.01.2019

Die Staaten der ASEAN entwickeln ihre Nahrungsmittelindustrie

Höhere Wertschöpfung erfordert Anlagen zur Verarbeitung und Verpackung / Von Achim Haug

Bonn (GTAI) - Die südostasiatischen Länder gehören zu den größten Reisproduzenten der Welt. Die wachsenden städtischen Bevölkerungen fragen aber zunehmend importierte Lebensmittel nach.

Die günstigen klimatischen Bedingungen ermöglichen den Ländern der ASEAN reiche Ernten. Sechs von ihnen finden sich in den Top 10 der größten Reisanbauländer. Der Klimawandel macht sich allerdings auch hier bemerkbar. Starke und stürmische Regenfälle beeinträchtigen die Ernten, und Trockenheit bedroht den Anbau und die Fischzucht.

Indonesien hat die größten landwirtschaftlichen Flächen, und erzielt große Nahrungsmittelausfuhren. Doch bestehen die Exporte nicht zuletzt aus Palmöl - einem Produkt, bei dem das Inselreich mit Malaysia die Welt dominiert. Für Thailand und Vietnam spielen die Exporte von Nahrungsmitteln eine noch wichtigere Rolle. Jeweils rund ein Achtel der Gesamtausfuhren entfielen 2016 auf diese Kategorie. Thailand ist einer der größten Nettoexporteure von Nahrungsmitteln der Welt.

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In Vietnam und Thailand ist neben Früchten und Fischprodukten vor allem Reis im Angebot. Das Königreich ist der zweitgrößte Reisexporteur weltweit, nach Indien. Vietnam folgt auf Rang drei, aber auch Kambodscha und Myanmar führen das asiatische Grundnahrungsmittel aus. Die Philippinen und Indonesien zählen zu den größten Reisanbauländern der Welt, sind aufgrund der großen Bevölkerungen aber trotzdem noch auf Importe angewiesen.

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Fleisch wird dagegen hauptsächlich importiert, nur Thailand hat hier einen substanziellen Export. Die größten Fleischimporteure der Region sind Singapur, die Philippinen, Malaysia, Indonesien und Vietnam. Eine Sonderrolle hat sich Malaysia erarbeitet, indem es sich zu einem bedeutenden Halal-Food-Hersteller aufgeschwungen hat, islamische Schlachtregeln spielen dabei eine wichtige Rolle. Nestle hat daher Malaysia zu seinem globalen Halal-Hub ausgebaut. Direkt im Nachbarland Indonesien lebt schon die größte muslimische Bevölkerung der Welt. Auch Thailand entwickelt das Geschäftsfeld.

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Kapitalmangel erschwert Investitionen in Maschinen

Indonesien als größter Markt hat gleichzeitig den größten nahrungsmittelverarbeitenden Sektor mit rund 1,6 Millionen Betrieben. Diese produzieren vor allem für den Binnenmarkt und stellen sogar das größte Segment im verarbeitenden Gewerbe - 2017 rund 30 Prozent der Wertschöpfung.

Auch die Philippinen und Vietnam habe große Bevölkerungen und eine bedeutende Nahrungsmittelerzeugung. Den Firmen fehlt aber das Geld für Investitionen, weshalb die Wertschöpfung niedrig bleibt. Beide Länder wollen den Sektor entwickeln und sowohl Qualität als auch Wertschöpfung erhöhen. Damit soll ein größerer Teil der lokalen Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmittel gedeckt und die Exporterlöse gesteigert werden.

Thailand setzt auf Farming 4.0

Thailand hat mit der Strategie "Kitchen of the World" seinen exportorientierten Nahrungsmittelsektor bereits erfolgreich weiterentwickelt. In der Landwirtschaft wird Smart Farming durch Investitionsanreize unterstützt, was Investitionen in Landtechnik auslösen dürfte. Jetzt soll mit dem Cluster "Food Innopolis" die Ertragskraft und Wertschöpfung der Nahrungsmittelindustrie noch gesteigert werden, zum Beispiel durch funktionale Lebensmittel. Nach Indonesien ist das Königreich daher der zweitgrößte Importeur von Maschinen zur Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Getränken.

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Einige nahrungsmittelverarbeitende Firmen aus Südostasien gehören zu den großen der Welt. Dazu zählen San Miguel aus den Philippinen und Charoen Pokphand Foods aus Thailand. Wilmar International, gelistet an der Börse Singapur, ist einer der führenden Verarbeiter von Palmöl und auch im Bereich Getreide aktiv.

Verbraucher fragen verarbeitete Lebensmittel nach

Die Konsumenten in der ASEAN kaufen immer mehr verarbeitete Lebensmittel, 2015 wurden laut Euromonitor für verpackte Lebensmittel und Getränke rund 108 Milliarden US-Dollar (US$) ausgegeben. Bis 2020 sollen die Einkäufe auf 164 Milliarden US$ steigen.

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Besonders die wachsenden Mittelschichten in den Städten sind dafür aufgeschlossen und haben auch die Kaufkraft. Während dies in Myanmar, Laos und Kambodscha noch kleine Gruppen sind, schreitet die Urbanisierung in Indonesien, den Philippinen und Thailand rasch voran und verändert die Konsumgewohnheiten. Reis als Grundnahrungsmittel wird zum Beispiel zunehmend durch Backwaren abgelöst. Singapur ist fast vollständig von importierten Lebensmitteln abhängig, und die Konsumgewohnheiten gleichen denen in anderen Weltstädten, mit asiatischem Einschlag.

Für die gesamte Region schätzt Euromonitor die Umsätze in Restaurants 2015 auf über 100 Milliarden US$. Dabei haben Restaurantbesuche und speziell Fast Food noch großes Wachstumspotenzial, besonders in Vietnam und den Philippinen boomen diese Bereiche. Befördert wird die Food-Service-Industrie durch Lieferdienste, immer mehr davon internetbasiert. Für ausländische Anbieter bietet diese Dynamik Chancen, aber sie müssen sich auf die lokalen Gegebenheiten einstellen.

Angebote müssen an lokale Geschmäcker angepasst werden

Selbst wenn sich die südostasiatischen Küchen gegenseitig inspirieren und Gemeinsamkeiten aufweisen, sollten Nahrungsmittel an den Landesgeschmack angepasst werden. Darüber hinaus müssen religiöse Vorschriften beachtet werden. Ein Beispiel dafür ist die von Michael Campioni bei Hanoi aufgebaute Wurstfabrik, die den vietnamesischen Markt mit Thüringer Spezialitäten versorgt - und dafür Wurst am Bambusstiel entwickelt hat.

Noch sind deutsche Nahrungsmittel meist Nischenprodukte, von Süßigkeiten und deutschem Bier einmal abgesehen. Aspekte wie Qualität und Produktsicherheit werden angesichts wiederholter Lebensmittelskandale aber wichtiger. Gerade in sensiblen Bereichen wie Babynahrung ist "Made in Germany" Gütesiegel für Sicherheit und Gesundheit.

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Kleine Tante-Emma-Läden und offene Märkte spielen noch immer eine sehr wichtige Rolle im Lebensmitteleinzelhandel, abgesehen von Singapur. Regional bedeutsame Supermarktketten sind die thailändische Big C oder Matahari in Indonesien. Zudem liefern sich Einzelhändler aus dem Westen wie Carrefour, Casino und Tesco einen harten Wettbewerb mit asiatischen Schwergewichten wie Lotte aus Südkorea. Metro hat seine Vietnam-Aktivitäten ebenso abgestoßen wie Carrefour seine thailändische Tochter.

Finden Sie weitere Informationen zu den Wachstumsmärkten in Südostasien in unserer ASEAN-Publikation: http://www.gtai.de/asean-im-fokus

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen, Indonesien, Malaysia, Myanmar, Thailand, Vietnam, Südostasien, ASEAN Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Getränke, Nahrungsmittel

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