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16.07.2019

Die USA bieten großes Geschäftspotenzial für die Elektronisierung von Fahrzeugen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will Gas geben bei Zukunftstechnologien wie autonomem Fahren / Von Heiko Steinacher

San Francisco (GTAI) - Die US-Auto- und Zulieferindustrie kooperiert mit Software- und Elektronikfirmen. Mit dem Trend zum vernetzten Fahren steigt der Bedarf an Halbleitern und künstlicher Intelligenz (KI).

In Seattle entsteht ein neues Entwicklungszentrum, in dem Volkswagen (VW) gemeinsam mit Microsoft die Volkswagen Automotive Cloud und Technologien für vernetzte Fahrzeugdienste entwickeln wird. Auch mit IBM kooperiert VW, um die Transparenz in der Lieferkette durch Einsatz von Blockchain-Technologie zu verbessern. BMW arbeitet mit Microsoft an einer offenen Produktionsplattform, auf der sich Produzenten und Zulieferer vernetzen können.

Die Zukunft des Autos liegt in der Vernetzung mit dem Fahrer, der Umgebung und mobilen Endgeräten. Viele Kunden sind sogar bereit, für bessere Konnektivitätsangebote die Automarke zu wechseln. Autobauer beeilen sich daher, solche Dienste zu entwickeln. Das Analysehaus IHS Markit erwartet, dass bereits 2020 knapp zwei Drittel aller verkauften US-Neuwagen Konnektivitätslösungen bieten und dass dieser Anteil bis 2024 auf über drei Viertel steigen wird.

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Einbindung von KI-Technologien wird immer wichtiger

Das US-Start-up Steer testet gerade autonome Fahrzeuge, die mithilfe einer KI-Technologie selbstständig parken. Porsche beteiligte sich im Januar 2019 am US-Start-up Urgently, das eine Plattform für Mobilität und Pannenhilfe betreibt, die sich auf KI und Geolokalisierung stützt. Auch haben US-Forscher eine Deep-Learning-Architektur für ein Fahrassistenzsystem entwickelt, die auf rückgekoppelten neuronalen Netzen aufbaut. Sie soll zum Beispiel erkennen, ob Fahrer in wenigen Sekunden die Spur verlassen könnten.

Schon bald könnten digitale Sprachassistenten wie Alexa von Amazon oder Siri von Apple in der Breite in die Autowelt einziehen. Da sie auf Cloud-basierte Hochleistungsrechner zugreifen ko?nnen, sind sie Sprachsteuerungen durch Bordcomputer, die bisher in Autos zum Einsatz kommen, überlegen. Ferner rücken Apple und Google mit den Plattformen CarPlay und Android Auto Smartphones für Anwendungen im vernetzten Auto in den Mittelpunkt.

Zulieferindustrie strukturiert sich neu

"Für die Strategie der Zulieferfirmen ist Technologie daher der dominierende Faktor", sagt Dietmar Ostermann, Autoexperte bei PricewaterhouseCoopers (PwC). "Noch vor wenigen Jahren waren Zulieferer vornehmlich bestrebt, Wettbewerber zu übernehmen, um rund um den Globus besser liefern zu können", erklärt der Berater. Ursache dafür war der Trend hin zu globalen Fahrzeugplattformen.

Nun strukturieren die Unternehmen ihre Geschäftsbereiche neu, um die richtigen Lösungen für elektrische, vernetzte und autonome Fahrzeuge anbieten zu können. Die Zulieferer richten den Kooperations- und Übernahmefokus verstärkt auf Softwarefirmen und Elektronikentwickler für innovative Produkte.

VW und Ford kooperieren bei Elektro- und selbstfahrenden Autos

Neben der vernetzten Mobilität bieten die USA auch einen Riesenmarkt für autonomes Fahren und Elektromobilität. VW und Ford haben sich Mitte Juli 2019 darauf geeinigt, bei Elektro- und selbstfahrenden Autos künftig zusammenzuarbeiten. VW wird dem US-Partner Komponenten aus seinem Modularen E-Antriebs-Baukasten MEB liefern und sich an Argo AI, der Ford-Tochter für autonome Autos, beteiligen. Die Kooperation mit dem Roboterwagen-Start-up Aurora hat VW bereits beendet.

Durch die gemeinsame Entwicklung autonomer Fahrzeuge könnten VW und Ford den Rückstand zum Technologieführer Waymo verkleinern. Die Tochterfirma der Google-Holding Alphabet setzt auf die Kooperation mit Kfz-Bauern. Eigene Modelle scheint sie dagegen nicht entwickeln zu wollen. Anstatt Milliarden in die Entwicklung eines eigenen autonomen Fahrsystems zu investieren, dürfte sich mancher Autobauer für die Lizenzierung der Technologie entscheiden.

Neben Jaguar Land Rover und Fiat-Chrysler arbeitet Waymo seit Juni 2019 auch mit Renault-Nissan zusammen, um autonome Taxis und Lieferdienste zu entwickeln. In Michigan will Waymo, mit Unterstützung von Alphabet und Magna, eine Fabrik für selbstfahrende Autos errichten. Dort sollen in den nächsten Jahren bis zu 20.000 Elektro-SUV und 62.000 Hybrid-Minivans umgerüstet werden.

Autonome Fahrtechnik auch für den Lastverkehr

Immer mehr Unternehmen entwickeln autonome Fahrtechnik auch für den Lastverkehr. Seit Mitte Juni 2019 kooperieren die Volvo Group und Nvidia auf diesem Gebiet. Bereits 2018 haben beide Partner ihre Kräfte gebündelt, um leistungsstarke, KI-fähige Core Computer für autonome Autos zu entwickeln. Die Arbeiten werden sich weitgehend auf selbstfahrende Lkw konzentrieren, doch sollen die Systeme auch für Busse, Traktoren und Baumaschinen einsetzbar sein. Die Kursanstiege der Nvidia-Aktie im Juni 2019 deuteten darauf hin, dass auch die Anleger große Geschäftsperspektiven sehen.

Pilotprojekte und Tests mit autonomen Lkw laufen bereits in mehreren US-Städten. Waymo testet die Technologie in Phoenix, Arizona, das Start-up TuSimple in einem Feldversuch des United States Postal Service in autonom fahrenden Sattelzügen zwischen zwei Verteilerzentren in Dallas, Texas, und Phoenix.

Deutsche Außenwirtschaftsförderer unterstützen bilaterale Kooperation

Vom technologischen Fortschritt konnte sich Bundewirtschaftsminister Peter Altmaier Anfang Juli 2019 bei einer Testfahrt mit einem autonomen Fahrzeug des US-Start-ups Zoox durch San Francisco persönlich überzeugen. Altmaier machte bei seinem Besuch deutlich, dass er bei Zukunftstechnologien, wie KI und Sensortechnik für autonomes Fahren, Gas geben will, damit Deutschland international den Anschluss halten kann.

Parallel zum Ministerbesuch brachte der alljährliche German-American Mobility Dialogue des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in San Francisco 130 Experten aus beiden Ländern zusammen. "Das wachsende Interesse am Thema zeigt sich an der deutlich gestiegenen Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahr", sagt Kristian Wolf, Geschäftsführer des Delegiertenbüros. "Der German Hub will solche Entwicklungen unterstützen, begleiten und fördern", so Wolf weiter. Zum German Hub haben sich im Februar 2019 das Delegiertenbüro, Germany Trade & Invest (GTAI) sowie fünf weitere Organisationen als zentrale Anlaufstelle im Großraum San Francisco für deutsche Unternehmen zusammengeschlossen.

Der Trend zum vernetzten Fahren zieht auch einen erhöhten Bedarf an elektronischen Bauteilen nach sich. Wie deutsche Aussteller auf der internationalen Halbleiterindustriemesse "Semicon West", die Mitte Juli 2019 in San Francisco stattfand, gegenüber GTAI berichten, hat der Handelsstreit zwischen den USA und China ihr direktes US-Geschäft bisher kaum oder gar nicht beeinträchtigt. Bei umsatzsteuerlichen Reihengeschäften mit Drittlandsbeteiligung kann es aber wegen Sonderzöllen, mit denen sich die USA und China gegenseitig belegen, anders aussehen. Diese Zölle können unter anderem dazu führen, dass Unternehmen, die nach China liefern, künftig die USA umgehen und ihre Waren über Malaysia, Taiwan oder Vietnam verkaufen wollen.

Einen GTAI-Beitrag mit Informationen zum US-Import ausgewählter Halbleiterbauelemente und integrierter Schaltungen finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201906058014

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektronische Bauelemente, Elektromobilität, Digitalisierung

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