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19.07.2019

Die VAE bauen weitere Meerwasserentsalzungsanlagen

In Abu Dhabi entsteht weltweit größte RO-Anlage, Dubai mit erstem PPP-Projekt / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Die Vereinigten Arabischen Emirate sind auf Meerwasserentsalzung angewiesen. Mit Blick auf den mittel- und langfristig erwarteten Verbrauchsanstieg werden die Kapazitäten erweitert.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind die Kapazitäten der Meerwasserentsalzungsanlagen, die einen Anteil an der Trinkwasserversorgung von 98 Prozent haben, derzeit ausreichend. Die jährliche Trinkwasserproduktion lag im Zeitraum 2014 bis 2018 recht stabil bei 2 Milliarden Kubikmeter, dies entspricht einem Tagesdurchschnitt von rund 5,5 Millionen Kubikmeter. Aktuell haben die Meerwasserentsalzungsanlagen der vier in den VAE operierenden Versorgungsunternehmen eine Tageskapazität von 7,6 Millionen Kubikmeter.

Die für das Emirat Abu Dhabi zuständige Emirates Water & Electricity Company (EWEC) verfügte 2018 über eine Tageskapazität von 4,4 Millionen Kubikmeter, die Dubai Electricity & Water Authority (DEWA) über 2,3 Millionen Kubikmeter, die Sharjah Electricity & Water Authority (SEWA) über 0,5 Millionen Kubikmeter und die für die nördlichen Emirate Ajman, Ras Al Khaimah, Fujairah und Umm Al Quwain verantwortliche Federal Electricity & Water Authority (FEWA) über 0,4 Millionen Kubikmeter. Eine Fusion der FEWA mit der 2018 etablierten EWEC ist in Vorbereitung.

Vereinigte Arabische Emirate: Kapazitäten der Meerwasserentsalzungsanlagen 2010 bis 2018 (in 1.000 Kubikmeter/Tag)
Versorgungsunternehmen 2010 2012 2014 2016 2018
Emirates Water & Electricity Company *) 3.700 4.200 4.200 4.100 4.400
Dubai Electricity & Water Authority 1.600 2.300 2.300 2.300 2.300
Sharjah Electricity & Water Authority 500 500 500 500 500
Federal Electricity & Water Authority 300 300 400 400 400

*) vormals: Abu Dhabi Department of Energy

Quellen: Ministry of Energy and Industry, Federal Competitiveness and Statistics Authority, Emirates Water & Electricity Company, Dubai Electricity & Water Authority, Sharjah Electricity & Water Authority, Federal Electricity & Water Authority

Abu Dhabi baut neue Mega-Meerwasserentsalzungsanlage

EWEC bezieht das Trinkwasser von neun IWPP (Independent Water and Power Plant), an denen private Investoren eine Minderheitsbeteiligung halten. Der größte EWEC-Wasserlieferant ist die Taweelah Asia Power Company mit einer Tageskapazität von 0,74 Millionen Kubikmeter. Neben der staatlichen Beteiligung (Abu Dhabi National Energy Company/TAQA, Abu Dhabi Department of Energy) von 60 Prozent sind vier private Shareholder beteiligt (Marubeni, BTU, Edra, JGC). Der zweitgrößte EWEC-Lieferant ist die Arabian Power Company mit einer Tageskapazität von 0,66 Millionen Kubikmeter. Die privaten Investoren sind hier Frankreichs Engie und Japans Jera.

Auf dem Gelände der Taweelah Asia Power Company sollen in Kürze die Bauarbeiten für die weltweit größte RO-Meerwasserentsalzungsanlage (Reverse Osmosis) mit einer Tageskapazität von 0,91 Millionen Kubikmeter beginnen. Die Finanzierung scheint aber noch nicht abschließend geklärt zu sein. Am Projekt für 915 Millionen US-Dollar ist mit 40 Prozent als privater Partner die saudi-arabische ACWA Power beteiligt. Der EPC-Auftrag (Engineering, Procurement and Construction) ging an ein Konsortium aus Spaniens Abengoa und der chinesischen SEPCO III Electric Power Construction Corporation. Als Consultant ist die Münchener ILF Beratende Ingenieure GmbH beteiligt. Die Anlage soll 2022 in Produktion gehen.

Zwei laufende Projekte in Dubai, ein erstes PPP geplant

In Dubai wurden die Kapazitäten der Meerwasserentsalzungsanlagen zwischen 2008 und 2012 um fast zwei Drittel auf 2,3 Millionen Kubikmeter/Tag erhöht. Seither gab es keinen weiteren Kapazitätsanstieg. DEWA betreibt acht Entsalzungsanlagen. Die größte Anlage ist Jebel Ali M (Tageskapazität: 0,64 Millionen Kubikmeter), gefolgt von Jebel Ali L1 (0,32 Millionen Kubikmeter), Jebel Ali G und K (jeweils 0,27 Millionen Kubikmeter) und Jebel Ali L2 (0,25 Millionen Kubikmeter). Alle Anlagen werden in Kombination mit Kraftwerken betrieben und nutzen das MSFD-Verfahren (Multi Stage Flash Distillation).

Der Tagesspitzenverbrauch stieg in Dubai zwischen 2012 und 2018 von 1,3 Millionen auf 1,7 Millionen Kubikmeter. Hauptwasserverbraucher sind die privaten Haushalte mit einem Anteil 2018 von 62 Prozent, auf nicht-industrielle gewerbliche Verbraucher entfielen 27 Prozent und die Industrie 3 Prozent.

Mitte 2018 hat DEWA mit dem Bau einer ersten RO-Meerwasserentsalzungsanlage für 237 Millionen US$ begonnen. Die Tageskapazität wird 0,2 Millionen Kubikmeter betragen. Den EPC-Auftrag hat ein Konsortium aus Acciona (Spanien) and Besix (Belgien) erhalten. Die Fertigstellung ist für 2020 geplant.

Das Unternehmen Emirates Global Aluminium lässt in Dubai für 40 Millionen US$ von der SEPCO III Electric Power Construction Corporation eine RO-Anlage (Tageskapazität: 0,04 Millionen Kubikmeter) errichten, als Unterauftragnehmer ist Abengoa dabei. Dem Vernehmen nach ist mit den Bauarbeiten noch nicht begonnen worden.

Als PPP-Projekt (Privat Public Partnership) möchte DEWA auf dem Gelände des im Bau befindlichen ersten VAE Kohlekraftwerks (Hassyen) eine RO-Anlage mit einer Tageskapazität von 0,55 Millionen Kubikmeter realisieren. Ursprünglich war die Vergabe des 200 Millionen US$ Projekts auf EPC-Basis geplant. Das Hassyen-Projekt ist Dubais erste Meerwasserentsalzungsanlage mit privaten Investoren. Interessierte Projektentwickler haben mittlerweile ihre Angebote eingereicht, Frist war der 9. Juli (2019). Als Berater sind die britischen Firmen Ernst & Young (Financial Adviser) und CMS (Legal) sowie die kanadische WSP (Technical) engagiert worden. Die Projektvergabe wird im Frühjahr 2020 erwartet.

Auch in den nördlichen Emiraten wird investiert

In Sharjah haben 2018 die Meerwasserentsalzungsanlagen pro Tag durchschnittlich 0,42 Millionen Kubikmeter Trinkwasser erzeugt, so die SEWA-Statistik. Zusätzlich wurden täglich 0,05 Millionen Kubikmeter Grundwasser gefördert. Mehr als die Hälfte der Wasserprodiktion entfiel auf die Layyah Anlage, die durchschnittlich 0,22 Millionen Kubikmeter lieferte.

SEWA arbeitet seit 2018 an einem Projekt zum Bau einer 350 Millionen US$ RO-Anlage mit einer Tageskapazität von 0,27 Millionen Kubikmeter. Der aktuelle Projektstand ist allerdings unklar. Angebote für einen EPC-Auftrag sollen vorliegen. In Kalba baut die lokale Alpha Utilities Company eine kleine 10 Millionen US$ RO-Anlage mit einer Tageskapazität von 0,01 Millionen Kubikmeter, es ist ein PPP-Projekt.

Die für die Versorgung der vier anderen nördlichen Emirate zuständige FEWA dürfte noch 2019 in der von Abu Dhabi kontrollierten EWEC aufgehen. FEWA verfügt nicht über ausreichende eigene Kapazitäten und erhält zusätzliches Trinkwasser von zwei in Fujairah produzierenden EWEC-Lieferanten (Emirates SembCorp, Fujairah Asia Power). EWEC pumpte 2018 durchschnittlich 0,25 Millionen Kubikmeter/Tag ins FEWA-Netz. Die installierten FEWA-Kapazitäten summieren sich auf 0,36 Millionen Kubikmeter/Tag, davon entfallen 0,24 Millionen Kubikmeter auf RO-Anlagen und 0,11 Millionen Kubikmeter auf MED-Anlagen (Multiple Effect Distillation).

Im Emirat Umm Al Quwain soll eine 750 Millionen US$ RO-Entsalzungsanlage mit einer Tageskapazität von 0,68 Millionen Kubikmeter gebaut werden. Das Projekt wird auf PPP-Basis umgesetzt. An der Betreibergesellschaft ist FEWA mit 20 Prozent beteiligt, die staatliche Mubadala Investment Company aus Abu Dhabi mit 40 Prozent, ACWA Power hält die restlichen 40 Prozent. Der EPC-Auftrag ging an ein Konsortium aus Frankreichs Sidem und der lokalen Tecton Engineering & Construction Company. Als Berater ist die österreichische Firma ILF Consulting Engineers tätig. Die Bauarbeiten haben noch nicht begonnen.

In Ras Al Khaimah plant FEWA für 100 Millionen US$ eine RO-Anlage mit einer Tageskapazität von 0,13 Millionen Kubikmeter. Das Projekt soll ohne private Investoren realisiert werden. Informationen über das Ergebnis des im Herbst 2018 durchgeführten Präqualifizierungsverfahrens gibt es nicht. Der weitere Zeitplan ist nicht bekannt.

Weiter Informationen zu den VAE finden Sie unter http://www.gtai.de/vae

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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