Suche

06.02.2017

Digitalisierung des US-amerikanischen Gesundheitssektors schreitet voran

Einspardruck bleibt wichtiger Markttreiber / Vielfältige Einsatzchancen für Health-IT-Anwendungen / Von Martin Wiekert

Washington (GTAI) - Von der Patientenüberwachung über die medizinische Betreuung bis hin zu Versicherungs- und Abrechnungsprozessen: In allen Bereichen des US-Gesundheitswesens finden moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) immer stärkere Verbreitung. Auch zukünftig verspricht der amerikanische Health-IT-Markt interessante Geschäftschancen. Anhaltende Kostensenkungszwänge und eine mehr am Patientennutzen ausgerichtete Versorgung dürften die Nachfrage weiter beflügeln. (Internetadressen)

Der Markt für Gesundheits-IT ist in den USA wesentlich weiter vorangeschritten als in anderen führenden Industriestaaten. Auf der alljährlichen HIMMS, dem von der Healthcare Information and Management Systems Society organisierten wichtigsten Branchentreffen des Landes, wurden zuletzt mehr als 40.000 Fachbesucher und über 1.200 Aussteller gezählt. Bezüglich des US-Marktvolumens in dieser Branche kursieren unterschiedliche Schätzungen. Nach neueren Studien dürfte es für 2016 im mittleren zweistelligen Milliardenbereich zu veranschlagen sein. Das Wachstum des Sektors ist dabei enorm. In den nächsten fünf Jahren rechnen viele Marktforscher mit einer Verdopplung der Branchenumsätze.

Gesundheitskosten müssen eingedämmt werden

Die US-Nachfrage nach Health-IT-Produkten und -Dienstleistungen wird durch mehrere starke Kräfte angetrieben. Eine besondere Bedeutung hat dabei der fortwährend hohe Einspardruck im US-Gesundheitswesen. Mit jährlichen Ausgaben von über 3,3 Billionen US$ und einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von rund 17% im Jahr 2015 (Deutschland: circa 11%) leisten sich die Amerikaner bereits heute die mit Abstand teuerste Gesundheitsversorgung der Welt. Der zunehmende Bevölkerungsanteil älterer US-Bürger dürfte in den nächsten Jahren sogar noch für einen weiteren Anstieg sorgen.

Um die Kosten des Gesundheitswesens auch künftig stemmen zu können, sind neben zielführenden institutionellen Reformen weitere Effizienzsteigerungen in der Versorgung und der Verwaltung erforderlich. Dem Einsatz von Health-IT fällt dabei eine Schlüsselrolle zu. Schon die Obama-Regierung hat die Digitalisierung des Sektors entschieden vorangetrieben. So stellte sie für entsprechende Investitionen umfassende Fördermittel bereit und forcierte die Einführung elektronischer Krankenakten und den Austausch von Patientendaten.

Auch die neue Trump-Regierung wird die Potenziale eines verstärkten Gesundheits-IT-Einsatzes nutzen müssen. Anders lässt sich das vom neuen Präsidenten verkündete Ziel einer "Krankenversicherung für alle" kaum realisieren. Etwaige Budgets für den Bereich und die Details eines neu gestalteten Versorgungssystems sind von der neuen Regierung allerdings erst noch zu konkretisieren.

Aufkommen an Gesundheitsdaten nimmt immer weiter zu

Wichtige Nachfrageimpulse kommen auch aus dem Healthcare-Markt selbst. "Demografische Faktoren, die steigende Komplexität der medizinischen Betreuung und das Bedürfnis der Menschen, gesünder zu leben, sorgen für ein rasant wachsendes Aufkommen an Gesundheitsdaten", erklärt Bernhard Calmer vom amerikanischen Health-IT-Spezialisten Cerner. Dies wiederum führe dazu, dass vermehrt leistungsfähige IT-Systeme beschafft werden müssten.

Brad Tritle, US-Chef des deutschen Branchenpioniers Vitaphone, sieht im Übergang des amerikanischen Gesundheitssektors hin zu "value-based healthcare" einen weiteren zentralen Markttreiber. So begünstige die enger am Patientennutzen orientierte Versorgung auch einen stärkeren Einsatz von Health-IT. Bedarf sieht Tritle dabei für Fernbetreuungssysteme, die an den spezifischen Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet sind. Dies ist auch das Aktivitätsfeld der Vitaphone, die in den USA telemedizinische Versorgungsdienste für chronisch Erkrankte anbietet.

US-Industrie extrem leistungsstark

Ein wesentlicher Unterstützer der Branchenentwicklung ist die starke technologische Basis im Land. So sind die USA nicht nur bei IKT weltweit führend, sondern verfügen auch über eine außerordentlich innovationsstarke Medizintechnik- und Pharmaindustrie. Die amerikanischen Technologiegrößen haben die Auswertung, Analyse und Nutzung von Gesundheitsdaten schon lange als lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt. Neben Unternehmen wie Apple oder IBM sind dort auch viele kleinere Techfirmen, Start-ups und App-Entwickler unterwegs. Oft arbeiten sie dabei mit den etablierten Playern aus der IKT- oder der Healthcare-Branche zusammen.

Für die Anbieter von Gesundheitselektronik wird es angesichts der fortschreitenden Digitalisierung des Sektors immer wichtiger, ihre Produkte internetkompatibel zu machen und deren Konnektivität zu gängiger Auswertungs- und Cloud-Software zu verbessern. Der Datentransfer über das Internet bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Mit der Weitergabe persönlicher Daten haben viele Amerikaner zwar eher weniger ein Problem. Umso wichtiger ist ihnen dagegen das Thema Internetsicherheit. Hacker-Angriffe und die Manipulationsanfälligkeit vernetzter medizintechnischer Systeme haben die Sensibilität hier stark erhöht.

Schwieriger Markt mit attraktiven Wachstumsmöglichkeiten

Für innovative deutsche Health-IT-Firmen bieten die Vereinigten Staaten weiterhin äußerst interessante Potenziale. Das Marktterrain ist jedoch alles andere als einfach. Dabei ist es nicht nur die starke einheimische Konkurrenz, die ausländischen Akteuren das Leben schwer macht. Häufig sind es auch die besonderen US-Kundenerwartungen, die einer erfolgreichen Vermarktung im Wege stehen können.

Eine beachtliche Markthürde stellt ferner das anspruchsvolle Regulierungsumfeld dar. Viele Health-IT-Produkte müssen zunächst bei der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zugelassen werden. Diese ist im Gesundheitssektor für ihre recht aufwändigen Genehmigungsprozeduren bekannt. "Dies gilt besonders für Aspekte der Cyber Security, bei der die Anforderungen höher als in Europa sind," sagt Brad Tritle. Er rät deshalb dazu, kundiges Personal zu engagieren, das sich mit den Verfahren für das spezifische Produkt auskennt. Weitere Probleme können zudem unterschiedliche Produktnormen und die besonderen Interoperabilitätserfordernisse bereiten.

Auf die Bedeutung von Regulierungsfragen weist auch eine Zielmarktanalyse der AHK USA hin: "Es ist möglich, dass amerikanische Firmen deutsche Unternehmen vermeiden, wenn sie kein gutes Verständnis der nötigen US-Regulierungen haben."

Internetadressen

Exportinitiative Gesundheitswirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Internet: http://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de

Bundesverband Gesundheits-IT

Internet: http://www.bvitg.de

Healthcare Information and Management Systems Society (HIMSS)

Internet: http://www.himss.org

HIMSS 2017 (Branchentreffen der Health-IT-Industrie)

Internet: http://www.himssconference.org

American Telemedicine Association (ATA)

Internet: http://www.americantelemed.org

ATA 2017 (Branchentreffen der Telehealth-Industrie):

Internet: http://www.ata2017.org

Advanced Medical Technology Association (AdvaMed):

Internet: http://www.advamed.org

AdvaMed Digital Medtech Conference 2017

Internet: http://www.themedtechconference.com

Medical Device Manufacturers Association (MDMA)

Internet: http://www.medicaldevices.org

U.S. Department of Health & Human Services

Internet: http://www.hhs.gov

U.S. Food and Drug Administration (FDA)

Internet: http://www.fda.gov

Centers for Medicare & Medicaid Services

Internet: http://www.cms.gov

National Center for Health Statistics (NCHS)

Internet: http://www.cdc.gov/nchs

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.com

AHK-Zielmarktanalyse "Health IT USA"

Internet: http://www.gaccmidwest.org/fileadmin/ahk_chicago/White_Paper/ZMA_Health_IT_MASTER_13_06-10-2015.pdf

Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft/Representative of German Industry and Trade - RGIT)

Internet: http://www.rgit-usa.com

(W.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Elektromedizin, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche