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06.03.2019

Digitalisierung gehört in den Vereinigten Arabischen Emiraten schon zum Alltag

Inhalt

Künstliche Intelligenz ist vor allem in der Sicherheitstechnik im Einsatz / Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Digitalisierung ist in den VAE keine Zukunftsvision, sondern bereits in vielen Bereichen der Gesellschaft etabliert. Die Emirate treiben den digitalen Wandel rapide weiter voran.

Digitalisierungsstrategie

Für die sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gibt es zwar auf Staatsebene gemeinsame Digitalisierungsstrategien und -initiativen. Oft gehen die Bestrebungen der Regierungen in den einzelnen Emiraten jedoch weiter und sind mit größeren finanziellen Mitteln ausgestattet. Dies gilt besonders für die beiden wirtschaftlich stärksten Emirate, Abu Dhabi und Dubai. Vorreiter bei der Digitalisierung ist Dubai, aber auch Abu Dhabi verfolgt das Thema mit Nachdruck.

Dubai startete bereits 1999 seine erste IKT-Strategie. Es folgten die Freihandelszone Dubai Internet City, Dubai e-government, Dubai Smart Government und 2014 die Smart Dubai 2021 Strategie (https://2021.smartdubai.ae; http://www.smartdubai.ae). Die Digitalisierung soll positive, signifikante Effekte für die Stadt und ihre Bevölkerung haben. Die sogenannte Happiness Agenda ist deshalb wichtiger Teil der Smart Dubai 2021 Initiative, ebenso die Dubai Blockchain Strategy, die bis 2020 voll implementiert werden soll, sowie das AI Lab und Programme zur Unterstützung von Start-ups.

Dachorganisation für die Umsetzung der Strategie ist das Smart Dubai Office. Es wird von Dubai Data Establishment und Smart Dubai Government unterstützt. Die Aufsicht über die Implementierung von Projekten, Initiativen mit Partnern und der breiteren Gesellschaft hat das Office of Smart City Impact Management (OSCIM). OSCIM hat eine stadtweite Agenda für Regierungseinheiten und den Privatsektor entwickelt. Die Umsetzung der Ziele erfolgt über sogenannte Key Performance Indicators (KPI)

Hauptziele der Smart Dubai Strategie:

1) Eine intelligente, lebenswerte und belastbare Stadt

2) Eine vernetzte, schlanke Regierung

3) Eine weltweit wettbewerbsfähige Wirtschaft angetrieben von disruptiven Technologien

4) Eine miteinander verbundene Gesellschaft mit leicht zugänglichen sozialen Leistungen

5) Reibungsloser Transport durch autonome und gemeinsam genutzte Mobilitätslösungen

6) Eine saubere Umwelt durch den Einsatz neuester IKT-Innovationen

Konkret bedeutet dies: Bis 2021 sollen die gesamte Bevölkerung, alle Organisationen und alle Unternehmen Internetzugang haben. Die Regierung und Verwaltung wollen bis 2021 komplett papierlos arbeiten und alle Services online anbieten. Die Bevölkerung soll dann 90 Prozent ihrer alltäglichen Bedürfnisse online erledigen können. Dazu gehört es zum Beispiel, einen Arzttermin online zu vereinbaren, die Untersuchungsergebnisse online abzurufen und mit anderen Gesundheitsanbietern zu teilen sowie Medikamente online zu erhalten. Stadtfahrten sollen zu 12 Prozent autonome, fahrerlose Systeme übernehmen. Smart Parking, smarte Mautstationen und Ampeln sollen den schnellen Verkehrsfluss regeln.

Das Emirat Abu Dhabi veröffentlichte 2018 einen Fünfjahresplan für Smart Cities und Künstliche Intelligenz (KI), genannt Zayed Smart City Project. Unter anderem umfasst der Plan einige Apps, die mit Hilfe moderner IKT-Lösungen (Internet of Things (IoT)) Infrastruktur managen, wie Straßenbeleuchtung, Lärmkontrolle, Verschmutzung, Karbonemissionen oder die Überwachung von Luftqualität, Regenwasser und anderen Parametern. Zudem sind Programme zur Verbesserung im Abfallmanagement, in der Vermögensverwaltung oder intelligente Parkleitsysteme geplant. Abu Dhabi bietet auch ein digitales Hypothekensystem, das e-Mortgage-System. Es ermöglicht den Nutzern, alle Transaktionen mit Behörden oder Banken rund um Hypotheken online abzuwickeln.

Strategie für künstliche Intelligenz

Im Oktober 2017 hat die Regierung der VAE die UAE 2031 - UAE Artificial Intelligence Strategy (http://www.uaeai.ae) aufgelegt. Sie befasst sich im Kern mit fünf Bereichen: Bildung (Kosten senken, Lernwillen steigern), Transport (Reduzierung von Unfällen und Betriebskosten), Energie (Anlagenmanagement und intelligenter Verbrauch), Weltraum (akkurate Testverfahren und Reduzierung kostspieliger Fehlerquoten) und Technologie (Anteil der Produktion erhöhen und Kommunikationseffizienz steigern). Emirate wie Dubai und Abu Dhabi verfolgen jedoch im Wesentlichen ihre eigenen Strategien über die jeweiligen Smart City Pläne (siehe oben).

Künstliche Intelligenz (KI) spielt beispielsweise bei Sicherheitstechnik eine große Rolle und die Anwendungen werden weiter ausgebaut. Dies betrifft auch die zivilen Anwendungen.

SAP entwickelt für die Kontrollen am Flughafen von Dubai ein System, bei dem einmal erfasste Passagiere nicht mehr an Gates zur Gesichtserkennung und Passkontrolle stoppen müssen, sondern in Bewegung, beim Gehen durch einen Scanner Tunnel automatisch erfasst und erkannt werden. Das System soll 2019 installiert werden.

Die Polizei Dubais implementiert ein KI-gestütztes Überwachungssystem unter dem Projektnamen The Oyoon (Augen), zur Verbrechensverhütung und zur Reduzierung von Verkehrsunfällen. Die Kameras können Nummernschilder auslesen und sind mit Gesichtserkennungssoftware ausgestattet. Sie werden durch KI-gestützte Systeme zur Überwachung und Analyse ergänzt. Die Kameras sollen über Mikrophone verfügen, um mit Verdächtigen und Bürgern "sprechen" zu können. Überwachungskameras mit Gesichtserkennungssoftware sind bereits großflächig in Ballungsräumen installiert. Das Netz wird stetig ausgeweitet, nicht nur im öffentlichen Raum. Die Polizei Dubais bietet der Bevölkerung beispielsweise kostenlos die Installation von Überwachungskameras im Außenbereich von Häusern an. Die Videoaufnahmen werden von der Polizei ausgelesen. Zusätzlich überwachen Drohnen beispielsweise Industriegebiete.

E-Government

In Dubai und Abu Dhabi ist E-Government etabliert und Teil der Smart-City-Initiativen. Öffentliche Dienstleistungen werden bereits in hohem Umfang elektronisch abgewickelt. Das Angebot wird stetig ausgebaut. Die Implementierung von Blockchain-Technologien läuft und soll bis 2020 in der Verwaltung abgeschlossen sein, um die Effizienz und Sicherheit öffentlicher Angebote zu erhöhen. Blockchain-Technologie soll zum Beispiel in der elektronischen Lizensierung von medizinischen Einrichtungen, beim Immobilienkauf oder in der Dokumentation von Lebenszyklen von Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

In der Praxis funktionieren die Onlineangebote gut und bieten der Bevölkerung ein hohes Maß an Bequemlichkeit und Transparenz. Es ist beispielsweise üblich, den Bearbeitungsstatus von Anträgen per automatisch generierten SMS zu kommunizieren. Die Akzeptanz der Bevölkerung für E-Government Angebote ist abhängig vom Bildungsstand hoch.

In Dubai waren im Oktober 2018 eine Woche lang 1.000 öffentliche Dienstleistungen von 40 öffentlichen Einrichtungen nur online verfügbar, um die Bevölkerung zu ermuntern, staatliche Apps und E-Services zu nutzen.

Stärken/Schwächen

Die Regierungen in Dubai und Abu Dhabi wollen in der Digitalisierung zum weltweiten Spitzenreiter werden und sind offen für Unternehmen, die innovative Lösungen anbieten. Der monarchische Staat kann Projekte und Initiativen schnell durchsetzen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten ein gutes Geschäftsumfeld für Unternehmen im Bereich Digitalisierung. Die Gesellschaft ist jung, stark vernetzt und verfügt über eine hohe digitale Kompetenz. Die gesellschaftliche Akzeptanz für digitale Lösungen ist hoch. Vergleichsweise geringe Datenschutzanforderungen schaffen ein gutes Testumfeld für Unternehmen. Die IKT-Infrastruktur ist modern. Etisalat, der größte Mobilfunkanbieter der VAE, will allen Kunden noch 2019 ein 5G-Netz und -Anwendungen anbieten.

Ausblick

Die VAE haben in vielen Bereichen gute Chancen, eine weltweite Spitzenposition in der Digitalisierung zu erreichen. Das gilt insbesondere bei Themen, in denen die Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist und mit Nachdruck weiter voran getrieben wird, etwa bei E-Government oder bei KI-Anwendungen in der Sicherheitstechnik. Aber auch im Gesundheitssektor und bei Industrie 4.0 wollen die VAE Maßstäbe setzen und es sind in den nächsten Jahren hohe Investitionen zu erwarten.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
AI Minister of State https://ai.gov.ae Staatsminister, Omar bin Sultan Al Olama
UAE Artificial Intelligence Strategy http://www.uaeai.ae Die erste KI Strategie in den VAE, um die Effizienz der Regierung zu verbessern. Erstes Projekt: 2071
Smart Dubai Office http://www.smartdubai.ae Regierungsinitiative, Hessa Al Balooshi Director
Dubai Startup Hub http://www.dubaichamber.com/dubaistartuphub/ Hisham Al Shirawi, Second Vice Chairman at Dubai Chamber
Dubai Internet City http://www.dic.ae Freihandelszone mit Start-up Firmen
Dubai Technology Entrepreneur Campus (DTec) at Dubai Silicon Oasis https://dtec.ae Technology and Innovation Startup Centre
Dubai Future Accelerators https://dubaifutureaccelerators.com Regierungsinitiative
Dubai Multi Commodities Centre (DMCC) http://www.dmcc.ae/developing-dubai/smart-city Freihandelszone mit Startup Firmen
World AI Show http://www.dubai.worldaishow.com Fachmesse, (24.-25.03.2019) in Dubai
Future Blockchain Summit http://www.futureblockchainsummit.com Fachmesse, (02.-03.04.2019) in Dubai
AI Everything https://ai-everything.com Fachmesse, (30.04.-01.05.2019)in Dubai
Digitrans 2018 - The Digital Transformation Forum http://www.digitransforum.com Forum zur Digitalisierung (tba, Oktober 2019) in Dubai

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in den VAE finden Sie unter: http://www.gtai.de/vereinige-arabische-emirate.

Mehr zum Thema Digitalisierung unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Digitalisierung

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