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16.03.2018

Digitalisierung von Chinas Industrie läuft auf Hochtouren

Industrie 4.0 als Wegbegleiter des Modernisierungsprogramms "Made in China" / Deutsch-chinesische Kooperationsprojekte in der Umsetzung / Von Corinne Abele

Shanghai (GTAI) - China bereitet seinen Weg in eine digitale Zukunft - mit riesigen Investitionen in die Kommunikationsinfrastruktur, umfassenden Rechtsvorschriften sowie finanzieller Unterstützung für Automatisierung und Robotik. Sein Digitalisierungsansatz geht über das auf die verarbeitende Branche konzentrierte Industrie 4.0-Konzept Deutschlands hinaus. Letzteres sieht China eher als Instrument bei der Digitalisierung des gesamten Produktionsprozesses vom Rohstoff zum Endprodukt bis hin zum Kunden.

Wie fast kein anderes Land treibt China in einer konzertierten Aktion von Regierung, Forschung, Unternehmen und Risikokapital die Digitalisierung seiner Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft voran. Rasant geht der Umbau vor sich. Er ist einer der wichtigsten, wenn nicht "der" wichtigste Baustein der angestrebten industriellen Transformation, die die Volksrepublik an die Weltspitze führen soll. Bereits 2025 will man, so der Plan des Industriemodernisierungsprogramms "Made in China 2025", vorne mitmischen und bis 2049 (100 Jahre nach Gründung der Volksrepublik) die Spitzengruppe anführen.

Individualisierte Massenproduktion als Vision

Der auf Produktionsprozesse abgestimmte deutsche Digitalisierungsansatz "Industrie 4.0" gilt dabei als Wegbereiter und wichtiges Element. Chinas Vision der individualisierten Massenproduktion von morgen umfasst jedoch den gesamten Produktzyklus - von der Entstehung bis hin zum Endkunden. Entsprechend breit gefasst ist daher auch der Anspruch seiner jüngsten Gesetzgebung im digitalen Bereich, wozu das Cybersecurity- und das E-Commerce-Gesetz zählen.

So soll zwar der einzelne vor unerlaubter Nutzung seiner Daten geschützt werden, gleichzeitig behält sich der Staat aber weitreichende Eingriffs- und Kontrollrechte vor. Letztere umfassen unter anderem die Genehmigung von VPNs (Virtual Private Networks) sowie des Transfers personenbezogener Daten über die Landesgrenzen hinweg.

Ziele für Intelligente Produktion im Rahmen von "Made in China 2025" (Anteile in %)
Ziele 2015 2020 2025
Internetbreitband-Durchdringungsrate 50 70 82
Digitalgestützte Forschung und Designinstrumente 58 72 84
CNC-Steuerung wichtiger Herstellungsprozesse 33 50 64

Quelle: "Made in China 2025", veröffentlicht vom Staatsrat am 08. Mai 2015

In verschiedener Hinsicht ist China mit seiner Kommunikationsinfrastruktur für die nächste industrielle Revolution besser aufgestellt als viele andere Länder: Ende 2017 verfügte es über rund 1,13 Milliarden Smartphone-Nutzer (3G und 4G). Allein zwischen 2020 und 2030 dürften Chinas Mobilnetzbetreiber (China Mobile, China Telecom und China Unicom) etwa 400 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau von 5G-Netzen investieren; erste Pilotprojekte sind bereits in Betrieb. In Guizhou hat das Land gewaltige Datenspeicher für Big Data und Cloud Computing aufgebaut. Und seit September 2017 ist zwischen Beijing und Shanghai die mit einer Länge von rund 2.000 km weltweit längste Quantenleitung in Betrieb.

Deutschland ist ein wertvoller Partner für Chinas industrielle Transformation hin zur intelligenten Produktion. Wer im Bereich Industrie 4.0, Robotik sowie Automatisierung Rang und Namen hat, ist in China seit Jahren aktiv und erfolgreich - wie beispielsweise Siemens, Bosch, Phoenix, Festo, Kuka oder Schunk. Doch auch kleine Spezialanbieter für Tracking- oder Steuerungssysteme, ausgefeilte Sensorik sowie Prozessdesign machen inzwischen ausgezeichnete Geschäfte.

Denn der Bedarf ist groß, die Unterstützung der Regierung für Kunden und (inländische) Hersteller - in Form von Zuschüssen, der Einrichtung von Innovationlabors sowie steuerlichen Vergünstigungen - ebenfalls.

Pionier mit Vorbildcharakter: Deutsch-chinesische Kooperationsprojekte

Die Kooperation zwischen Deutschland und China in Sachen Industrie 4.0 wird durch ein 2015 vom deutschen Wirtschaftsministerium (BMWi) sowie dem chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) unterzeichneten Memorandum politisch flankiert. Bereits 2016 wurde eine Liste mit 18 deutsch-chinesischen Kooperationsprojekten als Pilotvorhaben veröffentlicht; eine weitere mit 17 durch das MIIT ausgewählten Projekten folgte 2017. Insgesamt gehen fünf Projekte auf Vorschläge der deutschen Seite zurück.

Die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), die vom BMWi mit der Umsetzung des Memorandums beauftragt wurde, erarbeitet derzeit mit deutschen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ein gemeinsames Auswahlverfahren mit dem MIIT. Dabei liegt der Fokus der deutschen Seite auf der Förderung von Projekten mit Beteiligung deutscher Mittelständler sowie auf der Einbindung internationaler Standardisierungsprozesse.

Die Projekte haben nicht nur Pionier-, sondern auch Vorzeigecharakter und loten die Chancen, aber auch die Risiken innovativer Kooperationen im Industrie 4.0-Bereich aus. Weitere Informationen finden sich im monatlich von der GIZ veröffentlichten elektronischen "Sino-German Industrie 4.0 Newsletter" sowie unter http://www.industrie40-china.org.

Aktuelle Informationen über die Zusammenarbeit im Bereich Industrie 4.0 mit der VR China - unter anderem über den derzeitigen Stand der deutsch-chinesischen Pilot-Kooperationsprojekte - wird es auch auf der Hannover Messe geben. Am 25. April 2018 richtet die GIZ im Saal New York 2, im Tagungsbereich der Halle 19, von 9:30 Uhr bis 13:00 Uhr im Auftrag des BMWi die Konferenz "Digitising with China" aus. Beide Ministerien - BMWi und MIIT - sind beteiligt.

Unterdessen entfallen rund ein Viertel der globalen Importe von Industrierobotern auf die VR China. Alleine 2017 steigerten sich die chinesischen Einfuhren in dieser Sparte im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent auf 1.326 Millionen US$. An zweiter Stelle folgte Deutschland mit Auslandsbezügen in Höhe von 476 Millionen US$ (+37,6 Prozent).

Globale Einfuhr von Industrierobotern (HSPos. 8479.50; in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2015 2016 2017 Veränd.
Insgesamt 4.280 3.820 5.400 *) 41,4
.China 805 878 1.326 51,0
.Deutschland 430 346 476 37,6
.USA 293 292 427 46,2
.Korea, Rep. 142 125 216 72,8
.Mexiko 437 158 209 32,3

*) vorläufig

Quellen: 2015/2016: Comtrade; 2017: Nationale Statistische Ämter

Größter Lieferant für chinesische Roboterimporte war 2017 Japan. Die Bestellungen in Nippon beliefen sich auf 805 Millionen US$, entsprechend einem Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr von 64 Prozent. An zweiter Stelle folgte Deutschland mit einem Plus von 113,8 Prozent auf 229 Millionen US$ vor Korea, Rep. und der Schweiz.

Chinas Einfuhr von Industrierobotern nach Lieferländern (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2016 2017 Veränd.
Insgesamt 878 1.326 51,0
.Japan 545 805 64,0
.Deutschland 105 229 113,8
.Korea, Rep. 64 67 3,4

Quelle: Chinesischer Zoll

(C.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Robotik und Automation, Digitalisierung

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