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26.02.2019

Dominikanische Republik baut erneuerbare Energien aus

Behörden wollen wieder Projekte genehmigen / Von Ulrich Binkert

Bonn (GTAI) - Karibische Sonne, viel Wind und hohe Strompreise machen erneuerbare Energien in der Dominikanischen Republik attraktiv - eigentlich: Die Bürokratie bremst.

"Der größte Solarpark der Karibik" entsteht mit maßgeblicher deutscher Beteiligung: Seit Juni 2018 erzeugen Fotovoltaik-Paneele in Montecristi im Nordwesten der Dominikanischen Republik Strom mit einer Kapazität von 52 Megawatt. Eine zweite, gleich große Anlage will die Euskirchener Firma F&S Solar Mitte 2019 ans Netz bringen, die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) finanziert das Vorhaben langfristig.

Insgesamt sind in dem sonnenverwöhnten Urlaubsparadies, in dem es auch hohe Berge und viel Wind gibt, bisher Solar- und Windfarmen mit rund 270 Megawatt Kapazität in Betrieb gegangen und zudem 30 Megawatt aus Biomasseanlagen. Weitere PV- und Windparks sind im Bau (330 Megawatt) oder haben eine Konzession erhalten. Die Vergabe solcher Konzessionen nahmen die Behörden Anfang 2019 wieder auf (Resolución-CNE-AD-0001-2019).

Erneuerbare-Energien-Projekte in der Dominikanischen Republik 1)
Projekt Typ 2) Kapazität (MW) Investition (Mio. US$) Beteiligte (u.a.); Anmerkungen
El Guanillo W 50 130 Siemens Gamesa, DEG, Interamerikanische Entwicklungsbank; im Bau
Mata de Palma PV 50 110 WCG Energy; im Bau
Agua Clara W 50 110 Comisión Nacional de Energía (CNE), Siemens Gamesa; im Bau
Los Guzmancitos W 48 100 Poseidón, Vestas; im Bau
Puerto Plata-Imbert W 46 110 Jasper Caribbean, Vestas; im Bau, 2. Phase geplant
Matafongo W 34 88 Inveravante; im Bau, 17 MW PV-Paneele geplant
Monte Plata Phase II PV 30 60 DEG; im Bau
Canoa Phase I PV 25 40 Potentia; im Bau seit März 2018
Natural World Energy PV 100 110 Soventix; Entwickler Natural World Energy laut Marktinformationen vor Verkauf 3) 4)
Montecristi Phase II PV 58 180 F&S Solar, DEG; Baubeginn Mitte 2019 geplant
Los Granadillos W 50 105 Inveravante; Finanzierung in Arbeit, Baubeginn Mitte 2019 erhofft, 2. Phase (50 MW) geplant 4)
Candelón W 50 98 CNE, Los Cuatro Vientos 4)
Levital PV 40 45 Levital Group
El Soco PV 25 75 Koror 3)
Bayasol PV 25 40 Parque Eolico Beata

1) im Bau oder wahrscheinlich; 2) PV = Fotovoltaik, W = Wind; 3) ohne endgültige Konzession; 4) ohne Stromkaufvertrag (PPA; laut CNE Mai 2017)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Als wesentlicher Hemmschuh für den Sektor gilt die Bürokratie. Ein Experte spricht von "Sumpf" und "gelebter Unklarheit". Zum Markterfolg vor Ort brauche es gut ausgebildete und vernetzte Leute, sagt Wilfredo González vom dominikanischen Ableger des spanischen Projektentwicklers Inveravante.

Die Bürokratie hemmt

Projektentwickler und Investoren haben es den Informationen zufolge mit einem Dutzend öffentlicher Stellen zu tun. Die seien formal zwar dem 2014 gegründeten Energieministerium unterstellt, arbeiteten bei unklaren Zuständigkeiten faktisch aber unabhängig und teils gegeneinander. Dazu gebe es Korruption wie bei den Schmiergeldzahlungen rund um die Vergabe des Kohlekraftwerks Punta Catalina.

Hinzu kommen "Stromverluste", so durch Diebstahl. Sie sinken zwar, wurden aber für 2018 immer noch mit 29 Prozent beziffert. Die öffentlichen Versorger sind verschuldet und lassen die Stromerzeuger auf Rechnungen sitzen, die sich wiederum schwer eintreiben ließen. Ein Problem bei Projekten seien Unklarheiten bei Landrechten und lokalen Steuern.

Gesetzliche Förderung vorhanden

Als Rechtsgrundlage für den Ausbau von erneuerbaren Energien gilt seit 2007 Gesetz 57-07. Es gewährt Erzeugern von erneuerbarem Strom Steuer- und Zollvergünstigungen, wie die "Zielmarktanalyse 2017 Dominikanische Republik - Dezentrale Energieversorgung" ausführt. Außerdem genießen Erneuerbare Vorrang bei der Netzeinspeisung.

Für Projekte ab 1,5 Megawatt Kapazität ist eine staatliche Konzession nötig. Bis 2015 wurden davon mehrere Dutzend vergeben, allerdings vielfach an Firmen, die mit dem Verkauf dieser Genehmigungen auf das schnelle Geld aus waren. Die Behörden stoppten die Konzessionsvergabe danach und bereinigten das Portfolio auf realistische Vorhaben. Aus diesem Pool stammen die hier gelisteten Projekte.

Da die seit Januar 2019 geltende Konzessionsvergabe strengere Anforderungen stellt, hofft Wilfredo González von Inveravante, dass mehr Entwickler mit genügend Personal- und Kapitalressourcen Interesse anmelden. Diese Entwicklung dürfte auch den Projektmarkt in Gang bringen. Inveravante hat im Land laut González den Bau von Windkraftanlagen mit insgesamt 300 Megawatt im Visier.

PPAs sollen künftig ausgeschrieben werden

Voraussetzung für eine endgültige Konzession für Projekte mit Erneuerbaren ist ein Stromabnahmevertrag (PPA). Partner aller PPAs von Erneuerbaren war bisher die CDEEE (Corporación Dominicana de Empresas Eléctricas Estatales) als Verwalterin aller staatlichen Stromfirmen und gleichzeitig Regulatorin des Sektors. Die Verträge wurden bilateral ausgehandelt.

Künftige Stromabnehmerverträge sollen per Ausschreibung vergeben werden, die Bedingungen sind aber noch unklar. Nach Einschätzung von Beteiligten können außer der CDEEE künftig auch die staatlichen Versorger Edenorte, Edesur und Edeeste sowie die öffentliche Übertragungsfirma ETED den Strombezug ausschreiben, ebenso nichtregulierte private Abnehmer. Zudem wären Lieferungen an den Spotmarkt möglich, die Erzeuger von Erneuerbaren im Einzelfall schon bisher getätigt hätten.

Investoren müssen ihr Kraftwerk auf eigene Kosten an das Stromnetz anschließen und dafür sorgen, dass dessen Kapazität ausreicht. Die Leitung geht dann in staatliche Hände über. Der Erzeuger kann seine Ausgaben später über die Netzentgelte verrechnen. Die CDEEE nennt zwar Übertragungsvorhaben, der Informationsdienstleister BNamericas führt in seiner Projektdatenbank allerdings nichts davon auf. Verschiedene Entwicklungsbanken finanzieren Projekte in den Verteilnetzen.

MKT201902258002.14

Dynamik bei Kleinanlagen

Bei der Installation kleiner PV-Anlagen registrierte die Comisión Nacional de Energía (CNE) in ihrem "Programa Medición Neta" Anfang Dezember 2018 insgesamt 95 Megawatt Kapazität (mit isolierten Systemen), nachdem es ein Jahr zuvor noch 58 Megawatt waren. Per Net Metering können Erzeuger mit Erneuerbaren-Anlagen bis 1 Megawatt Kapazität seit 2011 ihren Strom ins Netz einspeisen und mit dem eigenen Verbrauch verrechnen.

Stromausfälle häufig

In der Dominikanischen Republik fällt immer wieder der Strom aus, weshalb Betriebe oft teure Generatoren vorhalten müssen. Die Strompreise zählen zu den höchsten in der Region. Dabei ist die installierte Kapazität mit rund 3.200 Megawatt eigentlich groß genug: Die Jahreshöchstlast entsprach 2018 rund 2.300 Megawatt und soll 2030 nach Schätzung der CDEEE 4.400 Megawatt betragen. Im vergangenen Jahrzehnt war die Stromnachfrage um jährlich 3,5 Prozent gewachsen.

Erdgas als Konkurrenz?

Erneuerbare gelten als die günstigste Stromquelle. Sie haben nach einer CDEEE-Aufstellung niedrigere variable Kosten als das neue Kohlekraftwerk Punta Catalina und sind weit billiger als die Kraftwerke, die Diesel und Schweröl verfeuern.

In der Stromerzeugung könnte mehr LNG (Liquefied Natural Gas) aus den USA nicht nur - wie schon fortlaufend - Schweröl ersetzen, sondern auch die Preise drücken. Laut Beobachtern setzen die Behörden mehr auf Erdgas als noch vor fünf Jahren. AES Dominicana betreibt bei seinem Kraftwerk Andrés bereits eine LNG-Rückumwandlungsanlage. Geplant, aber noch nicht im Bau ist von dort die "East Pipeline" zum Kraftwerk Quisqueya I in San Pedro de Macorís. Dort wiederum gibt es Pläne für den Bau eines LNG-Terminals, die aber gestoppt sind.

GIZ berät

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt die Behörden bei der Einrichtung eines One-Stop-Shops, der für interessierte Firmen die Bürokratie vereinfachen soll. Zudem will die GIZ im Mai 2019 einen Branchenführer zu erneuerbare Energien für das Land herausgeben. Kontakt: Clemens.Findeisen@giz.de, Mobil: +1 809 669 1242.

Dieser Artikel ist relevant für:

Dominikanische Republik Geschäftspraxis allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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