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18.12.2017

Drachenfrüchte aus Vietnam erobern den Weltmarkt

Frischobst und Gemüse sind Exportschlager / Regierung will die Verarbeitung fördern / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Vietnams Ausfuhren von Frischobst und Gemüse schnellten bis zum Oktober 2017 um 42,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach oben. Exportiert werden zumeist Frischfrüchte. Eine Verarbeitung vor dem Export erfolgt kaum. Die Regierung will das ändern und die nahrungsmittelverarbeitende Industrie stärken. Dafür benötigt der Sektor entsprechende Technologien und Maschinen. Der Kundenkreis ist jedoch gerade für hochwertige Anlagen noch recht eingeschränkt.

Vietnams Nahrungsmittelverarbeitung zieht an. Die landwirtschaftliche Produktion, die im Jahr 2016 stark unter klimatischen Problemen gelitten hatte, konnte sich 2017 wieder leicht erholen und wuchs in den ersten neun Monaten des Jahres um knapp zwei Prozent. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Faktor im vietnamesischen Wirtschaftsgefüge. In den ersten neun Monaten 2017 trug der Bereich 14,6 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Land-, Fischerei- und Forstwirtschaft beschäftigen gut 40 Prozent aller Arbeitskräfte.

Obst und Gemüse sind neben Reis, Pfeffer und Cashewnüssen bedeutende Stützen der landwirtschaftlichen Produktion und wichtige Exportposten in der Außenhandelsbilanz des Landes. Die Ausfuhren von Obst und Gemüse steigerten sich bis zum Oktober des laufenden Jahres um 42,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,9 Milliarden US-Dollar (US$) und rangieren bei den Exporten landwirtschaftlicher Produkte an zweiter Stelle. Bis 2020 dürften die Obst- und Gemüseexporte auf 4,5 Milliarden US$ ansteigen, so Experten des Ministry of Agriculture auf einem durch das Handelshaus Rieckermann organisierten Seminar zum Thema "Food Processing Industry in Vietnam"

Export landwirtschaftlicher Produkte Oktober 2017
Produkt Export (in Mrd. US$) Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %) Wichtigste Abnehmerländer
Cashewnüsse 2,9 24,0 USA (36,4%), Niederlande (15,9%) und China (11,5%)
Obst und Gemüse 2,9 42,6 VR China (76%), USA (3,6%) und Korea (2,6%)
Kaffee 2,7 -1,8 Deutschland (14,6%), USA (13,1%)
Reis 2,3 23,2 China (39,3%), Philippinen (9,6%), Malaysia (8%)
Pfeffer 1,0 -20,9 USA (19,3%), Indien (6,8%) und VAE (6,0%)

Quelle: Customs Vietnam

Obst und Gemüse aus vietnamesischer Produktion sind allerdings nicht nur im Ausland, sondern auch im Land selbst gefragt. Vietnamesische Konsumenten sind gesundheitsbewusst und legen Wert auf eine ausgewogene Ernährung. Die städtische Bevölkerung kauft vermehrt in Supermärkten ein und fragt neben Frischobst und Gemüse auch bereits verarbeitete Produkte wie Säfte, Smoothies, Babynahrung oder Tiefkühlobst und -gemüse nach. Dabei wird auf eine gute Qualität geachtet.

Zu den wichtigsten im In- und Ausland nachgefragten Produkten zählt die Drachenfrucht in ihren verschiedenen Variationen. Tropenfrüchte wie Mangos, Maracujas, Pomelos, Litschis, Longans, Durianfrüchte, Orangen und Mandarinen werden ebenfalls in Vietnam angebaut und gehen in den Export. Mit Abstand bedeutendster Abnehmer ist China, gefolgt von den USA und Südkorea. Europäische Unternehmen nutzen Vietnam als Einfuhrquelle für Frischprodukte.

Obstverarbeitung noch schwach ausgebildet

Trotz dieser positiven Entwicklung steht die Branche vor erheblichen Herausforderungen. Exportiert werden in der Regel Frischobst und -gemüse. Nur rund zehn Prozent der exportierten Früchte und Gemüsesorten werden in weiterverarbeiteter Form, also getrocknet, tiefgefroren oder in Form von Pürees, Fruchtmark oder Säften in den internationalen Handel gegeben, so Matthias Ehrtmann vom Handelshaus Rieckermann.

Werden Nahrungsmittel verarbeitet, ist sowohl die Produktivität auch die Qualität der Verarbeitung vielfach noch nicht optimal. Grund hierfür ist zumeist die Verwendung veralteter Verarbeitungstechnologien. Der Export von frischem Obst und Gemüse aber ist teuer, insbesondere wenn Waren nach Übersee geliefert werden müssen. Er beinhaltet eine nur geringe Wertsteigerung und führt zur Abhängigkeit von volatilen Weltmarktpreisen.

Kleinbäuerliche Produktionsformen hemmen Investitionen

Die Regierung möchte das ändern und den Aufbau einer nahrungsmittelverarbeitenden Industrie fördern, die in der Lage ist, eigenen Mehrwert zu schaffen. Vermehrt sollen Feldfrüchte, Obst und Gemüse bereits im Land selbst zu höherwertigen Produkten verarbeitet werden. Vietnamesische Unternehmen sind angehalten, in neue Produktlinien und Technologien zu investieren und neben China weitere ausländische Märkte zu erschließen. Da im Land lediglich einfachere Maschinen hergestellt werden, muss hierfür moderne Technologie aus dem Ausland importiert werden.

Leisten können sich dies bislang in der Regel nur größere Betriebe. Der Agrarsektor ist noch stark fragmentiert, die kleinbäuerliche Landwirtschaft mit geringem Kapitaleinsatz dominiert. Bäuerliche Kooperativen und Genossenschaften, die die landwirtschaftlichen Aktivitäten bündeln und zentral Maschinen und Technologie beschaffen könnten, existieren zwar. Allerdings sind diese (quasi staatlichen) Einrichtungen organisatorisch, technologisch oder vom Informationsstand her noch nicht in der Lage die Landwirte regelmäßig bei neuen Anbau- und Verarbeitungsformen und -prozessen zu unterstützen.

Daher werden bislang noch wenig Maschinen im Ausland eingekauft. US-Comtrade verzeichnete 2016 Lieferungen von Maschinen zur Verarbeitung von Obst und Gemüse in Höhe von lediglich 9 Millionen US$. Wichtigste Lieferanten waren neben China mit Exporten im Wert von 3,7 Millionen US$ Schweden (2,2 Millionen US$) sowie Spanien (2,0 Millionen US$). Deutsche Anlagen waren 2016 mit einem Exportwert von gerade einmal 100.000 US$ wenig gefragt.

Vietnamesische Großunternehmen investieren in die Agrarwirtschaft

Allerdings wächst der Kreis potentieller Kunden. Vietnamesische Großunternehmen wie die Vingroup oder TH Milk beginnen in die Nahrungsmittelproduktion zu investieren und fokussieren sich auf den Anbau hochwertiger Obstsorten und deren Verarbeitung. TH Milk hat eine Smoothie-Reihe auf den Markt gebracht und will damit von der steigenden Nachfrage nach Convenience-Food profitieren, die sich insbesondere in den Städten entwickelt. Die staatliche Vegetexco Vietnam-Gruppe verarbeitet Obst und Gemüse nach internationalen Vorgaben. Das Unternehmen Lavifood hat im Mai 2017 mit dem Bau einer Obst- und Gemüseverarbeitungsanlage mit einer Gesamtinvestition in Höhe von 66 Millionen US$ begonnen. Die Technologie dazu soll Unternehmensberichten zufolge aus Deutschland, Schweden, Italien und Japan bezogen werden. Ende 2018 soll es in die Produktion gehen.

(F.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Getränke, Nahrungsmittel

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