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07.11.2018

Druckindustrie in Indien im Aufschwung

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Druckereien expandieren und modernisieren Maschinenparks / Von Thomas Hundt (September 2018)

New Delhi (GTAI) - Indiens Verpackungsbereich legt kräftig zu. Der Druck von Büchern und Zeitungen wächst ebenfalls. Druckereien automatisieren und digitalisieren ihre Technik.

Druckgewerbe: Hohe Wachstumsraten im internationalen Vergleich

Allgemeine Markttrends: Geschäftsklima hellt sich auf

Indien, die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, entwickelt sich rasant. Das Bruttoinlandsprodukt wird in den nächsten zehn Jahren das von Deutschland überholen. Konjunkturforscher erwarten im laufenden Finanzjahr 2018/19 (1. April 2018 bis 31. März 2019) ein reales Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent und im folgenden Jahr von 7,6 Prozent. Privater Verbrauch und Anlageinvestitionen befinden sich im Aufschwung. Im Jahr 2019 stehen außerdem Wahlen an, welche die Nachfrage nach Werbedrucksachen beflügeln werden.

Das Druckgewerbe in Indien weist im internationalen Vergleich hohe Wachstumsraten auf. Die auf die Druckbranche spezialisierte Marktforschungsfirma IppStar schätzt, dass der Verpackungsdruck 2018 nominal um etwa 10 Prozent zulegt, während die anderen Segmente mit hohen einstelligen Raten wachsen.

Druckereien werden in den nächsten Jahren ihre Ausrüstungen erweitern und modernisieren. Effizientere Maschinen, die Aufwand und Stückkosten senken, werden gefragt sein, weil steigende Papierpreise, höhere Löhne und Energiekosten, produktivere Prozesse erfordern. Auch die Umweltauflagen werden strenger. Die Firmen stehen zudem in einem intensiven Wettbewerb und wollen innovative Verfahren einsetzen. Diese Trends steigern die Absatzchancen der ausländischen Anbieter von Drucktechnik.

Einige Druckfirmen holen derzeit Investitionen nach. Sie hatten sich 2017 mit größeren Anschaffungen zurückgehalten. Ihnen bereitete eine Bargeldreform Schwierigkeiten, die den privaten Verbrauch abkühlte. Außerdem trat am 1. Juli 2017 eine grundlegend neue, erstmals landesweit einheitliche Mehrwertsteuer Goods and Service Tax (GST) in Kraft. Druckereien erhalten seitdem beim Kauf von Druckmaschinen die darauf gezahlte GST als Vorsteuer zurück. Der Steuersatz auf Druckmaschinen beträgt 18 Prozent. Die Steuersätze für Druckerzeugnisse und -dienstleistungen sind allerdings nicht einheitlich. Sie betragen je nach Produktgruppe 0, 5, 12 oder 18 Prozent.

Die neue Steuererfassung und digitale Steuerabrechnung stellen schlecht organisierte Unternehmen noch vor Probleme. Einige hatten bis zur Einführung der nationalen Mehrwertsteuer keine Abgaben entrichtet und gehören zum sogenannten informellen Sektor.

Qualität und Effizienz spielen eine zunehmende Rolle

Der Bestand an alter oder halbautomatischer Drucktechnik ist noch relativ hoch. Druckereien haben viele gebrauchte Anlagen importiert oder einfache indische Modelle installiert. Sie wollen künftig aufrüsten, um flexibler zu arbeiten. Auch ihre zunehmende Exportorientierung professionalisiert die Branche.

In großen Metropolen sind die Ansprüche an Printmedien und Akzidenzdrucksachen gestiegen. Anbieter von hochwertigen Druckmaschinen berichten, dass Druckereien in mittelgroßen Städten inzwischen ebenfalls eine dynamische Nachfrage entwickeln. Der Vertrieb muss daher über Kontakte in der Peripherie verfügen.

Fehlendes Eigenkapital und hohe Kreditzinsen können die Investitionsabsichten allerdings einschränken. Außerdem mangelt es an ausgebildeten Technikern, die komplexe Maschinen fachgerecht bedienen, daher sind Schulungen ein wichtiger Teil des Marketings.

Zeitungen/Zeitschriften: Die Auflagen wachsen noch

Die Einnahmen von Zeitungen und Magazinen steigen. Sie legten nach Berechnung der Beratungsgesellschaft KPMG von 2011 bis 2016 im Schnitt um 7,8 Prozent zu und erreichten umgerechnet rund 4,5 Milliarden US-Dollar (US$). Verlage rechnen aufgrund steigender Alphabetisierung und zunehmender Leserschaft mittelfristig mit steigenden Auflagen. Digitale Formate werden den Printmedien langfristig aber einen Teil der Leser entreißen.

Die Analysefirma IppStar schätzt, dass landesweit allein 800 Tageszeitungen in Hindi mit einer Gesamtauflage von ungefähr 50 Millionen Kopien gedruckt werden und schätzt, dass die Auflagen bis 2023 auf etwa 55 Millionen Stück steigen werden. Während kleinere Zeitungen an Bedeutung verlieren, wachsen die größeren Zeitungsverlage. Die zwanzig größten geben etwa die Hälfte der Auflagen heraus.

Das Blatt Dainik Jagarn erschien laut letzten Angaben des Audit Bureau Of Circulations in der 1. Jahreshälfte 2017 mit einer täglichen Auflage von 4 Millionen. Die Zeitung Dainik Bhaskar folgte mit 3,8 Millionen Exemplaren, Hindustan mit 3,7 Millionen und Amar Ujala 2,7 Millionen. Diese Zeitungen sind in Hindi verfasst. Die englischsprachige Tageszeitung The Times of India kam auf 2,7 Millionen Exemplare.

Die Preise für Zeitungspapier (45 Gramm pro Quadratmeter) sind seit November 2017 um etwa ein Viertel gestiegen. Die Herausgeber stehen unter Kostendruck und lagern den Druck zunehmend aus. Der Anteil des Lohndrucks von Zeitungen und Zeitschriften nimmt zu, denn die Anschaffung und der Betrieb neuer Druckmaschinen lohnen sich nur, wenn sie hinreichend ausgelastet sind.

Werbedruck/Geschäftsdruck/Formulardruck: Wenige Impulse im Akzidenzdruck

Die Nachfrage nach Geschäftsdrucksachen, Formularen und Broschüren wuchs laut Industrievertretern in den letzten Jahren im Schnitt mit Raten zwischen 10 und 15 Prozent. Langfristig rechnen Branchenvertreter mit einem eher sinkenden Bedarf an Formularen. Steuerabrechnungen und Geschäftsverkehr werden zunehmend elektronisch abgewickelt. Auch die Nachfrage nach Schreibwaren und Kalendern schwächt sich laut Brancheninformationen tendenziell ab.

Der Markt für Werbedruckerzeugnisse legt von einem geringen Niveau ausgehend zu. Firmen setzen für das Marketing auf Prospekte und Kataloge. Auch bedruckte Werbegeschenke finden bei Kunden zunehmend Anklang. Banner, Fahnen und Poster werden in der Außenwerbung und für Veranstaltungen benötigt. Im Jahr 2019 stehen zudem Wahlen an, das heißt die Parteien werden ihre Werbeausgaben kräftig steigern.

Der kommerzielle Druck von kleinen Auflagen ist sehr wettbewerbsintensiv. Erfolgreiche Betriebe, die mit Gebrauchtmaschinen arbeiten, ersetzen diese durch neue, moderne Maschinen. Die Betriebe achten zunehmend auf kurze Einricht- und Umrüstzeiten. Ihr Blick richtet sich auf vollausgestattete Modelle mit automatisierten Komponenten, Sensoren und smarten Zusatzfunktionen.

Bücher: Alphabetisierung und zunehmende Bildung treiben Nachfrage an

Die Marktforschungsfirma Nielsen führte die letzte Analyse des Buchmarktes durch. Nielsen erfasste nur die Verkäufe in Großstädten und ermittelte im Buchhandel im Finanzjahr 2014/15 (1. April bis 31. März) Umsätze von circa 4,3 Milliarden US$. Schon ohne Einbezug des Absatzes in ländlichen Gebieten ist Indien weltweit der sechstgrößte Büchermarkt. Bis 2022 sollen die Verkäufe auf über 10 Milliarden US$ steigen.

Familien und der Staat geben immer größere Summen für Lehrbücher aus. Schulbücher machten 2014/15 rund 72 Prozent der Umsätze im Buchhandel aus. Hochschulbücher folgten mit einem Marktanteil von 22 Prozent. Belletristik sowie sonstige Literatur erzielten nur 6 Prozent der Erlöse.

Beim überwiegenden Teil der ungefähr 10.000 Buchverlage handelt es sich um kleine, familiengeführte Firmen. Die großen Publisher dominieren allerdings. Die zwei größten im Segment Schulbücher verlegen ungefähr 70 Prozent der Schulpublikationen. Navneet betreibt vier eigenen Druckbetriebe, der Umsatz lag 2016/17 bei circa 167 Millionen US$. S.Chand verfügt über zwei Druckbetriebe, der Gruppenumsatz erreichte 2016/17 etwa 102 Millionen US$. Internationale Buchverleger erobern Marktanteile. Die großen Konzerne Penguin Random House, HarperCollins, Macmillan, Hachette sind bereits vor Ort aktiv.

Verpackungsdruck und Etiketten: Einer der weltweit interessantesten Märkte

Die Studie "Worldwide Market for Print 2.0: Global Opportunities in Packaging" des deutschen Maschinenbauverbandes VDMA prognostiziert, dass der indische Verpackungsdruckmarkt von 2016 bis 2020 von 12,2 Milliarden auf 18,6 Milliarden US$ zulegen werde. Indien wird 2020 Deutschland überholen und im Verpackungssektor weltweit an vierter Stelle liegen. Auch Druckmaschinenanbieter erwarten in diesem Segment Umsatzsprünge.

Umsätze in Indiens Verpackungsdruck (in Mrd. US$)
2016 2020 *)
Flexible Verpackungsmaterialien 3,7 5,6
Wellpappe 3,6 5,5
Faltschachteln 2,6 3,9
Etikettendruck 1,4 2,2
Andere (u.a. Direktdruck auf Glas und Metall) 0,9 1,4
Insgesamt 12,2 18,6

*) Prognose

Quelle: Studie des VDMA, US-Drucktechnikverband NPES und Economist Intelligence Unit

Der Nachholbedarf ist immens, weil viele Produkte noch unverpackt veräußert werden. Hersteller und Konsumenten entfalten aber höhere Ansprüche an Lebensmittelsicherheit und Verpackungsdesigns. Moderner Einzelhandel und E-Commerce breiten sich aus und verändern die Verpackungsindustrie.

Die Textil- und die expandierende Lebensmittel- und Getränkeindustrie zählen zu den wichtigsten Abnehmern von Verpackungsmaterialien, gefolgt von Herstellern von Körperpflegemitteln, Kosmetika und Arzneimitteln. Indien ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Generika. Die Produzenten stellen international vergleichbare Anforderungen an die Druckqualität und Sicherheitskennzeichnung.

Der Umsatz im flexiblen Verpackungsdruck dürfte von 2016 bis 2020 von 3,7 Milliarden auf 5,6 Milliarden US$ steigen. Auch die Analysten von IppStar meinen, dass 2018 circa 90 Prozent der größeren Hersteller im Verpackungssegment optimistisch gestimmt seien und neue Maschinen bestellen wollen. Sie hatten hauptsächlich Tiefdrucktechnik eingesetzt, schwenken inzwischen eher auf Flexodruck um.

Verpackungsindustrie soll sich von Kunststoffen verabschieden

Die Fertigung von flexiblen Verpackungen werde mittelfristig schneller zulegen als die von starren Materialien, meinen Fachleute. Die meisten Verpackungen sind aus Kunststoff, gefolgt von solchen aus Pappe. Plastikmüll verschmutzt die Umwelt in Indien erheblich. Premierminister Narendra Modi kündigte im Juni 2018 an, dass bis 2022 Einwegplastikverpackungen abgeschafft werden.

Die Bundesstaaten Maharashtra und Uttar Pradesh haben daraufhin ein Plastikverkaufsverbot eingeführt, weitere Regionen werden folgen. Handel und Verpackungsindustrie warten noch Umsetzungsrichtlinien und mögliche Ausnahmen ab. Die Produzenten von Behältern, Beuteln und Verpackungen aus Papier spüren schon Aufwind und rechnen mit zusätzlichen Aufträgen.

Im Wellpappendruck besteht trotz des Marktwachstums ein Verdrängungswettbewerb. Ineffiziente Produzenten von Wellkarton werden künftig von größeren Anbietern verdrängt werden, meinen Fachleute. Die großen Betriebe arbeiten nach Branchenangaben hauptsächlich mit Maschinen von Bobst (Schweiz), von EMBA (Schweden) oder BHS (Deutschland) ein.

Die aufstrebende Getränkeindustrie setzt auf Glas, Dosen und Plastikflaschen mit und ohne Pfand. Auch der Absatz von aseptischen Verpackungen von Flüssigkeiten werde sich nach Angaben des indischen Herstellers Uflex von 2017 bis 2020 auf 20 Milliarden Stück verdoppeln. Tetra Pak expandiert ebenfalls in diesem Segment. Unter anderem benötigt die Molkereiindustrie bessere Verpackungen. Indien ist der weltweit größte Hersteller von Milch und Milchprodukten.

In der Verpackungsbranche sind mehrheitlich kleine bis mittelständische Unternehmen aktiv, von denen viele noch mit halbautomatischen Maschinen arbeiten. Den Ton geben zunehmend Großkonzerne an, die auch weltweit in neue Fabriken investieren.

Größte Aktiengesellschaften im Verpackungssektor Indiens (Umsätze in Mio. Euro) 1)
Firma 2016/17 2) 2017/18 2)
Uflex 514 486
Jindal Poly Films 335 391
Huhtamaki PPL 285 k.A.
Time Technoplast 217 239
Flexituff International 178 153
Polyplex Corporation 129 144
Garware Polyester 117 109
Essel Propack 108 110
Ester Industries 96 107
Xpro India 42 40

1) Durchschnittlicher Wechselkurs 2016/17: 1 Euro = 73,6 indische Rupien (iR), 2017/18: 1 Euro = 75,5 iR; 2) Finanzjahre vom 1.4. bis 31.3.

Quelle: Moneycontrol

Die Federation of Corrugated Box Manufacturers schätzt die Zahl der Produzenten von Pappschachten auf über 12.000, jedoch arbeiten nur circa 200 mit vollautomatisierten Anlagen. Die Produktionsmenge soll 5,2 Millionen Tonnen betragen.

Marktbeobachter beziffern das Wachstum der klein- bis mittelständischen Etikettenindustrie auf circa 15 Prozent. Die Spezialisten haben in größerem Umfang in neue Labeldruckmaschinen investiert. Auch große Verpackungsdruckbetriebe erweitern ihr Spektrum um Etiketten, daher bestehen an einigen Orten schon Überkapazitäten.

Marktstruktur/Wettbewerb: Druckindustrie steht im Verdrängungswettbewerb

Der Verband All India Federation of Master Printers schätzt die Zahl der Druckereien auf rund 250.000 mit insgesamt 1,5 Millionen Mitarbeitern. Die mittelständisch geprägte Industrie ist allerdings schwer zu erfassen. Viele Kleinbetriebe sind weder Mitglieder in Verbänden, noch geben sie statistische Daten ab. Sie gehören zum sogenanntem unorganisierten Sektor und haben sich nicht offiziell registriert.

Das Statistikamt ermittelte im Finanzjahr 2015/16 nur 3.739 aktive Druckbetriebe, die im Durchschnitt 42 Mitarbeiter beschäftigten. Ihr Produktionswert lag bei umgerechnet 5,8 Milliarden US$.

Druckindustrie in Indien
2014/15 1) 2015/16 1)
Erfasste Betriebe 3.783 3.739
Beschäftigte 169.996 155.196
Output 2) 7.048 5.798
Wert an Maschinen, Anlagen und Bauten 2) 2.449 2.147
Bruttoanlageninvestitionen 2) 431 263

1) Finanzjahre vom 1. April bis 31. März 2) in Millionen US$

Quelle: Annual Survey of Industries, Ministry of Statistics and Programme Implementation (MOSPI)

Herstellung von Druckerzeugnissen und Vervielfältigung von bespielten Medien (reale Veränderung der Produktion in %)
2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18
9,3 -5,5 3,8 2,1 -5,9

Quelle: Ministry of Statistics and Programme Implementation

Rund um die größte Wirtschaftsmetropole des Landes, Mumbai im Bundesstaat Maharashtra, sind die meisten Druckereien zu finden. In diesem Bundesstaat werden ungefähr ein Fünftel der Druckerzeugnisse produziert. Es folgen die bevölkerungsreichen Bundesstaaten Uttar Pradesh (15 Prozent des Produktionswertes), Tamil Nadu (12 Prozent) und Karnataka (10 Prozent).

Insbesondere in großen Metropolen bestehen zum Teil Überkapazitäten an modernen Maschinen und harter Konkurrenzdruck. Druckbetriebe in mittelgroßen Städten hatten bisher in einfache Druckmaschinen oder gebrauchte Anlagen investiert. Dies reichte für preissensible Kunden, die geringe Anforderungen an Wertarbeit und Pünktlichkeit stellen, heißt es. Inzwischen bestellen auch sie eher neue Maschinen und Ausrüstungen.

Unter den Betrieben finden sich sowohl heimische Firmen als auch Niederlassungen internationaler Konzerne. Die deutsche Burda Druck eröffnete 2009 eine Druckerei in Noida bei Delhi. Sie druckt Bücher, Magazine und Kataloge für in- und ausländische Kunden. Auch die großen Medienhäuser wie India Today Media Group mit der Druckfirma Thomson Press, oder die Verlage DB Corp. Bennett, Coleman and Co drucken teilweise selbst.

Digitaldruck findet zunehmend Anklang

Fachleute schätzen die Umsätze im Digitaldruck auf 4 Milliarden US$. Mittlere Betriebe bieten Offset oder Digital beim Bogendruck ein. Die Schmalbandetikettendruckbranche experimentiert mit digitalen Maschinen. Hohe Kosten von Digitaldruckmaschinen und unsichere Akzeptanz schrecken die Betriebe von größeren Investitionen in digitale Maschinen aber noch ab.

Verlagsgewerbe: Fragmentierte Branche

Die Behörde Registrar of Newspapers for India (RNI) registrierte im März 2017 insgesamt 114.820 Publikationstitel. Davon waren 16.993 Zeitungen, der Rest entfiel auf Zeitschriften und andere Periodika. Die Gesamtauflage der Tages-, Wochenzeitungen und anderer Titel soll 2016/17 laut RNI bei 488 Millionen Exemplaren gelegen haben.

Der Medienkonzern Bennett, Coleman & Co gilt als der größte Herausgeber von Printmedien, unter anderem der renommierten Zeitung Times of India. Das Familienunternehmen erzielte 2017/18 Einnahmen von 950 Millionen US$. Weitere größere Printmedienkonzerne sind HT Media (2017/18: 416 Millionen US$), DB Corp. (365 Millionen US$) sowie Jagran Prakashan (295 Millionen US$). Die Deccan Chronicle Holdings soll sich in einem Insolvenzverfahren befinden.

Die Eigenkapitalobergrenze für ausländische Niederlassungen, die Printmedien mit aktuellen Nachrichteninhalten herausgeben möchten, beträgt 26 Prozent. In den anderen Bereichen des Verlagswesens kann eine 100 Prozent eigene Tochtergesellschaft gegründet werden. Diese Chance nutzen internationale Medienkonzerne zunehmend. Von April 2000 bis Juni 2018 flossen 7.175 Millionen US$ an Foreign Direct Investment in Medienbranchen und 927 Millionen US$ in den Buchdruck.

Größere ausländische Buchverleger sind beispielsweise Hachette, Random House, Simon and Schuster, Bloomsbury und Harlequin. Amazon kaufte Ende 2016 den indischen Verlag Westland. Die drei Büros des deutschen Verlages Springer Science and Business Media verbreiten wissenschaftliche Bücher und Journale. Die Tochter der Hubert Burda Media in Delhi verlegt Zeitschriften.

Werbung: Werbeausgaben legen auch im Printbereich zu

Das internationale Medienunternehmen GroupM schätzt den indischen Werbemarkt im Jahr 2018 auf 9,9 Milliarden US$ (+13 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Es besteht weiterhin Nachholbedarf. In China, wo ebenfalls 1,4 Milliarden Menschen leben, geben Werbetreibende fast das Zehnfache aus.

Knapp die Hälfte der gesamten Werbeausgaben fließt in TV-Werbung. Für 2018 rechnet GroupM mit einem Plus von 13 Prozent. Am stärksten wachsen indes wie überall auf der Welt die Werbeeinnahmen der digitalen Medien (+30 Prozent).

Auch die Anzeigen in Zeitungen legen zu. GroupM erwartet 2018 eine Zunahme der Ausgaben um 4 Prozent auf umgerechnet 2,6 Milliarden US$. Werbetreibende können mit Zeitungsanzeigen vor allem ländliche Regionen gut erreichen. Die Reklame in Zeitschriften dürfte jedoch zurückgehen. Die Anzeigeneinnahmen der Magazine schrumpfen tendenziell.

Einige Druckbetriebe spezialisieren sich auf das Segment Außenwerbung. Der Markt für Außenwerbung legt mit 15 Prozent schnell zu und wird 2018 auf circa 480 Millionen US$ geschätzt. Einzelhändler setzen zunehmend Werbetafeln, Poster und Banner ein, und große Markenanbieter investieren in Kampagnen mit großflächigen Billboards, die sich im Straßenbild ausbreiten. Werbeflächen im expandierenden öffentlichen Nahverkehr werden im Rahmen der Verkehrsmittelwerbung immer stärker genutzt. Konkurrenz durch digitale Außenwerbung (Digital Out of Home) spielt in dem Schwellenland noch eine Nischenrolle.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
All India Federation of Master Printers (AIFMP) http://aifmp.org/page_detail.php?page=1 Verband
Indian Printing Packaging and Allied Machinery Manufacturers Association (IPAMA) http://www.printpackipama.com Verband organisiert Messe Printpack vom 1.2.-6.2.19
Label Manufacturers Association of India (LMAI) http://www.lmai.in Verband
Ipp Services, Training and Research Company (IPP Star) http://www.ippstar.org Marktforschung und Trainings
PrintWeek http://www.printweek.in Fachmagazin
Indian Printer and Publisher Magazine http://www.indianprinterpublisher.com Fachmagazin
Indiamart http://www.indiamart.com E-Commerce Plattform für Industriegüter

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Indien sind unter http://www.gtai.de/indien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Druck-, Verlagserzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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