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25.09.2019

Dubai und Abu Dhabi konkurrieren um Seefracht

Khalifa Port expandiert mit chinesischer Hilfe / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Der Jebel Ali Port in Dubai wird seine regionale Führungsposition nicht verlieren. Aber der Wettbewerb wächst. Auch der Khalifa Port in Abu Dhabi bietet sich als Alternative an.

Schon heute ist der Hafensektor in der GCC-Region (Gulf Cooperation Council) durch Überkapazitäten gekennzeichnet. Dennoch wird weiterhin kräftig in den Hafenausbau investiert. Es ist allerdings davon auszugehen, dass viele geplante Projekte noch einmal auf den Prüfstand kommen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind die beiden Großhäfen, der Jebel Ali Port in Dubai und der Khalifa Port in Abu Dhabi, nur etwa 60 Kilometer voneinander entfernt. Obwohl der erst seit 2012 operierende Khalifa Port versucht, in Kooperation mit der VR China neues Transitgeschäft zu generieren, dürfte das Wachstum des Khalifa Port erheblich von Abwerbungen in Jebel Ali abhängen.

Jebel Ali mit deutlicher Überkapazität

Der zu Dubai Ports World (DP World) gehörende, 1979 eröffnete Jebel Ali Port war 2018 nach Containerumschlag weltweit der zehntgrößte Containerhafen. Mit dem 2014 fertiggestellten Terminal 3 stieg die Gesamtkapazität um 4 Millionen auf 19 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit). Der Terminal 4 mit einer Kapazität von etwa 3 Millionen TEU ist weitgehend fertig. Es gibt Pläne zur Erweiterung des Terminal 4 auf 7,8 Millionen TEU, allerdings scheint der Ausbau derzeit auf Eis zu liegen.

Zunächst soll der Terminal 4 genutzt werden, um die zur Durchführung von Modernisierungsarbeiten notwendige teilweise Schließung des Terminals 1 auszugleichen. DP World erklärte im März 2019, die ungünstige Marktentwicklung bietet die Chance, Terminal 1 zu modernisieren. Informationen über detaillierte Investitionspläne für Terminal 1 liegen noch nicht vor. Die strategische Planung, bis 2030 die Kapazitäten in Jebel Ali auf 50 Millionen TEU aufzustocken, erscheint derzeit unrealistisch.

Der Terminal 4 wird ein innovatives Container-Hochlager (High Bay Storage System) erhalten. Das System ermöglicht eine Container-Stapelung auf elf Etagen. Jeder Container ist ohne Bewegung anderer Container zugänglich. Hersteller dieses Lagersystems ist die deutsche SMS Gruppe. Das Projekt wurde Ende 2018 vereinbart und soll 2020 fertiggestellt sein.

Seit Jahren arbeitet der Jebel Ali Hafen mit einer relativ geringen Auslastung. Den seit 2014 verfügbaren Kapazitäten von 19 Millionen TEU stand 2018 ein Containerumschlag von nur 15 Millionen TEU gegenüber (2017: 15,4 Millionen TEU; 2016: 14,8 Millionen TEU). Im ersten Halbjahr 2019 wurde gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode ein Rückgang um 7,4 Prozent auf 7,7 Millionen TEU registriert.

Abu Dhabis Khalifa Port im Fokus der Seidenstraßenoffensive

Der Khalifa Port hat im Dezember 2018 einen weiteren Container-Terminal offiziell eröffnet. Der Terminal wird von Chinas COSCO Shipping Ports (CSP) finanziert und betrieben. Die Konzession hat eine Laufzeit von 35 Jahren. CSP ist eine Tochter der China COSCO Shipping Corporation. Das weltweite COSCO-Netz von 37 Häfen mit 285 Liegeplätzen ist ein wichtiges Element der chinesischen Seidenstraßenoffensive. Anlässlich der Eröffnung des CSP-Terminals erklärte der CEO von Abu Dhabi Ports, Mohamed Juma Al Shamisi, Abu Dhabis strategische Lage als Gateway zur MENA-Region mache den Hafen zu einem bedeutenden Partner von Chinas Initiative "Neue Seidenstraße".

In den neuen Terminal hat CSP bislang etwa 300 Millionen US-Dollar investiert, letztlich sollen es 450 Millionen US$ werden. Der Hauptbauauftrag ging an die China Harbour Engineering Company. Weitgehend fertiggestellt ist nur die erste Ausbauphase des CSP-Terminals mit einer Kapazität von 1,5 Millionen TEU und einer Kailänge von 1,2 Kilometer. Nach vollem Ausbau sollen 2,5 Millionen TEU erreicht werden, ursprünglich waren sogar 3,5 Millionen TEU geplant.

Der mit Eröffnung des Khalifa Ports 2012 in Betrieb genommene Container-Terminal 1 verfügt über eine Kapazität von 2,5 Millionen TEU. Der Hafen kann zudem 12 Millionen Tonnen andere Fracht abfertigen. Bis 2030 soll der Khalifa Port auf eine Kapazität von 15 Millionen TEU und 35 Millionen Tonnen "General Cargo" erweitert werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre ist eine Erhöhung der Container-Kapazität von aktuell 4 Millionen (Terminal 1 und CSP-Terminal) auf 9 Millionen TEU angestrebt.

Am CSP-Terminal wurden im April 2019 die ersten zwei großen Container-Schiffe abgefertigt. Im Mai kamen zwei Mega-Containerschiffe (über 20.000 TEU) an. Der Terminal befindet ich weiterhin in der Testphase, der Vollbetrieb soll in Kürze aber beginnen.

Durch die Einbindung des Khalifa Port in das weltweite COSCO-Netz wird sich der Containerumsatz spätestens 2020 deutlich erhöhen. Offiziellen Angaben zufolge sank der Container-Umsatz 2017 um 9 Prozent auf etwa 1,4 Millionen TEU. Daten für 2018 liegen noch nicht vor, Schätzungen gehen von rund 1,5 Millionen TEU aus.

CSP will im Khalifa Port eine große Container Fracht Station (CFS) betreiben. Mit dem Bau einer entsprechenden 275.000 Quadratmeter Halle für 57 Millionen US$ wurde im April die China Harbour Engineering Company beauftragt. Die CFS wird auch einen Service für die Konsolidierung kleinerer Container-Fracht (LCL; Less than Container Load) anbieten.

Mit dem Bau eines zweiten CSP-Terminals im Khalifa Port ist Anfang 2019 begonnen worden, die geplante Kapazität wird mit noch einmal 2,5 Millionen TEU angegeben. Den 218 Millionen US$ Hauptauftrag hat Abu Dhabis staatliche National Marine Dredging Company erhalten. Das Projekt umfasst unter anderem die Verlängerung der Kaimauer sowie eine Vertiefung des Hauptkanals und des Hafenbeckens. Die Container-Kräne werden von der Toshiba Mitsubishi-Electric Industrial Systems Corporation geliefert.

Der Betreiber des Container-Terminal 1, die Abu Dhabi Ports Tochter Abu Dhabi Terminals (ADT), arbeitet in Kooperation mit der in Genf ansässigen Mediterranean Shipping Company (MSC) am Ausbau des Hafens. Im Mai 2018 hat MSC mit Abu Dhabi Ports einen Joint Venture Vertrag und eine Konzessionsvereinbarung (Laufzeit: 30 Jahre) unterzeichnet. Ein 800 Millionen US$ Auftrag zur Erweiterung des Container-Terminals 1 wurde Ende 2018 an die China Harbour Engineering Company vergeben. MSC will einen Teil ihrer Aktivitäten von Jebel Ali zum Khalifa Port verlagern.

Hafen von Fujairah wird ausgebaut

Abu Dhabi Ports hat 2017 von der Fujairah Port Authority eine 35-jährige Betreiberkonzession erhalten und Fujairah Terminals gegründet. Der Hafen in Fujairah ist für die VAE von hoher strategischer Bedeutung, weil er außerhalb des Persischen Golfs liegt. Abu Dhabi Ports will in Fujairah etwa 270 Millionen US$ investieren und bis 2030 die Kapazitäten auf 1 Million TEU und 0,7 Millionen Tonnen Massen- und Stückgut ausbauen. Im Juli 2018 erhielt Belgiens Besix einen 80 Millionen US$ Auftrag, der eine Vertiefung der Liegeplätze auf 16,5 Meter, den Bau eines 1 Kilometer langen Kais und die Schaffung von 300.000 Quadratmeter Lagerfläche vorsieht.

Die Fujairah Port Authority plant einen neuen Hafen in Dibba für 200 Millionen US$. Das Projekt soll in vier Paketen vergeben werden. Angebote liegen seit April 2019 vor, mit der Vergabe wird noch 2019 gerechnet. Als Berater ist das US-Unternehmen CH2M engagiert. Über den Hafen sollen die Ausfuhren der lokalen Steinbrüche laufen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in den VAE können Sie unter http://www.gtai.de/vereinigte-arabische-emirate abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Wasser-, Hafenbau

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