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15.10.2018

Ecuador verdoppelt die Windkapazität, hängt aber noch an Wasserkraft und Öl

Reaktivierung von fünf Wasserkraftprojekten im Visier / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Ecuador baut den vierten Windpark im Land aus und versucht, Wasserkraftprojekte zum Laufen zu bringen. Gleichzeitig setzt der Staat auf Verträge mit der Ölwirtschaft.

Eine Verdoppelung der Windkapazität klingt auf den ersten Blick beeindruckend. Wegen der geringen Ausgangsbasis in Ecuador genügt dazu allerdings der Ausbau eines von insgesamt vier Windparks. Bis Anfang 2020 sollen im Windpark Minas de Huascachaca - 84 Kilometer südwestlich der Stadt Cuenca - 25 Turbinen entstehen.

Der staatliche Stromerzeuger Elecaustro will das 50-Megawatt-Projekt mit dem Unternehmen Hidroequinoccio umsetzen. Für den Windpark veranschlagt Elecaustro 82 Millionen US-Dollar (US$); für die zugehörige Übertragungsinfrastruktur 10,7 Millionen US$.

Bisher stammt die Windkraft des Landes aus Villonaco, dem ersten Windpark des Landes, der 2013 in Betrieb genommen wurde (16,5 Megawatt), sowie den Werken El Tropezón (2,4 Megawatt) und Baltra (2,3 Megawatt) auf den Galápagos-Inseln.

Der Anteil der erneuerbaren Energie an der Nominalkapazität ist in Ecuador verschwindend gering. Im Mai 2018 teilte sich die Gesamtkapazität von 8.068,7 Megawatt wie folgt auf: Wasserkraft (56,0 Prozent), fossile Quellen (41,5), Solar- (0,33), Windkraft (0,26), Biomasse (1,8) sowie Biogas (0,09 Prozent).

Reaktivierung von Wasserkraftprojekten angestrebt

Der Bau von acht Wasserkraftwerken soll fossile Energieträger ersetzen. Doch fünf der acht Wasserkraftprojekte stehen im Herbst 2018 still: Delsitanisagua mit einer geplanten Leistung von rund 1.410 Gigawatt pro Jahr, Toachi-Pilatón mit 1.100 Gigawatt, Mazar Dudas mit einer angestrebten Kapazität von 125 Gigawatt, Minas San Francisco von 270 Megawatt sowie Quijos mit 50 Megawat. Obwohl Delsitanisagua zu fast 93 Prozent fertig gestellt ist, hinkt es dem Zeitplan am weitesten hinterher. Es gibt Probleme mit den Kühlpumpen. In anderen Fällen kommt es zu Verzögerungen, weil Auftragnehmer die Arbeiten nicht rechtzeitig oder nicht wie vereinbart ausgeführt haben, anderen ging das Geld aus.

Der ecuadorianische Energieminister Carlos Pérez kündigte Maßnahmen zur Reaktivierung der Wasserkraftprojekte an. Hierzu zählen eine unabhängige Analyse, um angemessene technische und betriebliche Bedingungen zu gewährleisten. Diese Analyse soll eine spezialisierte externe Firma leisten, die transparent durch einen Wettbewerb ausgewählt wird. Zudem kündigte Minister Pérez ein Audit aller acht Wasserkraftprojekte durch den Rechnungshof an.

Unterdessen wurde bekannt, dass das größte der in Betrieb befindlichen Wasserkraftwerke Coca Codo Sinclair Risse aufweist: Eine technische Prüfung steht noch aus. Mit einer Kapazität von 1.500 Megawatt liefert das 2,1 Milliarden US$ teure Wasserkraftwerk 30 Prozent des Energiebedarfs des Landes.

Schwieriger Standort für Ölunternehmen

Die Bemühungen zur Diversifizierung des Energiesektors haben bisher nur zu bescheidenen Ergebnissen geführt. Die Produktion von Erdöl wird auch mittelfristig die Wirtschaft dominieren. Die Einnahmen aus der Erdölförderung machen ein Drittel der Staatseinnahmen aus. Nach Venezuela und Brasilien verfügt Ecuador über die drittgrößten Erdölreserven Südamerikas.

Die geologischen Risiken zählen Experten zufolge in Ecuador zu den niedrigsten unter den lateinamerikanischen Nachbarn. Dennoch belegt der Andenstaat in der Umfrage "Global Petroleum Survey 2017" des Fraser Instituts Platz 93 von 97. Dieser Bericht präsentiert die Ergebnisse einer Umfrage zu den Barrieren für Investitionen in Öl- und Gasexplorations- und -produktionsanlagen. Zu den von den Umfrageteilnehmern beurteilten Hindernissen in Ecuador gehören hohe Steuersätze, kostspielige rechtliche Verpflichtungen und Ungewissheit über Umweltvorschriften.

Produktionsbeteiligungsvertrag wieder möglich

Präsident Lenin Moreno will die Bedingungen für internationale Unternehmen verbessern, um Investitionen anzuziehen. Dazu führte er den Produktionsbeteiligungsvertrag (Production sharing agreement, PSA) wieder ein, bei dem sich eine oder mehrere Unternehmen und das Gastland die Erdölproduktion nach einem festgelegten Schlüssel teilen. Dieser war unter dem ehemaligen Präsidenten Rafael Correa ausgesetzt und durch einen Dienstleistungsvertrag ersetzt worden.

Im Mai 2018 hatte Moreno den Zusammenschluss der Ministerien für Elektrizität und erneuerbare Energien und des Ministeriums für Bergbau zum neuen "Ministerium für Energie und nicht erneuerbare Naturressourcen" bekanntgegeben.

Kontaktadresse

Instituto Nacional de Eficiencia Energética y Energías Renovables (INER),

Staatliches Forschungsinstitut für Energieeffizienz und Erneuerbare Energie

Av. 6 de diciembre N33-32 e Ignacio Bossano, Edificio Torre Bossano, Quito

T +593 2 - 23 93 13 90

http://www.iner.gob.ec

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ecuador sind unter http://www.gtai.de/ecuador abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ecuador Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft

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