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14.02.2019

E-Health in den Niederlanden stockt auf hohem Niveau

Regierung investiert 90 Millionen Euro / Von Marte-Marie van den Bosch

Den Haag (GTAI) - E-Health wird in den Niederlanden zwar groß geschrieben, aber kommt noch nicht richtig in Schwung. Gute Perspektiven ergeben sich vor allem in der häuslichen Pflege.

Die Niederlande streben im Bereich E-Health eine internationale Spitzenposition an. Das Land setzte sich 2014 mehrere Ziele, die Ende 2019 erreicht werden sollen: Mindestens 80 Prozent der chronisch Kranken und 40 Prozent der übrigen Patienten sollen Zugang zu ihren medizinischen Daten erhalten. Medikationsinformationen und Untersuchungsergebnisse können in Apps oder Webportalen abgerufen werden. Drei Viertel der chronisch Kranken und Senioren führen selbst Untersuchungen wie Blutdruck-, Blutzucker-, oder Gewichtsmessungen durch. Patienten, die zu Hause betreut werden, können rund um die Uhr online mit medizinischem Fachpersonal kommunizieren.

Bereits seit sechs Jahren erstellen die Organisationen Nictiz (Niederländisches Kompetenzzentrum für Standardisierung und E-Health) und Nivel (Niederländisches Institut für Gesundheits-Versorgungsforschung) im Auftrag des Gesundheitsministeriums den E-Health Monitor. Laut der letzten Ausgabe von 2018 wurde bislang allerdings nur eins der Ziele in vollem Umfang erreicht: Drei Viertel der Patienten führten tatsächlich Messungen zu Hause durch.

Digitale Lösungen werden in der häuslichen Pflege eingesetzt

Fortschritte konnten bei der häuslichen Betreuung von Kranken und insbesondere von Senioren verbucht werden: Hier werden vor allem zuhause gepflegte Patienten mit technischen Geräten durch Pflegekräfte überwacht. Es kommen beispielsweise Bewegungsmelder und elektrische Matratzen mit Sensoren zum Einsatz.

Die niederländische Regierung investiert in den kommenden Jahren 90 Millionen Euro in E-Health-Lösungen für die Homecare-Versorgung. Davon stehen bis 2021 jährlich etwa 30 Millionen Euro zur Verfügung. Um Fördermittel zu erhalten, müssen Dienstleistungsanbieter und zahlende Organisationen (wie Gemeinden, Versicherungen, öffentliche Verwaltung) zusammenarbeiten, dies mit dem Ziel Lösungen zu finden, die es chronisch Kranken oder Senioren länger ermöglichen, selbständig zu Hause zu leben. Dienstleister und Organisationen müssen einen gemeinsamen Förderantrag stellen, entsprechende Gelder können ab dem 1. März 2019 beantragt werden. Mehr Informationen unter: http://www.rvo.nl/subsidies-regelingen/stimuleringsregeling-ehealth-thuis-set

In den Niederlanden ist die Erfahrung gemacht worden, dass E-Health-Lösungen von und für medizinische Dienstleister besser angenommen werden als solche, bei denen Patienten selbst aktiv werden müssen. Das gilt insbesondere für digitale Krankenakten oder den Austausch von Patientendaten.

Hoher Vernetzungsgrad

Die E-Health-Strukturen sind in den Niederlanden besser ausgebaut als in Deutschland. Beispielsweise ist der Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologie in Arztpraxen seit Jahren üblich. Medizinische Daten werden über die nationale Kommunikationsinfrastruktur namens Aorta übertragen.

Gesundheitsdienstleister können entscheiden, ob sie ihre Informationssysteme an diese nationale Schaltstelle anbinden oder nicht. Allerdings ist die Erlaubnis der Patienten dafür notwendig (Opt-in-Prinzip).

Doch knapp 30 Prozent der Patienten wissen gar nicht, dass sie dem digitalen Informationsaustausch zustimmen müssen. Weitere 20 Prozent können keine Angaben darüber machen, ob sie dem Hausarzt und der Apotheke jemals ihr Einverständnis gegeben haben ihre Daten weiterzugeben, geht aus einer Studie des Verbandes Vereniging van Zorgaanbieders voor Zorgcommunicatie (Verband der Gesundheitsdienstleister, VZVZ), hervor. Ab dem Jahr 2020 haben Patienten die Möglichkeit, konkret festzulegen, welche Daten sie mit welchem medizinischen Dienstleister teilen.

In der Region Nijmegen wird derzeit ein digitales Patientenportal, MedMij (https://www.medmij.nl), getestet. Über dieses Portal haben die Bürger via App Zugang zu allen medizinischen Daten, die über sie gespeichert sind. Sie können ihre Gesundheitsdaten sicher einsehen und mit Gesundheitsdienstleistern teilen.

Laut Roland Friele, Professor an der Universität Tilburg und stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts Nivel, ist der Erfolg von E-Health in den Niederlanden weniger von der Technologie abhängig. Wichtiger sei es, dass alle Beteiligten wie Ärzte, Pflegekräfte, App-Entwickler, Krankenversicherer und Patienten an einem Strang ziehen.

Versicherungen befürworten E-Health

Krankenversicherungen setzen 2019 explizit auf E-Health. So hat der Versicherer Zilveren Kruis E-Health zum ersten Mal in die Beschaffungspolitik aufgenommen. Bis 2021 will die Versicherung 10 Prozent der Pflege, die aktuell noch im Krankenhaus stattfindet, nach Hause verlagern. Bis 2022 soll der Anteil der Krankenhauspflege nicht weiter steigen, um Kosten zu senken. Dabei sind digitale Lösungen ein wichtiger Eckpfeiler.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Nationaal ICT Instituut in de Zorg (NICTIZ) http://www.nictiz.nl Institut für Informations- und Kommunikationstechnologie im Bereich Gesundheitswesen
Nederlands Instituut voor Onderzoek van de Gezondheidszorg (Nivel) http://www.nivel.nl Forschungsinstitut für Gesundheitsdienste
Vereniging van Zorgaanbieders voor Zorgcommunicatie (VZVZ) http://www.vzvz.nl Verband für den Austausch medizinischer Daten über den sogenannten landesweiten Schaltpunkt (landelijke schakelpunkt, LSP)
E-Health Week https://ehealthweek.net Jährlich im Januar stattfindende Messe

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/Niederlande.

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Digitalisierung