Suche

11.04.2018

Eindhoven ist auf dem Weg zur Smart Society

Innovationen durch das Konzept Living Lab / Pilotprojekte verbessern Mobilität und Infrastruktur / Von Marte van den Bosch

Den Haag (GTAI) - Die Stadt Eindhoven ist das niederländische Zentrum für Technologie und Design. Auch als Smart City will die Stadt an die Spitze und bezieht ihre Bewohner in ihre Aktivitäten ein. Im Vordergrund stehen Living Labs, in denen getestet wird, ob Innovationen auch realitätstauglich sind. Die Schwerpunkte liegen bei Gesundheit, Mobilität, Agrifood und Sicherheit. Verschiedene Projekte sind in Planung.

Die Niederlande gehören zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Europäischen Union (EU) mit weiter steigender Tendenz. Darum ist es für den Staat wichtig, über Lebensbedingungen und Wachstum in den Städten nachzudenken und Smart City-Konzepte zu entwickeln. Eindhoven gehört dabei als fünftgrößte Stadt des Landes zu den Vorreitern.

In der Region werden jährlich etwa 2 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Das Gebiet hat zudem die höchste Patentdichte der Welt, was sich auch 2017 im größten Wirtschaftswachstum des Landes (+4,9 Prozent) widerspiegelte. Der Staat will die Wettbewerbsfähigkeit Eindhovens weiter stärken und stellt dafür etwa 130 Millionen Euro zur Verfügung.

Eindhoven will sich zu einer Smart Society entwickeln. "Manche Menschen verwirrt es, dass wir den Begriff Smart Society anstelle von Smart City verwenden. Der Name verdeutlicht jedoch einen wesentlichen Unterschied in der Art und Weise, wie wir arbeiten. Und zwar beteiligen wir unsere Bürger, wenn es darum geht, Probleme anzugehen und entsprechende Lösungen zu finden." so Guus Sluijter, Programmmanager des Smart Society-Programms der Stadt Eindhoven. Die Gemeinde entwickelt in enger Zusammenarbeit mit Bewohnern, Unternehmen und Forschungszentren groß angelegte Pilotprojekte (Living Labs). Innovationen werden im Alltag von den Bürgern auf ihre Realisierbarkeit geprüft. Die Prioritäten der "Brainport Region Eindhoven" liegen bei Gesundheit, Mobilität, Agrifood und Sicherheit. Als Zentrum der niederländischen Technologieindustrie will die Region gesellschaftliche Herausforderungen als Pionier angehen.

Eindhoven als Living Lab

Die Ausgehmeile Stratumseind ist beispielsweise Teil eines Living Lab. Hier untersuchen die Technische Universität Eindhoven, Philips und andere Partner, ob sie durch Variationen von Lichtfarbe und -stärke die Stimmung, Orientierung und Aufmerksamkeit der Menschen auf der Flanierstraße beeinflussen können. Mit Hilfe von Sensoren, Kameras und anderen Messinstrumenten werden Informationen, wie der Geräuschpegel, die Anzahl der Besucher, die Auslastung der Parkhäuser und ähnliche Daten aufgezeichnet.

Zudem arbeiten Philips Lighting, Heijmans und die Technische Universität Eindhoven bis 2030 an einer intelligenten Beleuchtung der Stadt, die in fünf verschiedenen Stadtteilen getestet wird. Hierbei werden Straßenlaternen durch LED-Armaturen ausgetauscht, die sich nur einschalten, wenn jemand vorbeigeht oder -fährt.

Um Mobilität geht es beim Projekt "Internationale Knoop XL", das sich noch in der Planungsphase befindet. Die Bahnhofsregion soll zu einem wichtigen Bahnverkehrsknotenpunkt umgestaltet werden und die Nord- und Südseite des Zentrums verbinden. Bisher herrscht hier starker Autoverkehr. Intelligente Verkehrssteuerungssysteme sollen eingesetzt werden und neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.

Als Zukunftsviertel gilt der Brainport District Helmond, an dessen Rand auf 85 Hektar Wohnungen, Geschäfte und Büros entstehen. Von 2018 bis 2028 werden etwa 1.500 Wohnungen gebaut. Hier werden Innovationen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Mobilitätslösungen und Sicherheit umgesetzt. So sollen Baumaterialien wiederverwertet und Mobilitätsdienste wie Carsharing angeboten werden. Mehr Informationen bietet die Website https://brainportsmartdistrict.nl/.

Eindhoven setzt auf Elektromobilität und bietet seinen Einwohnern elektrische Carsharing-Fahrzeuge, die sie mithilfe einer App reservieren können. Zudem sollen Straßenbeleuchtung, öffentlicher Nahverkehr und Carsharing durch Sensoren gesteuert werden.

Vorreiterrolle in der EU

Amsterdam und Eindhoven haben Richtlinien für eine digitale Infrastruktur vereinbart. Erhobene Daten dürfen dabei weder in die Privatsphäre eingreifen noch an Dritte für kommerzielle Zwecke weitergegeben werden. Die niederländischen Datenschutzbestimmungen lassen Unternehmen allerdings deutlich mehr Spielraum als die deutschen Gesetze.

Das EU-Projekt Triangulum fördert Konzepte für intelligente Städte. In den drei Orten Eindhoven, Manchester und Stavanger werden verschiedene smarte Projekte umgesetzt, die dann in Leipzig, Prag und Sabadell realisiert werden. (http://triangulum-project.eu/index.php/lighthouse-cities/city-of-eindhoven-netherlands/)

(M.vdB.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Wohnungsbau, Schienenverkehr, Hochbau, Urbanisierung, Stadtentwicklung

Funktionen

Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche