Suche

16.05.2019

Einzelhändler in Polen freuen sich über steigende Nachfrage

Ausgaben für langlebige Konsumgüter legen zu / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Der positive Umsatztrend im Einzelhandel setzt sich auch 2019 fort. Die von der Regierung angekündigten Erhöhungen der Sozialausgaben könnten die Nachfrage zusätzlich befeuern.

Der Umsatz im polnischen Einzelhandel wird 2019 nominal um 7,4 Prozent auf 216 Milliarden Euro steigen. Das prognostiziert die Bank Pekao in ihrem jüngsten Branchenbericht. Im Jahr 2018 konnte der Einzelhandel ein Plus von 6 Prozent auf 201 Milliarden Euro verzeichnen, geht aus den jüngsten Zahlen des Polnischen Statistikamtes GUS hervor. Besonders positiv haben sich im Berichtsjahr die Verkäufe von Textilien, Schuhen, Kosmetika und Pharmazeutika sowie von langlebigen Konsumgütern entwickelt.

Verkaufsschlager unter den Haushaltsgeräten sind Wäschetrockner sowie Kaffeemaschinen. Wojciech Konecki, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes für Haushaltsgeräte APPLiA, erwartet auf dem Haushaltswarenmarkt für das Jahr 2019 ein nominales Umsatzplus von 4 bis 5 Prozent.

Wie Zahlen des Marktforschungsinstituts GFK zeigen, liegt Polen bei den Ausgaben für Elektronik mit durchschnittlich 278 Euro pro Person im Jahr weiterhin noch deutlich hinter Ländern wie Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Doch die Elektroniksparte entwickelt sich dynamisch. Im Jahr 2012 hatten die Polen durchschnittlich erst 100 Euro per anno für Elektronik ausgegeben. Insgesamt umfasst das Segment in Polen nach Angaben von GFK ein Umsatzvolumen von fast 11 Milliarden Euro.

Viele Polen sind mit ihrer finanziellen Lage zufrieden

Ein entscheidender Grund für die steigenden Umsätze im Einzelhandel sind die steigenden Löhne im Land: Das Durchschnittseinkommen hat von 930 Euro im Jahr 2015 auf 1.140 Euro im Jahr 2018 zugelegt. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass immer mehr Polen mit ihrer finanziellen Situation zufrieden sind. Einer Umfrage der Santander Bank in Polen zufolge, bewertet jeder zehnte Pole seine finanzielle Situation als sehr gut. Weitere 70 Prozent schätzen ihre Lage als eher gut ein, rund 16 Prozent hingegen als eher schlecht oder schlecht.

Vor allem die Einwohner von Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. In den Mittelzentren mit 50.000 bis 250.000 Einwohnern hingegen halten 11 Prozent ihre Lage für sehr schlecht. Wie die Umfrage außerdem zeigt, bewertet kaum ein Bewohner auf dem Land seine finanzielle Lage als sehr schlecht.

Höhere Sozialausgaben könnten die Nachfrage weiter stimulieren

Positiv auf die Geschäfte des Einzelhandels dürften sich auch die jüngst von der Regierung angekündigten Erhöhungen der Sozialausgaben auswirken. So soll das Mitte 2016 eingeführte Kindergeld von rund 120 Euro zukünftig auch für das erste Kind bezahlt werden. Bisher wird es erst ab dem Zweitgeborenen gewährt, wenn die Familie nicht zu den Geringverdienenden zählt. Ein weiteres Beispiel ist eine Sonderzahlung für Rentner in Höhe einer Monatsrente, die im Mai 2019 ausgezahlt wurde. Insgesamt summieren sich die zusätzlichen Sozialausgaben 2019 auf schätzungsweise rund 5 und 2020 auf gut 9 Milliarden Euro.

Beobachter erwarten, dass die höheren Sozialausgaben dazu führen, dass in den Supermärkten teurere Produkte aus den höheren Regalfächern anstatt der preiswerten Eigenmarken gekauft werden. Aber auch langlebige Konsumgüter könnten profitieren. Da die Menschen in Polen ihre Ausgaben für Lebensmittel bereits jetzt gut bestreiten können, ist davon auszugehen, dass die zusätzlichen Mittel in langlebige Konsumgüter oder in Dienstleistungen investiert werden. Bereits bei den ersten Auszahlungen des Kindergeldes im April und Mai 2016 stiegen die Umsätze von langfristigen Konsumgütern kurzfristig stark an.

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Einzelhandel

Funktionen

Regina Wippler Regina Wippler | © GTAI

Kontakt

Regina Wippler

‎+49 228 24 993 416

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche