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17.09.2018

Elektromobilität Australien: Verkäufe von Elektroautos kommen langsam ins Rollen

Nachfrageschub ab 2021 erwartet / Von Heiko Stumpf (September 2018)

Sydney (GTAI) - Noch fristet die Elektromobilität in Australien ein Schattendasein. Ihr Anteil am Kraftfahrzeugmarkt ist nur marginal. Prognosen zeigen sich jedoch zuversichtlich, dass sie bald aufholt.

Der Absatz von Elektroautomobilen in Australien stieg 2017 um 67 Prozent. Dabei sind jedoch starke Basiseffekte am Werk. Denn mit 2.284 verkauften Fahrzeugen bewegt sich die Nachfrage noch auf geringem Niveau. Der Anteil am gesamten Markt für Kraftfahrzeuge (Kfz) des Landes lag insgesamt bei nur 0,2 Prozent. Grundsätzlich gelten Australier als frühe Anwender von neuen Technologien. Der rote Kontinent ist deshalb ein beliebter Testmarkt für innovative Produkte und Dienstleistungen. "Im Bereich der Elektromobilität hinkt Australien den führenden Nationen jedoch um zehn Jahre hinterher", erklärt Behyad Jafari, Geschäftsführer des Electric Vehicle Council im Gespräch mit Germany Trade & Invest.

Ein von der Australian Renewable Energy Agency (ARENA) und der Clean Energy Finance Corporation (CEFC) im Juni 2018 veröffentlichter Marktausblick erwartet jedoch in den nächsten Jahren einen starken Nachfrageanstieg. Demnach soll der Absatz von Elektrofahrzeugen nach einem moderaten Szenario ohne gebündelte Fördermaßnahmen bis 2020 auf 12.000 Einheiten pro Jahr ansteigen. Im Jahr 2025 könnte bereits die Marke von 200.000 Fahrzeugen durchbrochen werden. Für 2030 wird ein Gesamtabsatz von 612.000 Elektroautos prognostiziert, was einem Marktanteil von rund 50 Prozent entsprechen würde.

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Elektroautos noch überdurchschnittlich teuer

Bei den Neuverkäufen hielten sich 2017 batterieelektrische Fahrzeuge (1.208 Stück) und Plug-in-Hybride (1.076 Stück) in etwa die Waage. Die Marktführerschaft dürfte beim US-amerikanischen Hersteller Tesla liegen. Dieser liefert jedoch keine offiziellen Verkaufszahlen an den Statistikdienst des australischen Automobilverbandes Federal Chamber of Automotive Industries (FCAI), weshalb alle verfügbaren Daten auf Schätzungen über den Absatz von Tesla in Australien beruhen. So dürften die Modelle Tesla S und Tesla X die meist verbreiteten Elektroautos sein, gefolgt vom BMW i3, dem Porsche Cayenne und dem Mitsubishi Outlander.

Das Angebot war 2017 mit insgesamt 23 Modellen (2016: 16) noch sehr gering. Davon lagen 21 Fahrzeuge in der Preisklasse von über 60.000 Australischer Dollar ($A). Die hohen Kosten sind ein wesentliches Wachstumshemmnis. "Durchschnittlich geben Australier nur rund 40.000 $A beim Autokauf aus", so Jafari. Für 2018 und 2019 sind jedoch mindestens fünf neue Modelle für den australischen Markt angekündigt, die unterhalb von 60.000 $A liegen sollen. Darunter der Hyundai Kona, der Hyundai Ioniq sowie der Nissan LEAF Gen 3.

Erste Kfz-Fuhrparks werden umgerüstet

Eine wichtige Stütze des australischen Marktes für Elektrofahrzeuge sind Flottenbetreiber wie Regierungsstellen oder öffentliche und private Firmen. Im Jahr 2017 waren diese für 63 Prozent aller getätigten Käufe verantwortlich. Diese Kundengruppe dürfte auch künftig wichtige Absatzimpulse setzen. Ein Beispiel ist der kommunale Versorger Melbourne Water, welcher die betriebseigene Kfz-Flotte bis 2027 vollständig auf Elektroantrieb umstellen will. Derzeit verfügt der Versorger über rund 400 Fahrzeuge. Auch auf Ebene der australischen Bundesstaaten gibt es bereits einige Programme für die Beschaffung von Elektrofahrzeugen.

Öffentliche Flottenprogramme für Elektrofahrzeuge (Auswahl)
Ort Name Anmerkung
Australian Capital Territory (Canberra) Transition to Zero Emissions Vehicles Action Plan 2018-2021 Ab 2020/21 sollen ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge für den Regierungsfuhrpark beschafft werden
Queensland Electric Vehicle Transition Strategy Umstellung der Regierungsflotte von 10.000 Fahrzeugen auf emissionsfreie Antriebe bis 2030
South Australia Government Fleet Policy Anteil emissionsarmer Antriebe an den 7.000 Regierungsfahrzeugen von 30 Prozent bis 2019, weitere Erhöhung hängt von neuer Regierung ab
Tasmanien Climate Change Action Plan 2017-2021 Verschiedene Maßnahmen wie das Smarter Fleets Programme, welches Kommunen unterstützt die Emissionen ihrer Kfz-Flotte zu reduzieren

Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

Elektroautos aufgrund kurzer Durchschnittsstrecken alltagstauglich

Bei privaten Verbrauchern stoßen Elektrofahrzeuge hingegen noch häufig auf Skepsis. Dabei werden Umfragen zufolge vor allem Bedenken hinsichtlich der Reichweite und der verfügbaren Ladestationen geäußert. Eine Rolle spielen die riesigen Entfernungen, welche die Städte und Ortschaften auf dem australischen Kontinent trennen. Das eigene Auto spielt für die Mobilität der Australier zudem eine große Rolle. Nach Angaben des Australian Bureau of Statistics (ABS) fahren 68,2 Prozent der Erwerbstätigen mit dem eigenen Wagen zur Arbeit.

"Die Akzeptanz von Elektroantrieben leidet jedoch in erster Linie unter Wahrnehmungsproblemen", so Jafari. Denn die Bevölkerung Australiens ist in hohem Maße urbanisiert. Rund 90 Prozent der Einwohner leben in Städten, insbesondere in den fünf großen Ballungsräumen Sydney, Melbourne, Brisbane, Perth und Adelaide. Im Durchschnitt werden täglich nur 36 Kilometer mit dem eigenen Kfz gefahren.

Das allgemeine Fahrverhalten im Lande sollte keine großen Hindernisse für die Verbreitung von Elektromotoren bereiten. Dennoch legen Australier etwa für Urlaubsfahrten gelegentlich auch sehr weite Strecken zurück, weshalb Branchenexperten den Aufbau eines breiten Netzes von Ladestationen im Abstand von 50 bis 100 Kilometer als wichtige Voraussetzung für die Marktentwicklung sehen. Dies gilt insbesondere für den Frachtverkehr per Lastkraftwagen. Australien ist bekannt für seine Road Trains, die mit bis zu drei Anhängern über riesige Entfernungen durch das Outback rollen.

Erste Pilotprojekte gibt es für den Einsatz von Elektrobussen. Das Australian Capital Territory (ACT) plant 2018/19 insgesamt 40 elektrische Busse zu beschaffen. Auch am Flughafen von Sydney werden Passagiere bereits in Bussen mit Elektromotor befördert.

Staatliche Förderung bislang nur Stückwerk

Im Bereich der finanziellen Anreize fehlt es noch an einer landesweiten Strategie. Elektroautos profitieren jedoch von einer Ermäßigung bei der auf Kfz erhobenen Luxussteuer. Diese beträgt 33 Prozent ab einem Verkaufspreis von 66.331 $A. Für verbrauchsarme Kfz und somit auch für Elektroautos greift die Abgabe jedoch erst ab 75.526 $A.

Zusätzlich gibt es für Elektrofahrzeuge in einigen Bundesstaaten Vergünstigungen bei Abgaben und Gebühren. Vorreiter ist das ACT, welches emissionsfreie Automobile von der beim Kauf anfallenden Motor Vehicle Duty befreit. Hinzu kommt ein Nachlass von 20 Prozent bei den Zulassungsgebühren. Rabatte bei Steuern und Gebühren gibt es auch in Victoria, Queensland und New South Wales. Im ACT sollen Elektroautos zudem künftig auch gesonderte Busfahrstreifen benutzen dürfen. Im Finanzierungsbereich bietet die CEFC Programme für die Elektromobilität, wie zinsgünstige Darlehen für Autokäufer.

Über eigene Produktionskapazitäten für Elektrofahrzeuge verfügt Australien noch nicht, so dass der Markt durch Importe bedient wird. Pläne für den Bau einer lokalen Fertigungsstätte gibt es aber durch die GFG Alliance des britischen Großunternehmers Sanjeev Gupta. Die GFG Alliance betreibt u.a. das Whyalla Stahlwerk in South Australia.

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in Australien finden Sie in unserer Reihe Branche kompakt Kfz-Industrie unter: http://www.gtai.de/MKT201705158003

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zum Land Australien finden Sie unter: http://www.gtai.de/Australien

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

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