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13.03.2018

Elektromobilität Frankreich: Kaufanreize treiben den Markt an

Neue Modelle könnten den Absatz 2018 beflügeln / Von Peter Buerstedde (März 2018)

Paris (GTAI) - Der französische Markt für Elektrofahrzeuge ist nach Norwegen und vor Deutschland der zweitgrößte in Europa. Das Wachstum hat sich 2017 vor allem aufgrund von Modellwechseln abgeschwächt. Die im weltweiten Vergleich großzügigen Kauf- und Abwrackprämien und absehbare Einschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sollten den Markt weiter antreiben. (Kontaktadressen)

Die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) sind 2017 um 13,2 Prozent gestiegen. Das Wachstum hat sich damit gegenüber den Vorjahren deutlich abgeschwächt, obwohl der Pkw-Markt insgesamt mit einem Plus von 4,7 Prozent weiter kräftig zulegen konnte. In den Jahren 2016 und 2015 war der Verkauf von BEV noch um 23,1 Prozent beziehungsweise 47,5 Prozent gewachsen.

Nach Informationen des Verbandes zur Entwicklung der Elektromobilität Avere-France haben potenzielle Käufer in Erwartung neuer Modelle ihre Anschaffungen zurückgestellt. Der Grund: Neue Versionen der Bestseller Nissan Leaf und Renault Zoe versprechen größere Reichweiten. Erwartet wird für 2018 auch der Verkaufsstart des Opel Ampera-e und des Tesla Model 3, der sich allerdings in beiden Fällen verzögert.

Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, Stückzahlen)
Indikator 2016 2017 Anteil an Gesamtzulassungen 2017 (in %)
Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) 27.307 30.921 1,47
Plug-in Hybride (PHEV) 6.467 10.803 0,51
Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (Range Extender) 971 1.073 0,05
Hybride (HEV) 50.056 69.679 3,30
Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb insgesamt 84.801 112.476 5,33

Quellen: Avere-France, CCFA

Der Markt wird zu drei Vierteln von den Partnerunternehmen Renault und Nissan dominiert. Auf den Renault Zoe entfielen allein mehr als die Hälfte der BEV-Verkäufe. Es hätten noch mehr sein können, wenn es in der Produktion 2017 nicht zu Verzögerungen gekommen wäre. Besser erging es 2017 den verschiedenen Hybridmodellen mit einem Plus von 41,8 Prozent. Kaufmotivierend wirkt hier, dass auf Hybride im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen in der Regel keine Sonderabgaben auf CO2-Emmissionen erhoben werden.

Zulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge (Stückzahlen; Veränderung in %)
Modell 2016 2017 Veränderung 2017/2016
1. Renault Zoe 11.809 15.925 +33,7
2. Renault Kangoo Z.E. 2.389 2.546 +6,6
3. Nissan Leaf 3.887 2.381 -38,7
4. BMW i3 1.347 1.954 +45,1
5. Smart ForTwo Electric Drive *) 26 938 +3.507,7
6. Peugeot Ion 1.196 874 -26,9
7. Tesla Model S 793 862 +8,7
8. Kia Soul EV 992 818 -17,5
9. Peugeot Partner Electric 441 660 +49,7
10. Citroen Berlingo Electric 271 586 +116,2

*) Markteinführung des neuen Modells ab Frühjahr 2017

Quellen: Avere-France, CCFA

Weiter attraktive Kaufanreize

Frankreich ist eines der Länder mit den höchsten Kaufanreizen für Elektromobile weltweit. Das staatliche Bonus-Malus-System von Kauf- und Verschrottungsanreizen, ist in den letzten Jahren periodisch angepasst worden, zuletzt zum 1. Januar 2018. Dabei wurde die Kaufprämie, Umweltbonus (bonus ecologique) genannt, für rein elektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge bei 6.000 Euro belassen. Gleichzeitig ist die bisherige Förderung von 1.000 Euro für Plug-In-Hybride weggefallen. Hinzu kommt eine Verschrottungs- oder Umstiegsprämie (Prime a la conversion) von 2.500 Euro bei Neukauf eines BEV (bisher 4.000 Euro). Insgesamt kann so der Käufer eines Elektroautos mit bis zu 8.500 Euro Prämie rechnen.

Wachsender Druck auf Diesel und Benziner

Auf der anderen Seite erhöht sich der Druck auf Fahrzeuge mit herkömmlichen Antrieben. So sieht der Klimaplan der Regierung vom Juli 2017 vor, den Verkauf von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2040 einzustellen. Die Stadt Paris geht noch weiter und will ihre Straßen ab 2030 für Benzin- und bereits 2024 für Dieselfahrzeuge sperren. Hybridfahrzeuge sollen davon nicht betroffen sein.

Zudem steigen jährlich die Steuern auf Diesel und Benzin. Hinzu kommen im Rahmen des Bonus-Malus-Systems Sonderabgaben auf Neuwagen mit einem CO2-Ausstoß ab 120 Gramm pro Kilometer, die von 50 Euro bis 10.500 Euro reichen.

Hybride, für die keine Abgabe anfällt, werden dadurch attraktiver. Dies dürfte den Absatz weiter antreiben. Das wachsende Angebot an BEV-Modellen mit größerer Reichweite bei weiterhin interessanten Kaufanreizen sollte auch hier den Verkauf 2018 wieder beleben. Allerdings zeichnet sich angesichts fortbestehender Vorbehalte unter den Autokäufern noch kein echter Durchbruch der Elektromobilität ab.

In einer Umfrage der Universität von Grenoble im Dezember 2017 sahen jeweils knapp 91 Prozent der befragten Experten die unzureichende Ladeinfrastruktur und schwache Reichweite der Fahrzeuge sowie 88 Prozent die hohen Anschaffungskosten als Haupthindernisse für eine stärkere Nutzung von Elektrofahrzeugen an. Dabei sind nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Harris Interactive vom November 2017 rund 69 Prozent der Franzosen bereit, mehr für ein Fahrzeug auszugeben, das die Umwelt schont. Es bestehen auch Informationsdefizite: 41 Prozent konnten kein elektrisches Automodell nennen, während immerhin 19 Prozent ein elektrisches Auto getestet hatten.

Mehr Modelle und Ladestationen

Viele Hersteller haben für 2018 die Einführung von Modellen mit größerer Reichweite angekündigt. Gleichzeitig wächst die Ladeinfrastruktur. Ende September 2017 wurden 20.048 individuelle Ladestationen gezählt und damit 35,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Es fehlt aber weiter an einem dichten Netz an Schnellladern.

Und dies hemmt vor allem den Verkauf von Elektrofahrzeugen an Unternehmen: 2017 stieg der Absatz von BEV um 44 Prozent auf 6.556 Einheiten. Hybride fanden mit 18.766 Einheiten 23 Prozent mehr Firmenkäufer. Erst wenige Unternehmen haben sich zu mehr oder minder ehrgeizigen Umstiegsplänen bekannt. SAP etwa will seinen Fahrzeugpark in Frankreich bis 2020 zu 20 Prozent mit BEV oder Plug-In-Hybriden (PHEV) bestücken. Der Stromkonzern EDF hatte Mitte Dezember 2017 eine vollständige Umstellung seiner Fahrzeugflotte auf elektrische Antriebe bis 2030 angekündigt.

Staatliche Käufer geben den Takt vor

Aktiver sind staatliche Einrichtungen. Nach dem Energiewendegesetz (Loi de transition energetique pour la croissance verte) von 2015 müssen zentralstaatliche Einrichtungen bei der Erneuerung ihrer Fahrzeugflotten mindestens zur Hälfte BEV oder PHEV beschaffen. Für andere Gebietskörperschaften gilt ein Zielwert von 20 Prozent.

Vorreiter beim Einsatz von Elektrofahrzeugen ist die französische Post, die mit 13.000 Einheiten den größten E- Fuhrpark in Frankreich unterhält. Anfang 2018 hat das Pariser Verkehrsunternehmen RATP die Anschaffung von bis zu 1.000 Elektrobussen ausgeschrieben. Dieses Vorhaben könnte in zahlreichen anderen Städten des Landes Nachahmer finden, wo elektrische Busse bereits in Feldversuchen eingesetzt werden. Auch darüber hinaus vervielfältigen sich die Experimente mit elektrischer zum Teil auch autonomer Mobilität seitens Startups, etablierter Unternehmen, Gemeinden und Forschungsclustern. Anfang 2018 hat Volkswagen der Pariser Polizei 13 e-Golf geliefert, die zunächst versuchsweise eingesetzt werden.

Wichtige Ausschreibungen im Bereich Elektromobilität in Frankreich (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitions-summe Projektstand Anmerkungen
Anschaffung von bis zu 1.000 Elektrobussen für Region Paris 400 Interessenbekundungen bis 16.2.18, Auswahl noch 2018 3 Lose a 133 Mio. Euro; Ende 2020 erste Lieferungen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in Frankreich finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-frankreich

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Frankreich finden Sie unter: http://www.gtai.de/frankreich

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Avere-France http://www.avere-france.org Verband zur Entwicklung der Elektromobilität
Avem http://www.avem.fr Informationsportal zu Elektrofahrzeugen und Hybriden

(P.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Elektromobilität

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